«Etwas für die Tiere tun»

Auf einem Spaziergang durch den Rebberg in Villnachern erzählt der Hobby-Ornithologe Beni Herzog von seiner Beziehung zur Natur, seinem Hobby und seinem neusten Vogelschutzprojekt.

Beni Herzog bei einem der Nistkästen seines aktuellen Vogelschutzprojektes
Beni Herzog bei einem der Nistkästen seines aktuellen Vogelschutzprojektes (Bild: as)

von
Aufzeichnung: Andrina Sarott

12. April 2018
09:00

Zur Person

Beni Herzog und seine Frau Edith leben in Villnachern. Sie setzen sich für Natur- und Vogelschutzprojekte ein. Beni Herzog schreibt unter anderem Artikel für den General-Anzeiger und Blog-Beiträge für «Natur entdecken» auf «e-journal.ch».

«Spaziergänge wie dieser hier sind für mich Teil unseres Alltags. Mehrmals in der Woche gehen meine Frau Edith und ich in die Natur. Der Rebberg gehört zu unseren Beobachtungsgebieten. Die Natur war schon immer sehr wichtig in unserem Leben. Wir haben uns aber nie auf etwas Bestimmtes beschränkt, sondern haben alles erforscht, was uns interessierte. Im Jahr 2009 hatten wir die Idee, einen Grundkurs für Vogelkunde bzw. Ornithologie bei BirdLife Brugg zu besuchen. Dieser war so toll, dass es uns richtig gepackt hat und wir Vereinsmitglieder wurden. Wir waren begeistert, wollten mehr Arten kennenlernen und mehr über die einzelnen Arten erfahren. Später haben wir einen Feldornithologie-Kurs beim kantonalen Verband absolviert und uns zu Exkursionsleitern ausbilden lassen. Mit dem neu erworbenen Wissen können wir Vögel im Feld bestimmen und so immer wieder Neues entdecken. 
Eine unserer Aufgaben als Ornithologen ist das Kartieren, also das Eintragen von Beobachtungen auf einer Karte. Das heisst, wir beobachten die Vogelarten in einem bestimmten Gebiet über einen begrenzten Zeitraum und erfassen unsere Erkenntnisse in einer Liste. Anschliessend werden alle Arten anzahlmässig auf dem Online-Portal ornitho.ch der Vogelwarte Sempach eingetragen. Die Vogelwarte hat ein grosses Netz von freiwilligen Mitarbeitern im Informationsdienst. Die eingehenden Meldungen werden fortlaufend ausgewertet, um zum Beispiel Brutvogelbestände oder generell Veränderungen von Beständen festzuhalten. Es gibt auch andere Kartierungsaufgaben, unter anderem für den Brutvogelatlas der Vogelwarte, der gerade entsteht. Dafür betreuten wir von 2013 bis 2016 ein ganz bestimmtes Gebiet. 

Wenn meine Frau und mich eine Vogelart speziell interessiert, betrachten wir sie genauer. Als wir mit der Ornithologie begonnen hatten, wollte ich unsere Beobachtungen auch visuell festhalten können. Ich hatte den Ehrgeiz, schöne Fotos zu machen. Also habe ich mir eine gute Fotoausrüstung gekauft und mich autodidaktisch in das Gebiet der Tierfotografie eingearbeitet. Uns ist es wichtig, unser Wissen über die Natur an andere weitergeben zu können. Daher bin ich im Vorstand von BirdLife Brugg und betreue das Exkursionsprogramm für das ganze Jahr. Mit Freude leiten Edith und ich auch selbst Exkursionen und Kurse. 

An meinem Hobby gefällt mir besonders, draussen zu sein und die Natur zu erleben. Die Stimmung an einem frühen Sommermorgen, wenn die Vögel singen, ist einfach herrlich. Jetzt im Frühling ist der Zeitpunkt ideal, um Vögel zu beobachten, da ganz viele Zugvögel zurückkommen, Paarungs- und Balzzeit ist und die Brutsaison beginnt. Die meisten Vögel kann man am frühen Morgen nach Tagesanbruch sehen und hören. Edith und ich sind jedoch von allen Tieren, nicht nur den Vögeln, fasziniert.

  • Wiedehopf
    Wiedehopf (Bilder: bhe)
  • Wendehals
    Wendehals

Mit Hilfe unseres Wissens möchten meine Frau und ich ein Bewusstsein für die Natur schaffen und etwas für die Tiere tun. Seit letztem Jahr unterstützen wir ein gemeinsames Projekt von BirdLife Schweiz und der Vogelwarte Sempach zur Wiederansiedelung von Vögeln im Rebberg. Konkret geht es um den Wiedehopf und den Wendehals, wobei Edith und ich uns auf den Wendehals konzentrieren. Das ist eine Spechtart, die eigentlich in Obstbaumhöhlen brütet. Obstgärten mit alten, knorrigen Bäumen werden jedoch immer seltener. Der Wendehals als Ameisenfresser kann seine Nahrung auch in Rebbergen finden. Da dort Obstbäume aber meist fehlen, hängen wir für sie spezielle Nistkästen mit einer bestimmten Lochgrösse auf. Der Wendehals breitet sich von der Westschweiz, wo er bereits länger in Rebbergen lebt, in unserer Region aus. In Wettingen und Erlinsbach hat es jeweils schon Bruten gegeben. Zu unserem Projektgebiet gehören nebst Villnachern noch Schinznach, Oberflachs und Kasteln. Bisher haben wir erst einen Wendehals im Rebberg Schinznach gesehen und hoffen, dass er sich nun vermehrt in der Gegend niederlässt. Letztes Jahr haben wir für das Wiederansiedelungsprojekt auf privater Basis 50 Nistkästen aufgehängt und dieses Jahr werden nochmals 20 dazukommen. Unsere Kästen erkennt man an der Kennzeichnung ‹H› für Herzog. Der Wendehals ist die einzige Spechtart in der Schweiz, die vor dem Winter in den Süden nach Afrika fliegt. Mitte April kommt er zurück, deswegen führen wir die Kartierungen von Mitte April bis Mitte Mai durch. Das bedeutet, wir müssen gut beobachten und hinhören. Der Wendehals hat allerdings einen sehr charakteristischen Gesang, an dem man ihn sofort erkennt. Ende Juni/Anfang Juli beobachten wir dann die Nistkästen, um zu sehen, ob sich wirklich ein Wendehals eingenistet hat. Im Herbst folgt schliesslich die Reinigung der Kästen. Anhand des Nistmaterials lassen sich die Vögel ebenfalls identifizieren. Bei diesem Projekt ist uns auch der Kontakt zu den Rebbauern wichtig. Hier stossen wir grösstenteils auf ein positives Echo.

Nebst unseren Aktivitäten in der Schweiz unternehmen meine Frau und ich gerne Reisen ins Ausland, zum Beispiel nach Portugal, Spanien, Schottland oder Norwegen, um auch dort Vögel zu beobachten. In diesen Ländern gibt es ein ähnliches Artenspektrum wie bei uns, jedoch auch Vogelarten, die man in der Schweiz selten bis nie beobachten kann. Hier beschränkt sich unser Beobachtungsgebiet natürlich nicht nur auf das Schenkenbergertal. Es gibt viele gute Orte, um Vögel zu sehen und zu hören. Uns gefällt beispielsweise das Naturschutzgebiet ‹La Sauge› am Neuenburgersee, wo sehr viele Wasservögel leben. Im Sommer gehen wir oft in die Berge, wo man wiederum eine ganz andere Vogelwelt antrifft.»

Im Rebberg in Villnachern kann man zurzeit unter anderem folgende Vögel hören und/oder sehen: Grünspecht, Amsel, Singdrossel, Misteldrossel, Eichelhäher und Zaunammer.

  • Grünspecht
    Grünspecht
  • Amsel
    Amsel
  • Eichelhäher
    Eichelhäher
  • Misteldrossel
    Misteldrossel
  • Singdrossel
    Singdrossel

Kommentare (1)

  1. Urs Heinz Aerni
    Urs Heinz Aerni am 13.04.2018
    Ein sehr schöner Beitrag und es könnten solcher mehr sein, denn es ist sehr dringend, dass die breite Öffentlichkeit sich mehr der Sensibilität unserer Mitwelt bewusst wird. Das Insektensterben sorgte für mediale Schlagzeilen aber damit soll es nicht belassen werden. Je mehr man über die Natur erfährt, desto mehr wird auch gerne Verantwortung übernommen, zum Beispiel durch Pflanzung heimischer Pflanzen, naturnahe Gärten, Verzicht auf Golfrasen und Palmen, Einrichtung kleiner Teiche, mehr Hecken und Brachen im Kulturland etc.
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