Einen Moment der Ruhe finden

Manuela Vögeli stellt in der Kirche St. Michael mit ihren Schwarzenberger Figuren die Auferstehungsszene dar – noch bis Pfingsten.

Manuela Vögeli vor der von ihr gestalteten Auferstehungsszene in der Kirche Würenlingen. (Bild: cl)

07. April 2021
21:15

Ursprung in Schwarzenberg

Die «Biblischen Figuren Schwarzenberg» heissen so, weil die Leiterinnenkurse dafür lange Jahre im ehemaligen Bildungszentrum Matt des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds in Schwarzenberg stattfanden. Sie gehen auf eine Ordensfrau im Kloster Ilanz zurück, die Mitte der 60er-Jahre den Auftrag erhielt, die ersten Kursleiterinnen auszubilden. Ziel war, dass Mütter für ihre Familien die Weihnachtsgeschichte darstellen konnten. Es blieb aber nicht bei den -Weihnachtsfiguren, und schon bald wurde die Aus-bildung auf die Gestaltung von biblischen Figuren ausgeweitet. Die Faszination an den beweglichen Figuren blieb bis heute erhalten.

Die Bibel steckt voller Geschichten. Erzählt man sie mit Figuren, werden die Menschen darin lebendig. Manuela Vögeli hat einen Schrank voller biblischer Figuren, die sie selber ­gestaltet hat und mit denen sie verschiedene Szenen darstellen kann.  So auch die Geschichte der Auferstehung Jesu, die im neuen Testament beschrieben ist. In der Kirche St. Michael in Würenlingen veranschaulichen zwei dieser Figuren diese Szene. Sie verdeutlicht den Moment, als Maria Magdalena an Jesu Grab kommt, um seinen Leichnam  mit Öl zu salben. Der Stein ist weg, das Grab leer. «Die Erscheinung, die sie dann sah, hielt sie erst für den Gärtner», erklärt Manuela Vögeli lächelnd.

Noch bis Pfingsten können Kirchenbesucherinnen und -besucher die Auferstehungsszene, die den zentralen Aspekt der Osterbotschaft darstellt, in Augenschein nehmen. Währenddessen läuft im Hintergrund leise Musik. Da die Türen der Kirche den ganzen Tag geöffnet sind, kann man ihr jederzeit einen kleinen Besuch abstatten. «Die Menschen können die Szene auf sich wirken lassen und einen Moment der Ruhe finden. So können sie Kraft und Hoffnung aus der Osterbotschaft schöpfen», sagt Manuela Vögeli.


Ausdrucksstark und beweglich

Die 50 Zentimeter grossen Figuren stehen mit ihren Bleifüssen sicher, und dank des Sisaldrahtgestells lassen sie sich bewegen, wie es der eigenen Vorstellung entspricht. «Die Figuren haben ja keine Gesichter, deshalb legen wir den Ausdruck in die Bewegung», erklärt Manuela Vögeli. Wichtig ist ihr dabei die Wahl der Stoffe, damit die Figuren authentisch wirken. «Ich nehme immer nur hochwertiges Material aus Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide», fügt sie an. Maria Magdalena trägt beispielsweise einen Umhang aus einem handgewobenen Wollstoff, den die Weberin aus dem Appenzell mit natürlichen Farben selber gefärbt hat. Manuela Vögeli bastelte schon immer gerne. Das war in ihrer Jugend ein Kriterium bei der Berufswahl.

 Manuela Vögeli machte 1963 im Heiligkreuz in Cham die Ausbildung als Kindergärtnerin. Von1975 bis 1985 war sie in Sins als Kindergärtnerin und Katechetin tätig. Die beweglichen Figuren schienen ihr bestens geeignet, um den Kindern biblische Geschichten näherzubringen. Die Weihnachtsgeschichte, aber auch Gleichnisse aus dem Neuen Testament. Danach arbeitete sie 36 Jahre lang mit Pfarrer Hans Boog zusammen, erst in Eiken und danach in Döttingen. Sie unterrichtete Kinder in allen Schulstufen, gestaltete Kindergottesdienste und war Ansprechperson für diverse Gruppierungen innerhalb der Kirchgemeinde.


Das Selbstvertrauen von Frauen stärken

Damals gab sie auch Kurse für biblische Figuren. «Eine schöne Zeit», blickt sie zurück. Neben dem gemeinsamen Gestalten seien viele gute ­Gespräche entstanden und Freundschaften geknüpft worden. Besonders freue es sie, dass Frauen, die vorher keine Erfahrung im Gestalten hatten, an Selbstvertrauen gewannen. In 49 Kursen konnte Manuela Vögeli ihr Wissen an die Frauen weitergeben. Seit ihrer Pension lebt Manuela Vögeli wieder in Würenlingen. Dort, wo sie aufgewachsen ist.

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