ETH-Studenten unterrichten im Werken

Die Schule Wettingen will die Herausforderungen der digitalen Welt ganz praktisch vermitteln. Ein spezielles Projekt half dabei.

Primarschüler bauen Tanzroboter
Primarschüler bauen Tanzroboter (Bilder: zVg)

von
Claudio Eckmann

03. Januar 2018
11:00

Die Herausforderungen der technischen Welt, des Ingenieurwesens und der Digitalisierung sind heute ja in aller Munde. Wettingen hat nicht lange gefackelt und hat allen 6.-Klässern die Gelegenheit geboten, ganz konkret in diese Welt hineinzuschauen: Alle 177 Schülerinnen und Schüler der 6. Primar (also Schulhaus Zehntenhof) bauten während jeweils dreier Halbtage aus Einzelteilen einen kleinen Roboter, mit einer Plattform, zwei Rädern und acht LED-Lampen. Der Roboter heisst DanceBot, weil er – fertig zusammengebaut und programmiert – zu Musik tanzen wird. 

Der Zusammenbau erfolgte unter genauer Anleitung durch die Werklehrerinnen und Werklehrer, aber vor allem auch durch eine Equipe von Studenten der ETH Zürich, die dieses Schülerprojekt vorbereitet hatten, übrigens auch noch für viele andere Schulklassen in der ganzen Schweiz. Mit vielen Kisten voll der benötigten Materialien reisten die Studenten an: Räder, Motoren, Leuchten, Platinen, Dioden für die Roboterkonstruktion, Lötkolben und Heissluftpistolen, aber auch farbige Federn, Filz und Moosgummi, um die Tanzroboter auszuschmücken. So ging es für jeden Schüler an die Arbeit: die elektronischen Bauteile exakt auf die Platine löten, die Räder befestigen, den Lautsprecher, die Dekorationen. So einfach war das nicht: Vor allem das Löten erforderte viel Fingerspitzengefühl und genaue Temperaturregelung; auch das Lesen des Bauplans war für diese Altersstufe etwas ganz Neues. Beim Dekorieren bewiesen die Schüler viel Fantasie: Es entstanden bunte Masken, gewaltige Ungeheuer und witzige Figuren. Letzter Schritt war das Programmieren des DanceBots. Auch hier hatte das Projektteam der ETH vorgesorgt und für alle Schüler ein Tablet dabei. Zuerst wählen die Schüler ein Lied nach ihrem Geschmack aus. Das Lied wird hochgeladen auf das Tablet. Mit dem Programm DanceBot-Editor werden die Befehle für den Roboter auf dem Liedablauf taktgenau platziert: Vorwärts-, Rückwärtsbewegungen, Drehen, Blinken, alles in verschiedenen Kombinationen und Geschwindigkeiten.

  • Schüler am Zusammenbauen des Roboters «DanceBot»
    Schüler am Zusammenbauen des Roboters «DanceBot»

Ein reizvolles Projekt

Die Werklehrerinnen und Werklehrer betreuten von der Schule aus dieses Grossprojekt: «Wir arbeiten im Werkunterricht zwar oft projektbezogen, der Zusammenhang mit der Elektronik und Informatik war aber besonders reizvoll. Und die Schüler waren natürlich beeindruckt von der Anwesenheit der Studenten. Wir wurden oft gefragt, ob die Knaben, da es sich um ein eher technisches Projekt handelte, den Mädchen überlegen waren? Aber das trifft überhaupt nicht zu, die Mädchen sind den Knaben mindestens ebenbürtig.» Natürlich habe das Projekt mit seiner auf Musik beschränkten Programmierung gewisse Grenzen, aber es sei für Schüler dieser Alterskategorie ein niederschwelliges, angepasstes und dadurch sehr ansprechendes Projekt. Das Ziel wurde mehr als erreicht: Der DanceBot förderte das Interesse für Wissenschaft und schuf bleibende Erinnerungen.

Zehntenhof-Schulleiter Marco Hard­meier fand es ebenfalls ein sehr sinnvolles Projekt: Die Kombination aus Handwerk und Informatik auf dieser Stufe sei ein toller Einstieg in den MINT-Unterricht (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Zehntenhof sei bereits IT-mässig weit fortgeschritten, das ganze Schulhaus hat Drahtlosnetzwerk, und es stehen 60 Tablets für die Schüler zur Verfügung. Gefallen hat ihm auch, wie konzentriert während insgesamt sechzig Stunden die Schüler gearbeitet haben. Der grosse Mehrzweckraum erwies sich als idealer Unterrichtsplatz. 

Das DanceBot-Projekt ist ein Beispiel der Wissensvermittlung direkt von der höchsten Bildungsstätte der Schweiz, der ETH, hinunter an die Basis und an den Nachwuchs, die Volksschule. Nicht nur Schulleiter und Lehrerschaft waren vom Projekt begeistert, auch der Einwohnerrat Wettingen war vom Sinn dieses Projekts überzeugt und hatte bereits vor längerer Zeit den Betrag via Budget bewilligt.

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