Emotionen bei der Fahnenweihe

Die Musikgesellschaft Schinznach-Dorf hat am Jahreskonzert ihr 160-Jahr-Jubiläum gefeiert und ihre neue Fahne eingeweiht.

Fähnrich Bruno Schnyder mit der neuen Fahne
Fähnrich Bruno Schnyder mit der neuen Fahne (Bilder: ci)

von
Lorenz Caroli

08. April 2019
13:00

Ganz dunkel war es in der Mehrzweckhalle, als auf der Bühne die Musikgesellschaft (MG) das Vorspiel zur Oper «Nabucco» von Giuseppe Verdi intonierte. Mit einem Paukenschlag wurde es hell, und bekannte Töne erklangen. Besonders diejenigen des Gefangenenchors machen die Oper bei vielen Zuhörern so vertraut. Nach diesem Auftakt meldete sich Petra Kull, die neben ihrem Einsatz als Musikantin, den Konzertabend moderierte. Zu allen Musikstücken erklärte sie Hintergründe, die vom Publikum gerne angenommen wurden. So konnte man sich ein gutes Bild über Entstehung und Komponist machen. Petra Kull erklärte, dass man am diesjährigen Jahreskonzert mehrheitlich klassische Musik und Musicals spielen werde, da diese Art Musik vor ein paar Jahren an einem Kirchenkonzert gut aufgenommen wurde. Nach «The Phantom of the Opera» kam die Mezzosopranistin Désirée Pauli auf die Bühne und sang das bekannte und berühmte Lied «Memory» aus dem Musical Cats. Die Solistin ist Gesangslehrerin und singt bei Opern und Operetten mit. Mit einem weiteren Musicaltitel – «Grease» – wurde der erste Teil des Konzertes abgeschlossen. Petra Kull lud die Besucher und Besucherinnen ein, sich beim Kuchenbuffet zu bedienen und für den zweiten Teil zu stärken. Zur Pause gehörte auch der Verkauf von Tombola-Losen.

 

Auftakt zur Fahnenweihe

Mit Melodien aus der romantischen Operette «Das Land des Lächelns» von Franz Lehàr begann der zweite Teil. Während dieser Zeit stellten sich die Fahnendelegationen im hinteren Teil der Mehrzweckhalle auf und marschierten dann auf die Bühne. Die Fahnengotte Theresia Berger und Götti Peter Kopp standen mit der eingerollten Fahne bereit. Der Fahnenmarsch gab das Zeichen zum Entrollen. Langsam konnte man die Darstellung auf der Fahne erkennen. Gross war der Applaus, als die ganze Fahne sichtbar wurde. Der Vereinsfähnrich Bruno Schnyder, der dieses Amt schon sieben Jahre ausübt, durfte die Fahne sichtlich gerührt entgegen nehmen. Die neue Fahne wurde anschliessend von den Fahnendelegationen in ihren Kreis aufgenommen.

 

Aus der Vereinsgeschichte

Präsident Michael Kopp ging in seiner Ansprache auf einige Details der Vereinsgeschichte ein. Die MG besteht seit 160 Jahren. Anfänglich hatte man Probleme, weil es an Mitgliedern mangelte. Dies war nicht verwunderlich, denn damals gab es drei Musikvereine im Dorf. 1909 erfolgte dann eine Fusion von zwei Vereinen. Kopp bemerkte, dass man Fusionen also schon früher kannte in Anspielung an die kürzlich erfolgte Fusion von Oberflachs und Schinznach-Dorf. Im Jahre 1950 wurde Armin Nyffenegger, der beim Konzert anwesend war, als neuer Dirigent gewählt. Als Honorar erhielt er pro Probe vier Franken. Die Entschädigung setzte er jeweils als Geschenk in ein Fass Bier für seine Musikanten um.

Die alte Fahne stammt aus dem Jahr 1984. Sie musste in letzter Zeit regelmässig repariert werden. Deshalb beschlossen die Mitglieder, eine neue Fahne zu beschaffen. Man war sich bewusst, dass die Vereinskasse die Kosten nicht stemmen konnte und suchte nach Sponsoren. Dank diesen konnte eine Fahne in der Schweiz bestellt und heute eingeweiht werden. Ein Betrag von 14'400 Franken musste dafür bereitgestellt werden. 

Solistin Désirée Pauli als Cat
Solistin Désirée Pauli als Cat

 

Grussworte und Gratulationen

Gemeindeammann Urs Leuthard gratulierte der Musikgesellschaft zum Jubiläum. Seitens der Gemeinde übergab er einen Zustupf an die gelungene Fahne, welche die Verbundenheit zum Dorf dokumentiert. Der Vertreter des Aargauischen Musikverbandes, Urban Bauknecht, freute sich ebenfalls über das Jubiläum und die neue Fahne. Als Geschenk überbrachte er einen Geldbetrag, der für den Kauf eines neuen Musikstückes verwendet werden kann und damit für die Bereicherung von Anlässen dienen soll.

 

Fortsetzung des Konzertes

Nach diesem feierlichen Ablauf wurden Melodien aus dem Musical «The Lion King» gespielt. Anschliessend kam mit dem Bariton David Züricher ein weiterer Solist zu einem Auftritt. In der Oper «Largo al Factotum della Citta» von Gioacchino Rossini sang er den Figaro. Er beherrschte die zungenbrecherischen Partien aufs Beste. Auch ihren Part als Carmen beherrschte Désirée Pauli im nachfolgenden Stück «Habanera from Carmen». Zum Abschluss des Konzertes spielte die MG Melodien aus «West Side Story». Zurecht erwarteten die Programmverantwortlichen, dass eine Zugabe gewünscht werde. Mit «Komm mit nach Varasdin» aus der Operette Gräfin Mariza von Emmerich Kàlmàn wurde der Wunsch erfüllt und die beiden Solisten sangen dazu im Duett. Auch dieser Vortrag wurde mit grossem Applaus quittiert, sodass sich die MG mit dem Tanz «Cancan» aus der Operette Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach verabschiedete. Neben der emotionalen Fahnenweihe bot die MG unter der neuen Leitung von Christoph Vogt perfekte und unterhaltsame Musik. Das Publikum freute sich mächtig an den meistens bekannten Melodien.

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