Er schaut entspannt in die Saison

Produzent Peter Häusermann aus Villnachern ist überzeugt, dass trotz der Corona-Situation viele Menschen auf das Erdbeerfeld kommen. Vielleicht erst recht.  

Rund 50'000 Erdbeerstöcke pflegt Peter Häusermann in Villnachern (Bild: cl)

20. Mai 2020
09:00

Endlich wieder Erdbeeren! Die selbst gepflückten Früchte aus dem eigenen Garten oder vom Feld schmecken einfach am besten. Und so locken die süs­sen aromatischen Früchte jedes Jahr viele Besucher auf die Erdbeerfelder. Auch bei Produzent Peter Häusermann in Villnachern herrscht in dieser Zeit immer Hochbetrieb. Es sieht nach einer guten Erdbeersaison aus. Der April sei zwar sehr trocken gewesen und man musste das Feld bewässern, aber glücklicherweise gebe es bis anhin keine Frostschäden, erzählt Peter Häusermann bei einem Gespräch am 12. Mai. Noch gelte es, die Eisheiligen abzuwarten, aber er sei optimistisch. Mit dieser Einstellung blickt er auch auf die Erdbeerernte. «Ich schaue entspannt auf die Saison», bekundet er.

 

Veränderte Umstände 

Denn in diesem Jahr ist alles anders als sonst. Die Corona-Krise hat vieles verändert, auch das Einkaufsverhalten der Schweizer. Sie kaufen vermehrt in Hofläden oder beim Bauern ein und setzen auf regionale Produkte. Diesen Trend hat auch Peter Häusermann beim Verkauf seiner Spargeln beobachtet. Ob dieser anhält, weiss man noch nicht, aber es könne gut sein, dass mehr Menschen als sonst zum Selberpflücken aufs Feld kommen. Nach wie vor sind die Schutzmassnahmen einzuhalten. Peter Häusermann zeigt auf das Mäppchen mit einigen Formularen: Der Schweizer Obstverband hat Anweisungen, Empfehlungen und Checklisten verfasst, damit die Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit eingehalten und umgesetzt werden können. Vorwiegend gehe es darum, dass die Abstände eingehalten werden und man sich an die Hygienevorschriften hält. Beispielsweise darf nur in jeder zweiten Reihe gepflückt werden. Die Besucher bekommen beim Eingang zum Feld Anweisungen. Häusermann zählt dabei auch auf die Eigenverantwortung und Solidarität seiner Mitmenschen. Neu kann man jetzt mit Twint bezahlen. Unterstützt wird Häusermann während dieser Zeit von Walter Wilhelm. Der ehemalige Posthalter bedient seit vielen Jahren die Kunden beim Verkaufswagen. 

 

Abhängig vom Wetter

Drei bis vier Wochen dauert die Erdbeersaison. Rund 50'000 Stöcke bester Erdbeersorten pflegt Peter Häusermann auf seinem 2 Hektar grossen Feld. Die Erdbeerzeit ist stark abhängig vom Wetter. «Das ist nicht immer einfach», so Häusermann. «Wenn wir es vor einer Frostnacht verpasst haben, die Erdbeerstauden mit einem Vlies abzudecken, ist die Arbeit von einem Jahr umsonst gewesen.»  Auch bei einem verregneten Mai gebe es nicht mehr viel zu retten. Glücklicherweise ist Peter Häusermann nicht nur auf eine gute Erdbeerernte angewiesen. 

Neben dem Anbau von Erdbeeren, Spargeln und Wein arbeitet er noch
75 Prozent als Sanitärinstallateur. Manchmal sei das alles schon ein bisschen viel, aber andererseits biete ihm seine Arbeit draussen auch Abwechslung. «Andere gehen auf eine Töfftour, ich gehe in den Rebberg», so seine Erklärung. Ursprünglich wollte Peter Häusermann den Betrieb gar nicht  übernehmen, den seine Eltern, Myrta und Ruedi Häusermann 1965 aufgebaut haben. Der 52-Jährige ist mit vier Geschwistern aufgewachsen. «Ich habe immer gesehen, wie viel Arbeit in so einem Unternehmen steckt, das wollte ich für mich nicht», erzählt er. Doch dann wurde sein Vater vor 20 Jahren plötzlich krank, und er sprang ein – vorläufig, wie er erst dachte. Er blieb. «Ich bin so reingerutscht», erzählt er schmunzelnd. 2012 übernahm er den Betrieb. Er habe Kurse besucht, doch das meiste habe er von seinem Vater gelernt. 

 

Andere Welten kennenlernen

Freizeit bleibt wenig. Aber was sich die Familie manchmal gönnt, sind Reisen in ferne Länder. Auch teilen seine Frau Brigitte und die zwei Buben (20 und 17 Jahre alt) seine Leidenschaft fürs Tauchen. «Die Unterwassertierwelt ist faszinierend», schwärmt Häusermann. 

Als es im Februar mit der Corona-Pandemie losging, war die Familie gerade in Namibia. Damals ahnte sie  nicht, welche Ausmasse die Krise annehmen würde.  

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