Einflussreich, aber keine Partei

Der Verein Pro Spreitenbach wird zehn Jahre alt und zählt mittlerweile gegen 100 Mitglieder. Präsident Peter Wurzer über das Erfolgsrezept.

Vorstand von Pro Spreitenbach: v.l. Peter Wurzer (Präsident), Susanne Muntwyler (Vizepräsidentin), Heidi Sami (Kassierin), Silvia Bodenmann (Aktuarin), Peter Muntwyler (Beisitzer) (Bild: zVg, fotografiert vor März 2020)

von
Stefan Haller

26. März 2020
09:00

Pro Spreitenbach

Der Verein «Pro Spreitenbach» bezweckt die Förderung der Dorfgemeinschaft und die Wahrung der Interessen Spreitenbachs gegenüber Behörden und Privaten in sämtlichen Fragen von allgemeiner öffentlicher Bedeutung. Der Verein ist parteipolitisch neutral und bringt sich aktiv in die politischen Abläufe ein. 

Herr Wurzer, weshalb und unter welchen Umständen wurde Pro Spreitenbach gegründet?

Vor elf Jahren galt es, den Gemeinderat neu zu bestellen. Damals gesellte sich im zweiten Wahlgang der bekannte Ortsbürger und Förster Peter Muntwyler zum Kandidatenkreis. Kurzentschlossen unterstützten ihn einige Spreitenbacherinnen und Spreitenbacher, verteilten über Nacht Flyer und liessen Plakate drucken – alles privat finanziert. Mit Erfolg! Peter Muntwyler wurde damals in den Gemeinderat gewählt.

 

Und daraus entwickelte sich dann der Verein Pro Spreitenbach?

Wir merkten: Man kann sehr viel erreichen, wenn die richtigen Leute zusammenhalten und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Darum gründeten wir vor zehn Jahren den Verein. Wir hatten viele Ideen, was dieser Verein bezwecken soll. Für die Namensfindung brauchten wir zwar etwas länger. Dafür sind wir heute längst ein Begriff, auch über Spreitenbach hinaus.

 

Brauchte es viele Bemühungen für den Mitgliederzuwachs?

Überhaupt nicht. Offensichtlich ist es ein Bedürfnis, sich in einer Gemeinde einzubringen, ohne einer Partei anzugehören. 

 

Welche Pflichten hat man als Mitglied bei Pro Spreitenbach?

Es genügt, bei uns dabei zu sein. Speziell wenn es um ein bevorstehendes Abstimmungsthema geht. Nicht selten kommen Neuzuzüger oder Einwohner ohne Anmeldung an unser monatliches Treffen und legen ihre Meinung zu einem Thema oder ein Vorhaben auf den Tisch. Darüber wird dann diskutiert. Wenn es sich um eine gute Idee handelt, die für die Allgemeinheit förderlich ist, dann unterstützen wir das. Es haben auch schon Mitarbeiter der Gemeinde oder Gemeinderäte an unseren Treffen teilgenommen. 

 

Nun wird der Verein dieses Jahr zehn Jahre alt. Welches sind die Erfolge?

Oft sind wir zwar stark an einem Thema beteiligt, aber es steht nicht unbedingt Pro Spreitenbach auf der Fahne. Die grösste Herausforderung in letzter Zeit war wohl Tempo 30 auf der Dorfstrasse. Diese verfügte nach der Sanierung weder über ein Trottoir noch einen Zebrastreifen und dies obwohl sie ein viel benutzter Schulweg von Kindergärtnern und Unterstufenschulkindern ist. Ein Einwohner ortete Handlungsbedarf und Pro Spreitenbach hat etwas getan. Die Petition von Mitgliedern kam rasch an, sodass wir vom Gemeinderat und von der Regionalpolizei eingeladen wurden, um bei einer Projekterweiterung mitzuwirken. Auch Killwangen wollte damals, dass an der Gemeindegrenze mit Spreitenbach das Vorhaben zusammengeschlossen wird. Allerdings wurde das Projekt, das einen sichereren Schulweg ermöglicht hätte, dann durch einen Einwohner von Spreitenbach an der Gemeindeversammlung gestoppt.

 

Welches sind weitere aktuelle Themen?

Da wäre sicher die Streckenführung der Limmattalbahn zu nennen. Das Projekt Neumatt haben wir stark verfolgt, und ein Mitglied war aktiv in der Projektkommission. Ebenfalls wirkt ein Pro-Spreitenbach-Mitglied  in der Projektkommission Neubau des Gemeindehauses mit. Wir haben auch die jährliche Friedhofsbegeung ins Leben gerufen. Bei der Nichtfusion der Spitex zu einer Aktiengesellschaft waren wir ebenfalls beteiligt. Für das Projekt auf dem Sportplatz Ziegelei haben uns Sportvereine mit ins Boot geholt, und auch beim BNO-Projekt (Obi-Baumarkt und Wohnungen) haben wir uns eingebracht. Die Wiederbelebung des Ortsmuseums hingegen ist uns nicht gelungen.

 

Das tönt alles sehr politisch. Was unterscheidet denn Pro Spreitenbach von einer Partei?

Bei uns stimmt jeder, was er will und vertreten kann. Wir sind neutral, verfügen aber mit gegen hundert Mit-gliedern und deren Angehörigen über genügend Einfluss, falls dies nötig wird. Seitens der Parteien hören wir oft: Ihr seid gar kein Verein, ihr verhaltet euch wie eine Partei! Das mag sein, aber wenn man die Politiker im In- und Ausland beobachtet, so verbrauchen diese viel Energie für ihre Profilierung und den Kampf gegen die anderen Parteien. Für die problemlösende Sachpolitik scheint es dann nicht selten an Energie zu fehlen. 

 

Wer macht mit bei Pro Spreitenbach?

Wir haben überall unsere Mitglieder, die sich für Spreitenbach einsetzen, ohne einer Partei angehören zu wollen. 13 Mitglieder sind in Kommissionen tätig, zwei in der Kirchenpflege, zwei im Spitex-Vorstand und nicht zuletzt sind auch vier ehemalige Gemeinderatsmitglieder bei Pro Spreitenbach aktiv. Das Gleiche gilt für Führungskräfte grösserer Firmen. Wir haben eine Gruppe von einflussreichen Mitgliedern, die aus persönlichen Gründen nicht auf der Mitgliederliste aufgeführt werden  möchten.

 

Im Moment sind Ihre Aktivitäten bestimmt auch beeinträchtigt durch die Coronavirus-Pandemie?

Ja leider. Wir treffen uns jeden ersten Mittwoch um 18.30 Uhr im Restaurant Sternen. Die kommenden Treffen sind bis auf Weiteres abgesagt. Die Generalversammlung im Jubiläumsjahr, sie war ursprünglich für den 1. April angesetzt, musste wegen des Coronavirus ebenfalls verschoben werden. Auch der «Runde Tisch» vom 6. April im Altersheim Brüel, bei dem wir die Kandidaten der Gemeindepräsidentenwahl eingeladen hatten,  wurde abgesagt. Ein neues Datum steht noch nicht fest.

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