«Es gibt immer eine Lösung»

Wimi Wittwer gehört zu den Menschen, die das Glas grundsätzlich halbvoll sehen. Auch in seiner Arbeit als Teamleiter des Jugendnetzes Siggenthal.

Wimi Wittwer ist ein Macher, Netzwerker und Optimist – und in der ganzen Region bekannt. (Bild: sha)

16. September 2020
15:22

Wimi Wittwer (60) kennt die Sorgen der Schülerinnen und Schüler, die im Siggenthal zur Schule gehen. Er ist Teamleiter für die Jugend- und Schulsozialarbeit im Tal, und das seit der Gründung vor knapp fünfzehn Jahren. Eine herausfordernde und spannende Aufgabe, wie er betont. Das Team fördert die individuelle und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Wittwer und sein Team haben stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Schüler, Eltern und Lehrpersonen. «Schule ist eine Schicksalsgemeinschaft», so Wimi Wittwer. Denn man könne sich weder Lehrer noch Schüler (und umgekehrt) aussuchen. Die Schüler müssten ihren Platz in der Klasse erst finden, was oft mit Konflikten verbunden sei.

Die Anliegen der Schüler sind vielfältig. Wo Menschen zusammenkommen, ähneln sich die Themen. Das geht über Knatsch mit Mitschülern über Gerangel und bis zu Mobbing oder Problemen zu Hause. «Es gibt immer eine Lösung», ist Wittwer überzeugt. Aber die Lösung komme nicht als Erleuchtung, indem man über dem Problem brüte. Die Lösung sei ein Weg. Gerne benutzt Wittwer dafür das Bild einer Bergwanderung, bei der das Ziel die schöne Aussicht auf dem Gipfel ist. Es gebe x Wege, die zum Gipfel führen, die Tour gehe rauf und runter, und meist dauere sie länger als erhofft. Schritt für Schritt komme man dem Ziel jedoch näher. «Wir wollen alle an die Sonne, und auf diesem Weg begleiten wir die Schülerinnen und Schüler», erklärt Wimi Wittwer.


Schüler beraten Schüler
Im Schulhaus Bachmatt betreut Wimi Wittwer das Projekt «Ideenbüro».  Dort können die Fünftklässer ihre Sorgen in einem Briefkasten deponieren. In der Gruppe werden dann die Anliegen besprochen, und die Schüler machen die Erfahrung, was es heisst, andere zu beraten. Per Post können sie aber auch ihre Wünsche mitteilen, beispielsweise einen Kinoabend, Postenlauf oder eine Wasserschlacht auf dem Pausenhof.


Freunde aus aller Welt
Wimi Wittwer ist ein Macher, Netzwerker und Optimist. Schon immer gewesen. Er mag es, Dinge anzupacken. Bereits sein Vater pflegte zu sagen: «Wenn öppis machsch, machs richtig!» Er empfahl ihm, sich für die richtige Entscheidung ausreichend Zeit zu nehmen. Wittwer ist in einem offenen Elternhaus in Nussbaumen aufgewachsen. Jeder war gleichermassen willkommen. Als Kantonsschüler verbrachte er ein Jahr in Dallas, Texas, in einer ziemlich wilden Familie. Es war ein Kommen und Gehen. Das Leben in einer anderen Kultur, das Zusammensein mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern haben ihn geprägt. Dort habe er gelernt, was Integration bedeute. Mit den jungen Leuten verband ihn auch die Liebe zur Musik, die immer auch eine grosse Rolle in seinem Leben gespielt habe.


Kulturszene Baden in der Halle36 mitgestaltet
Denn bevor Wimi Wittwer nach Obersiggenthal kam, hat er massgeblich die Badener Kulturszene mitgestaltet.  Im Auftrag der Stadt Baden gründete er 1996, zusammen mit zwei Partnern, einen Verein und eröffnete das Musikkulturlokal Halle36. Als die Halle36 zum heutigen Trafo umgebaut werden sollte, zog der Betrieb übergangsweise für drei Jahre in das neue Stromtrafogebäude. Das Nordportal eröffnete ihnen dann definitiv neue Möglichkeiten. Leider gelang es dem Verein nicht, den finanziellen Aufwand zu stemmen, und er musste Konkurs anmelden.


Schulsozialarbeit braucht Verstärkung
Für die Jugendkommission Unter- und Obersiggenthal bot sich nun die Möglichkeit, zusammen mit Wimi Wittwer das Team für das Jugendnetz Siggenthal aufzubauen. Über Jahre hat sich ein konstantes Kernteam gebildet. Doch seit zehn Jahren fehlen im Bereich Schulsozialarbeit 95 Stellenprozent. Vor allem in Obersiggenthal habe man zuwenig Kapazität, um Präventionskonzepte umzusetzen, glaubt Wimi Wittwer. Um diesen Missstand zu beheben, hat er einen Antrag gestellt, der Ende September vor den Einwohnerrat kommt. Wimi Wittwer hofft sehr, dass dieser genehmigt wird und die beschränkten Ressourcen optimiert werden können.

War dieser Artikel lesenswert?
0

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kaffee trinken und eine Sprache vertiefen in Baden

Sich eine Fremdsprache anzueignen, ist nicht immer eine einfache Angelegenheit.… Weiterlesen

Japan meets Ennetbadenerin

Die Ennetbadener Künstlerin Milena Seiler stellt im Kunstraum Baden ihre Werke… Weiterlesen

blog

Tod im Februar – Alan Parks

Freunde von Kriminalgeschichten werden Freude an diesem Roman haben. Er zeigt,… Weiterlesen

region

Römische Wasserleitung freigelegt

Beim Aushub für die Erweiterung des Domino-Wohnheims in Hausen kam die ältere… Weiterlesen

blog

Ozelot und Friesennerz – Susanne Matthiessen

Die Autorin gibt einen guten Einblick in die Welt von Sylt. Jener beliebten… Weiterlesen