Entwicklung der Volksschule

Armin Käsers Grossvater Heinrich Käser wirkte während 33 Jahren als Lehrer in Oberflachs und hinterliess einen grossen Nachlass.

Armin Käser bei seinem spannenden Vortrag
Armin Käser bei seinem spannenden Vortrag (Bild: ci)

von
Lorenz Caroli

21. März 2018
09:10

Als kleiner Junge bemerkte Armin Käser nicht, dass seine Mutter regelmäs­sig aus dem Estrich Dokumente holte und sie verbrannte. Erst in jüngster Zeit interessierte er sich für die noch übrig gebliebenen Dokumente und vertiefte sich darin. Er stellte fest, dass es Unterlagen von seinem Grossvater Heinrich Käser waren. In den Jahren 1888 bis 1921 war er als Lehrer in Oberflachs tätig.


Schulwesen von anno dazumal

Für Armin Käser stellte die Hinterlassenschaft seines Grossvaters eine einmalige Chance dar, sich mit der Welt eines Lehrers vor über 100 Jahren zu befassen. Er untersuchte die Dokumente aus mehreren Harassen und Schachteln und versuchte, sich ein realistisches Bild des Schulwesens von einst zu machen. Daraus ist ein Vortrag entstanden, der auch einen grösseren Überblick des Aargauer Schulwesens ergibt.

Der Referent, der selbst früher Lehrer war, begann seinen Vortrag damit, dass es im Mittelalter Klosterschulen gab und Schulen in den Städten. Im 18. Jahrhundert hatte Bern eine Schulordnung erlassen. Die Schule lag damals im Zuständigkeitsbereich der Kirche. Der Ammann und der Pfarrer wählten den Schulmeister. Dabei hatte der Pfarrer dafür zu sorgen, dass die Schulordnung eingehalten wird und die Kinder in die Schule geschickt werden. Es gab keine Jahrgangsklassen, sondern eine Art Leistungsklassen. Zuerst wurden die Buchstaben und die Silben gelernt. Lesen und schreiben war nur für die Fortgeschrittenen geplant. Als Lehrbücher dienten kirchliche Bücher. Meistens ging man nur im Winter wöchentlich während sechs Tagen zur Schule. Im Sommer gab es einen reduzierten Schulbetrieb von wöchentlich einem halben oder ganzen Tag. 

Die Lehrpersonen stellten meistens ihr Wohnzimmer als Schulzimmer zur Verfügung, in dem sie zum Teil über 50 Kinder unterrichteten. Da der Lohn nicht fürstlich war, hatten viele von ihnen einen Nebenerwerb, zum Beispiel als Bauer.


Maximal 80 Kinder pro Klasse

Ab 1805 gab es eine Schulpflicht für alle Kinder. Die Gemeinden mussten eigene Schulen einrichten und Schulhäuser erstellen, wenn die Kinderzahl 50 überstieg. Im Jahre 1865 wurde die Primarschulpflicht von sechs auf acht Jahre erhöht. Realfächer und Turnen wurden eingeführt und die Klassengrösse auf maximal 80 Kinder festgelegt.


Oberlehrer Heinrich Käser

Von 1888 bis 1921 war Heinrich Käser Oberlehrer in Oberflachs. Als Grund für eine Lehrerausbildung begründet Armin Käser die nicht allzu lange Ausbildung und die Zukunftsausrichtung des Lehrerberufes. Heinrich Käser heiratete in eine relativ wohlhabende Familie. Er war von Schicksalsschlägen nicht verschont. Sein Vater machte Konkurs wegen eingegangenen Bürgschaften. Heinrich konnte mit dem Geld seiner Frau die Bürgschaften einlösen. Seine Eltern und der Schwiegervater starben früh, ebenso auch zwei seiner Kinder im jugendlichen Alter. Heinrich liess sich früh pensionieren. Als Hobby hatte er die Imkerei. Er konnte die Schicksalsschläge nicht verkraften und wurde depressiv. 1947 starb er.

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