Er läuft und läuft und läuft ...

Als einer von drei Schweizern nimmt Simon Schmid am diesjährigen Spartathlon in Griechenland teil. Dieser ist sein erklärtes Saisonziel.

Simon Schmid, der «Ultramarathon-Man» aus Mönthal
Simon Schmid, der «Ultramarathon-Man» aus Mönthal (Bild: sha)

von
Stefan Haller

03. Juli 2019
10:00

Angesichts der seit letzter Woche herrschenden Temperaturen von teils weit über 30 Grad lechzen die meisten von uns nach einem schattigen Plätzchen. Als das höchste der Gefühle könnte man sich allenfalls einen Sprung ins kühle Nass vorstellen. Nicht so Simon Schmid! Er kennt sich aus mit mörderischer Hitze, ja er lief im Juni 2015 bei Temperaturen wie den aktuellen 372 Kilometer von Romanshorn am Bodensee zum Genfersee in weniger als 60 Stunden. Auch heftige Gewitter konnten ihn nicht aufhalten, das Ziel in Lausanne-Ouchy zu erreichen. Strapazen wie schmerzende Füsse, erschwerte Nahrungsaufnahme oder Steine in den Schuhen meisterte er bravourös. 

 

Weltrekordhalter im 48-h-Lauf

Für eine solche Parforceleistung  brauche es unzählige Trainingseinheiten, so der fünffache Schweizermeister im 12- und 24-Stunden-Lauf und  amtierende Weltrekordhalter im 48-Stunden-Lauf auf der Strasse, Kategorie M40. Um auf seine Trainingskilometer zu kommen, fährt Schmid meist mit dem Rennrad vom Wohnort Mönthal zum Arbeitsort Bellikon, wo er als stellvertretender Leiter des Pflegedienstes (Vice Chief Nursing Officer) in der Rehaklinik arbeitet. Zurück geht es dann per pedes via Rohrdorferberg – Birmenstorf – Vogelsangbrücke – Villigen – Ruine Besserstein – Laubberg – Gansingen und denn Cheisacher zurück nach Mönthal. «Das ergibt super Höhenmeter», konstatiert Schmid. Doch damit nicht genug: Auch in der Mittagspause sitzt der bald 50-Jährige keineswegs still, sondern absolviert weitere Runden auf dem Belliker Höhenweg. «Meine Arbeitskollegen kennen meinen Bewegungsdrang und sind höchstens schockiert, wenn sie mich mal im Auto sehen», meint er lachend. Dennoch räumt er ein: «Mein soziales Umfeld hat nicht immer uneingeschränkt Verständnis für meine Leidenschaft.» Dennoch werde ihm sowohl von Lebenspartnerin Prisca Huber als auch von Freunden und Bekannten bei seinen Projekten und Unternehmungen der notwendige Support gegeben.

 

Vom Boxer zum Ultra-Runner

In jungen Jahren sei er nicht überdurchschnittlich sportlich gewesen, erzählt der gebürtige Fricktaler. «Ich war ein Filou und hatte statt seriösen Trainings mehr Interesse an Motorrädern und Frauen», räumt er schmunzelnd ein. Walter Grimm vom Box-Ring Baden brachte ihn zum Boxsport, von dem er dann irgendwann genug hatte. Durch Weggefährte Fredy Büchler fand er zum Laufsport. «Das war im Jahr 2002, also eigentlich sehr spät», erinnert er sich. Gleichzeitig fügt er an: «Ein Ultramarathonläufer ist zwischen 40 und 50 Jahren im besten Alter.» Er selbst habe etwa zehn Jahre gebracht, um an die Spitze zu gelangen. Heute ist Schmid einer der besten Ultra-Runner hierzulande und zählt auch europaweit zur Spitze. Einen Rückschlag musste er im Februar 2019 hinnehmen, als er sich bei einem Sturz auf dem Radweg unweit des Wohnorts zwei Brustwirbel brach. Dieser Unfall ist nach monatelanger Reha wieder verarbeitet. «Ich fühle mich heute so gut wie nie zuvor», betont Simon Schmid.

 

Mit schwarzem Bart von Athen nach Sparta

Und das ist gut so, denn es dauert nicht mehr lange bis zum Saisonhöhepunkt: dem Spartathlon in Griechenland vom 27./28. September. Der Spartathlon ist ein Ultramarathon über eine Strecke von 246 km, der in Griechenland seit 1983 veranstaltet wird. Die historische Strecke von Athen nach Sparta muss dabei innert 36 Stunden zurückgelegt werden. Der Vater des Spartathlons ist der Bote Pheidippides, der nach der Überlieferung von Herodot 490 v. Chr. während der Perserkriege von den Athenern nach Sparta geschickt wurde, um Hilfe in der Schlacht bei Marathon zu erbitten. 

Nur rund 360 Läufer sind für den Marathon auf historischer Originalstrecke qualifiziert. Aus der Schweiz werden es voraussichtlich drei Teilnehmer sein. Für den Saisonhöhepunkt absolviert Schmid Höhentrainings im Engadin und im Schwarzwald, um topfit zu sein. Was den Anlass so hart mache, sei die Selektion: Wer nicht wenigstens den Kontrollpunkt Nestani beim Kilometer 172 innerhalb von 24:30 Stunden erreicht hat, wird aus dem Rennen genommen.

Wie viele der Spartathlon-Teilnehmer will sich Schmid einen prächtigen Vollbart wachsen lassen. «Dieser wird dann in Anlehnung an die griechische Tradition schwarz eingefärbt», ergänzt er lachend. 

 

48-Stunden-Ultramarathon in Brugg

Simon Schmid läuft seit 2012 für den Verband Swiss Ultra Running und unterstützt hierzulande die Förderung des Ultralaufsports. Dieser habe leider keine starke Lobby und so gut wie kein Sponsoren, dabei sei der Sport äusserst zeitaufwändig. Besonders freut er sich, dass 2020 die erste Schweizermeisterschaft im 48-Stunden-Ultramarathon auf seiner Hausstrecke im Brugger Geissenschachen stattfinden wird. 

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