Fasziniert von der Falknerei

Karl Meier aus Wettingen ist ein begeisterter Falkner, und oft kann man ihn mit seinen zwei eleganten Vögeln beim Training beobachten.

Karl Meier mit seinen Sakerfalken hoch über Wettingen. (Bild: zVg)

17. Februar 2021
18:42

Lena und Timi vermögen nicht nur ihren Meister, den Wettinger Karl Meier, jeden Tag aufs Neue zu faszinieren. Beim Eintauchen in die Welt der Falknerei versteht man, wie viel Harmonie es in der Zusammenarbeit von Mensch und Tier braucht. Wie wir Menschen hat auch jeder Greifvogel seine eigene Persönlichkeit, seine kleinen Macken und seine guten und schlechten Tage. Der einjährige Timi und seine vierjährige Tante Lena haben sich bei ihren Flugvorführungen am Sulperg von der besten Seite gezeigt und bewiesen, dass ein solches Erlebnis nicht nur bei Kindern Bewunderung findet. Während der Beschäftigung der beiden Sakerfalken bietet sich die Gelegenheit, sich ausgiebig mit Karl Meier über seine nicht alltägliche Leidenschaft zu unterhalten. Vögel, so erklärt er, hätten ihn seit eh und je fasziniert. «Als Kind hielt ich vor allem Wellensittiche. Später habe ich während fünfzehn Jahren mit grossem Engagement Englische Schauwellensittiche gezüchtet, was mit grossem zeitlichem Aufwand verbunden war. Mein Verlangen, Vögel zu halten, mit denen ich noch direkter arbeiten konnte, ging in Erfüllung, als ich in Liechtenstein einen Falkner kennenlernte. Da wurde mir klar, dass die Falknerei für mich zu einer Herausforderung werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich jedoch noch nicht, dass ich, um dieses Ziel erreichen zu können, noch mehrere Prüfungen und Kurse zu bestehen hatte», erzählt Karl Meier «E-Journal».


Ein langer Weg bis zum Ziel
Um Falkner zu werden und Falken halten zu dürfen, müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt und Prüfungen abgelegt werden. Nach der Absolvierung der Jagdprüfung und dem damit erstandenen Jagdbrevet muss die theoretische Falknerprüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Vor der Anschaffung eines Greifvogels gilt es, an einem Kurs die fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung, FBA, für Greifvögel abzulegen, die 40 Theorie- und 300 Praxisstunden beinhaltet. Innerhalb von drei Jahren nach der theoretischen Falknerprüfung muss die praktische Prüfung mit einem eigenen Vogel absolviert werden. Danach darf man sich Falkner nennen.
Aber auch für die Haltung von Falken gibt es klare Vorgaben, die Karl Meier mit seinen zwei Vogelhäusern erfüllt. Diese sind im Innern so ausgestattet, dass sich die separat gehaltenen Greifvögel verstecken können. Die Vogelhäuser wurden durch den Kantonalen Veterinärdienst beurteilt und abgenommen und durch die Erteilung der Haltebewilligung bestätigt. Um die Vögel in einem Jagdrevier fliegen zu lassen, benötigt der Falkner nebst dem Jagdpass des jeweiligen Kantons auch die Einwilligung der ortsansässigen Jagdgesellschaft. Da das freie Fliegenlassen eines Greifvogels gesetzlich als jagdliche Handlung beurteilt wird, braucht man die Prüfung, auch wenn man mit den Vögeln nur Trainingsflüge ausübt.


Geduld und Einfühlungsvermögen
Obwohl die Falken Lena und Timi an ihren Meister gewöhnt sind, bleiben sie Wildtiere. Damit Karl Meier mit den Greifvögeln auf die Jagd gehen kann, braucht es Geduld und Einfühlungsvermögen, denn so ein Greifvogel lässt sich nicht so einfach erziehen wie ein Hund. Den optisch schönen Sakerfalken beschreibt der Falkner als recht ruhig und angenehm im Umgang. Meier hält aber auch fest, dass es ihn schon reizen würde, einmal mit einem Wanderfalken zu arbeiten. Der Wanderfalke ist im Gegensatz zum Sakerfalken, der sich in erster Linie auf Beute am Boden spezialisiert hat, ein reiner Vogeljäger und deshalb vor allem für die Vergrämung von Rabenkrähen sehr interessant. Dies macht vor allem Sinn, wenn diese auf frisch angesäten Äckern die Samen herauspicken und so in der Landwirtschaft Schäden anrichten.
Wie alle Greifvögel sehen Falken sehr gut und nehmen Störungen vorab über den Gesichtssinn wahr. Um dem Falken unnötigen Stress zu ersparen, wird ihm eine Haube aufgesetzt. Karl Meier verhaubt seine Falken vor allem dann, wenn er sie im Auto transportiert oder fremde Menschen zugegen sind. Über die Sehkraft der Greifvögel wurde schon viel geschrieben und spekuliert. «Tatsache ist, dass sie alles viel schneller wahrnehmen und die verschiedenen Farbtöne noch besser auseinanderhalten können als wir Menschen. Zudem können sie eine Maus aus mehreren Hundert Metern Entfernung entdecken», so Meier, der sein Wissen über Greifvögel regelmässig an Veranstaltungen wie Ferienpässen, Vereinsanlässen oder in Schulen vermittelt


Frischfleisch als Lohn
Oben am Sulperg befreit Karl Meier die Falken von den Hauben, und man blickt direkt in ihre grossen Augen. Während er viel Wissenswertes über die Greifvögel erklärt, hat sich Lena erwartungsvoll auf dem aus robustem Leder gefertigten Handschuh niedergelassen und erwartet ein Häppchen Fleisch. Beide Falken sind mit einem neun Gramm wiegenden GPS-Sender versehen. Auf dem Smartphone werden der Standort, die Flugbewegung und die Flugstrecke festgehalten. Während der Trainingsflüge müssen die Falken versuchen, eine Beuteattrappe – einen Lederbeutel, der an einer Leine geschwungen wird – in der Luft zu erwischen. Hat der Falke das geschafft, bekommt er danach seine Tagesration an Futter, die den Bedingungen in der freien Wildbahn entspricht. Nach rund zwei Stunden haben Lena und Timi ihr Soll erfüllt und bekommen für die gezeigten Leistungen ihren Lohn in Form von toten Tauben, Wachteln, Mäusen, Poulet oder auch etwas Rinderherz.

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

«Blumen sind Seelenbalsam»

In der Brugger Altstadt erfüllt sich Cynthia Maurer einen Traum. Am 2. März… Weiterlesen

«Der Duft weckt Erinnerungen»

Die ehemalige Bäckerin-Konditorin Judith Erdin hat viele Ideen. Eine davon hat… Weiterlesen

region

Nur Elfingen ist fest in Frauenhand

Magere Bilanz nach 50 Jahren Frauenstimmrecht: Grosser Rat und Gemeinderäte… Weiterlesen

region

Bastel-Eldorado schliesst die Türen

Seit 66 Jahren ist das «Bastel-Atelier Rauch» im Familienbesitz. Ende März gibt… Weiterlesen

region

Terra Ambiente zügelt ins Internet

Schweren Herzens schliesst Franca Ferronato ihre Genussboutique in Baden. Ihre… Weiterlesen