Er war mehr Idealist als Ideologe

Kürzlich ist in Brugg Christian Ambühl verstorben. Er gehörte von Anfang an dem Einwohnerrat an und präsidierte ihn 1976/77.

Christian Ambühl achtete auch andere Meinungen
Christian Ambühl achtete auch andere Meinungen (Bild: zVg)

von
Hans-Peter Widmer

22. Mai 2017
17:00

Christian Ambühl, Kondukteur und Gewerkschafter, Sozialdemokrat und Brugger Lokalpolitiker, war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Oft verriet sein legendäres gelbes SBB-Velo, wo er sich gerade aufhielt. Nun ist er im hohen Alter von 94 Jahren gestorben. Das letzte Geleit, das ihm eine ansehnliche Trauerschar in der Stadtkirche gab, war nochmals ein Zeichen der Verbundenheit und der Wertschätzung, die er in breiten Kreisen genoss. Dies war ein Merkmal des Verstorbenen: Er vertrat eine Meinung, einen klaren politischen Standpunkt, aber der Gedankenaustausch mit Menschen anderer Gesinnung machte ihm keine Mühe. Er war ein Realist und Idealist, kein Ideologe. 

Mit dieser Haltung zählte er zu einem Kreis bewährter SP-Vertreter, aus dem Namen wie diejenigen der früheren Brugger Stadträte Walter Gloor, Hans Müller, Walter Karrer, Peter Haller, Gregor Tomasi und Ueli Kalt sowie des ehemaligen Aargauer Gewerkschaftsbund-Präsidenten Heinrich Kurth in Erinnerung blieben. Von Anfang gehörte Christian Ambühl dem 1966 eingeführten Einwohnerrat an, den er 1976/77 präsidierte. Die ersten Schritte in der Lokalpolitik hatte er als Mitglied der Betriebskommission der Industriellen Betriebe sowie der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission gemacht. Das Amt als Stadtrat blieb ihm verwehrt. Umso mehr befriedigte ihn, dass er als Verwaltungsratsmitglied von Coop Aargau mithelfen konnte, grosse Projekte anzustossen.

Neben Brugg fühlte sich Christian Ambühl zeitlebens dem Heimatort Davos verbunden. Die Eltern waren 1929, in der schwierigen Zwischenkriegs- und Krisenzeit, mit ihren sieben Kindern in die Prophetenstadt  gezogen. Christian machte zunächst eine Bäckerlehre und nach der Rekrutenschule eine Zweitausbildung als SBB-Kondukteur. Er blieb dem Beruf des Zugführers bis zur Pensionierung treu. Zwar verlangten die Nacht-  und Wochenendeinsätze eine gute Zeiteinteilung für Familie und Nebenbeschäftigungen, aber er wusste über weite Teile der Schweiz Bescheid. In seiner Gattin Heidi fand er eine verständnisvolle Partnerin; sie stammte ebenfalls aus einer Bähnlerfamilie. Die Turnerin und der Geräteturner hatten sich im Turnverein kennengelernt. Sie führten mit Tochter und Sohn ein gastfreundliches Haus.

Im langen dritten Lebensabschnitt blieben Christian Ambühl Schicksalsschläge nicht erspart. Der Tod der Lebensgefährtin, 2009, und des Sohnes, 2015, brachen seine Lebenslust. Im vergangenen März zog er ins Pflegezentrum Süssbach um. Seine Schritte an den Stamm- und Jasstisch im «Gotthard» wurden seltener. Am Sonntag, 7. Mai, entschlief er. 

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