Emotional geprägte Präsentation

Die Ortsparteien luden zum Podium mit den Kandidierenden für die am 26. September stattfindende zweite Runde der Gemeinderatswahl.

Gut besetztes Podium: Stefano Potenza, Sabine Rickli, Tonja Kaufmann, Kurt Schneider und Urs Weilenmann. (Bild: mw)

15. September 2021
19:52

Im ersten Wahlgang vom 13. Juni wurde praktisch der ganze Gemeinderat von Hausen ausgewechselt. Alle drei bisherigen Exekutivmitglieder schafften damals die Bestätigung nicht. Für die Amtsperiode 2022 bis 2025 sind folgende Personen gewählt: Andreas Arrigoni, parteilos; Lukas Bucher (parteilos); Manuela Obrist (FDP) und Stefano Potenza (FDP). Um den noch offenen Sitz bewerben sich die bisherigen SVP-Gemeinderätinnen Tonja Kaufmann (Vizeammann) und Sabine Rickli. Hinzu kommen die neuen Kandidaten Kurt Schneider (parteilos) und Urs Weilenmann (SP). Der bereits gewählte Stefano Potenza strebt die Übernahme des Amts als Vizeammann an.


Ein breites Spektrum

Die Veranstaltung im Gemeindesaal wurde von Gruss- und Schlussworten der beiden im Namen der Ortsparteien auftretenden Organisatoren Peter W. Frey und Hans-Peter Widmer umrahmt. Die Gesprächsleitung hatte Peter Belart inne.

Die seit sechs Jahren als Gemeinderätin tätige Sabine Rickli verwies auf ihr grosses Netzwerk und ihre Erfahrung in der Exekutive. Sie ortet in Hausen ein erhebliches Sparpotenzial, und auch die regionale Zusammenarbeit liegt ihr am Herzen. Dass sie im Wahlkampf ihre Parteikollegin Tonja Kaufmann konkurrenziert, begründete sie mit dem Hinweis, dass es hier um eine Persönlichkeitswahl gehe, zu der verschiedene Ansichten  möglich seien.

Tonja Kaufmann führte an, sie habe sich aufgrund positiver Rückmeldungen zur Kandidatur im zweiten Wahlgang entschieden. Sie betonte den Vorteil ihrer mehrjährigen Tätigkeit als Gemeinderätin und Grossrätin. Der Werterhalt der Infrastruktur  der Gemeinde liegt ihr besonders am Herzen. Kontinuität wäre nach ihrer Überzeugung wichtig für die Arbeit in der Exekutive.

Urs Weilenmann bemängelte das Fehlen einer grünen Politik in Hausen. Er äusserte den Wunsch, dass der Umwelt die ihr zukommende Bedeutung beigemessen werde. Er möchte sich auch für soziale Belange einsetzen.

Kurt Schneider zeigte sich überzeugt, dass die Gemeinde von seinem theoretischen und praktischen Wissen als Planungs- und Baufachmann (heute Leiter der Baudirektion Olten) profitieren könnte. Als wichtige Ziele nannte er die intensive Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und die Steigerung des Hausemer Selbstbewusstseins.

Nach der einleitenden Vorstellung fühlte Peter Belart in der Fragerunde den Kandidierenden pointiert auf den Zahn. Tonja Kaufmann zeigte sich trotz der hohen Verschuldung der Gemeinde optimistisch für die Zukunft. Sie und Kurt Schneider warfen sich gegenseitig vor, wegen der Beteiligung an diversen Projekten für einen Teil von Hausens finanziellen Problemen mitverantwortlich zu sein, was beidseitig «relativiert» wurde. Schneider begründete die Tatsache, dass er erst im zweiten Wahlgang als Kandidat eingestiegen ist, mit der laut seinen Aussagen in der ersten Runde festgestellten «Politverdrossenheit» der Stimmbürger. Er setzte sich unter anderem für eine qualitativ hochstehende Innenentwicklung des Dorfs ein. Stefano Potenza geht aufgrund seines positiven Abschneidens im ersten Wahlgang auf «Frontalangriff» gegen Tonja Kaufmann. Er verfüge mit seiner Führungserfahrung und als Teamplayer über gute Voraussetzungen für den Posten des Vizeammanns. Aufgrund seines zwölfjährigen Einsatzes in der Schulpflege interessiere er sich speziell für das im Erziehungsbereich angesiedelte Ressort. Er möchte einen Schwerpunkt im Bereich Optimierung der Kommunikation setzen und zusammen mit den anderen Gemeinderäten gewisse Punkte der Gemeindepolitik hinterfragen.


Keine ausgedehnte Diskussion

Die abschliessende Diskussion verlief eher kurz, was darauf hindeuten könnte, dass die Meinungen zur zweiten Runde der Gemeinderatswahl wohl schon gemacht sind. Ein Votant wies Stefano Potenza darauf hin, dass mit der Planung und Realisierung der Überbauung des Reichhold-Areals und mit der Bau- und Zonenplanung grosse Aufgaben warten. Potenza erklärte, er sei sich dessen voll bewusst. Anstehende Geschäfte seien gründlich zu analysieren und zu bewerten, laute die Devise. Ein FDP-Vertreter wünschte sich mehr grüne Politik und setzte sich aus diesem Grund sogar für den SP-Kandidaten Urs Weilenmann ein. Gefragt wäre eine griffige Energiestrategie mit klaren Grundlagen. Kurt Schneider führte aus, in Hausen sei Sachpolitik gefragt und deshalb das Parteibüchlein auf der Seite zu lassen. Auch er sprach sich für mehr Grünräume und zudem für den Ausbau von Photovoltaik aus – Punkte, die speziell beim Reichhold-Campus zu beachten wären. Tonja Kaufmann unterstrich die Wichtigkeit des Sparauftrags, und Sabine Rickli erwähnte ihre im Sinn einer offenen Kommunikation gepflegte Bürgernähe.

Das Fazit zum Wahlpodium lautet, dass die Kandidierenden eine demokratische Ausmarchung ermöglichen. Das Resultat vom 26. September hängt von den individuellen Prioritäten der Stimmbürger ab, was auch aus den Fragen und Bemerkungen in der Diskussion zu schliessen war. Man darf also gespannt sein auf die definitive Zusammensetzung des Gemeinderates.

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