«Es ist ein kleines Weltwunder»

Im Bergwerk Herznach ist ein 160 Millionen Jahre alter Meeresboden zum Vorschein gekommen, der mit hunderten Ammoniten überdeckt ist.

Im Lüftungsstollen des Bergwerks wurden die Fossilien entdeckt und mit Feuerwehrschläuchen und Bürsten freigelegt
Im Lüftungsstollen des Bergwerks wurden die Fossilien entdeckt und mit Feuerwehrschläuchen und Bürsten freigelegt (Bilder: sha)

von
Stefan Haller

29. März 2018
09:00

Der Fund geschah eher zufällig, als sich nach starkem Regen ein Wasserstrom durch den Stollen des vor 50 Jahren stillgelegten Eisenerz-Bergwerks Herznach ergoss und die Fossilien zum Teil freilegte. Freiwillige des Vereins Eisen und Bergwerke (VEB) Herznach haben danach in unzähligen Arbeitsstunden den spektakulären Fund mit Feuerwehrschläuchen und in Handarbeit mit Bürsten freigelegt, wie Geri Hirt aus Linn, Vizepräsident des VEB, dem GA erzählt.

Der renommierte Geologe Peter Bitterli-Dreher aus Endingen bezeichnet den entdeckten Meeresboden als «ein kleines Weltwunder und grossen Glücksfall». Bitterli geht noch weiter: «In den USA würde man eine solche Fundstelle wohl zu einer National Heritage Site erklären – in der Schweiz sind wir leider noch nicht ganz soweit.» Bitterli weiss, wovon er spricht: Während seiner jahrzehntelangen Arbeit hat der Forscher unzählige Fundstellen und zahllose versteinerte Urzeit-Tiere weltweit gesehen. 

 

Unzählige Fossilien

Das «Phantastische aus dem Untergrund» – so lautet der Titel der am Sonntag beginnenden Sonderausstellung – ist ein Ammonitenfriedhof, eine Ansammlung von Ammonitenschalen auf einer Schichtflä­che. Im Lüftungsstollen des Bergwerks Herznach, der in den vergangenen Jahren instand gestellt und gesichert wurde, konnte unter dem einstigen Stollenboden eine 20 m2 grosse Fläche mit unzähligen Fossilien freigelegt werden. Zum Glück war die Schicht im Gestein des Berg­werks vor der Verwitterung geschützt, die Fossilien sind deshalb gut erhalten. Das Alter der Schicht liegt etwa bei 165 Millionen Jahren, wie Bitterli erklärt.

  • v.l. Peter Bitterli (Geologe), Ruth Reimann (Leiterin der Ammonitengruppe des Vereins VEB) und Geri Hirt (Vizepräsident VEB)
    v.l. Peter Bitterli (Geologe), Ruth Reimann (Leiterin der Ammonitengruppe des Vereins VEB) und Geri Hirt (Vizepräsident VEB)

Entstehung des «Ammonitenfriedhofs»

Peter Bitterli ist einer von vier Geologen, die dem VEB angehören. Sie alle sind sich einig, dass die im Winterhalbjahr präparierte Trouvaille «sensationell und europaweit einzigartig» ist. Doch weshalb sammelten sich derart viele Ammoniten der Art Makrocephaliten an einem einzigen Ort? Bitterli hat folgende Erklärung dazu:  «Im tropischen Klima jener Zeit bildeten sich im Tethys-Ozean immer wieder kräftige Wirbelstürme, die auf den Jura-Schelf trafen. Sie konnten zwar nicht weit in den Schelf eindringen, aber sie verursachten Sturmfluten, die viel Wasser auf den Schelf drückten. Der Abfluss dieses Sturmflutwassers erfolgte in einem bodennahen Gegen­strom, der die am Meeresboden liegenden Schalen abgestorbener Ammonitentiere aufwir­belte. Zusammen mit weichem Sediment wurden die Schalen in kleine Becken des Schelf­meeres geschwemmt. Die schwereren Schalen sanken dabei in diesem Trübestrom nach unten und bildeten an der Basis des Stroms eine Schalenlage. Der Ammonitenfriedhof im Bergwerk könnte auf diese Weise entstanden sein.»

 

In besseres Licht rücken

Der VEB sieht es nun als eine Hauptaufgabe an, diesen 160 Millionen Jahre alten Meeresboden zu präparieren und in einem möglichst guten Licht zu präsentieren. Denkbar ist, dass ein Teil des Fundes mit einem begehbaren Klarsicht-Deckel geschützt wird, sodass Besucher die Ammoniten aus nächster Nähe begutachten können. Für dieses Projekt werden noch Sponsoren gesucht. Das Bergwerk und seine Umgebung mit der Bergwerksbahn sind familien- und kinderfreundlich und auch bei Schulen sehr beliebt. Als weiteres Projekt soll beim Museum ein Klopfplatz eingerichtet und der Eisenweg von Wölflinswil nach Herznach optimiert werden. Die Freilegung eines weiteren Teilstücks des Hauptstollens läuft derzeit. «Der VEB-Vorstand hat sich für 2018 hohe Ziele gesteckt, auch wenn er sich bewusst ist, dass nicht alle Projekte gleichzeitig realisiert werden können», betont Geri Hirt. 

Vernissage von Sonderausstellung und Meeresboden
Sonntag, 1. April, 13.30 Uhr
Gratis-Bahnfahrten, Eintritt frei

Kommentare (1)

  1. Erwin Stirnemann
    Erwin Stirnemann am 29.03.2018
    Super Bericht, bin fasziniert von dem Fund, obwohl ich nicht so viel von Geologie verstehe, ist es aber verständlich erklärt. Ja, das muss ich mir auch mal in natura ansehen. Tolle Arbeit von dem VEB, echt Hut ab! Da sponsere ich gerne 100 Franken. Und das im Aargau.
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