Finanzen offenbaren Handlungsbedarf

In allen Entscheiden folgte die Gemeindeversammlung den Anträgen des Gemeinderats und vertiefte sich in die Finanzkennzahlen.

Gemeindeammann Robert Müller bei seiner Verabschiedung mit Ehefrau Gertrud Burger – sie hält Roberts Gutschein für einen Töff-Ausflug in der Hand – sowie Laudator und Vizeammann Othmar Suter. (Bild: bkr)

01. Dezember 2021
19:48

Die gute Nachricht für die Freienwilerinnen und Freienwiler: Das Budget 2022 bescheidet sich mit einem gleichbleibenden Steuerfuss von 109 Prozent – trotz eines Defizits von rund 200 000 Franken. Geht man in die Tiefen der Finanzzahlen, lässt sich dieses durchaus verkraften, aber nicht über Jahre hinweg. Gemeinderat Gaudenz Schärer beleuchtete als Finanzvorstand die Gründe, welche zum Defizit geführt haben. Auf der einen Seite sind das Mindereinnahmen infolge der vom Grossen Rat beschlossen Steuerrevision, auf der anderen Seite ein markanter Anstieg bei den gebundenen Ausgaben. Schärer nennt da die Bildungskosten. Steigende Schülerzahlen in Freienwil, ein neues Finanzierungsmodell bei der Musikschule und die Erhöhung der Lehrerbesoldung durch den Kanton führen zu Mehrausgaben. Die gibt es auch im Bereich der Pflege mit einem Ausgabenplus von 34 Prozent. Einen weiteren grossen Posten stellen die Unterhaltskosten für den Werterhalt an Gemeinde-, Flur- und Waldstrassen dar. «Aus all diesen Gründen konnte ein negatives Budgetergebnis trotz massiven Sparanstrengungen nicht vermieden werden», sagt Schärer.


Sparen bei IT und Verwaltung
Wie geht es weiter? Hilfestellung auf der Suche nach Antworten liefern Finanzplan und Finanzkennzahlen. Anhand dieser zeigte Schärer auf, dass das Bevölkerungswachstum seinen Preis hat und Investitionen steigende Abschreibungen im Schlepptau haben. Beim Sparen ansetzen will der Gemeinderat bei den IT- und bei den Verwaltungskosten. «Es geht nicht um Geiz, aber muss die Broschüre ‹Freienwil Aktuell› farbig sein und pro Jahr für 20 000 Franken Farbkopien umfassen?» Oder: Muss man in einem Dorf von überschaubarer Grösse mit kostenintensiven Einsprachen seine Interessen wahrnehmen? Wäre das direkte Gespräch nicht zielführender?

Ins Kapitel Budget gehört auch der Antrag von Silver Pinkwasser. Der wollte 50 000 Franken aus dem «Fonds förs Dorf» an die Dorf AG überweisen und so den Dorfladen zusätzlich unterstützen. Der Fonds ist kein separates Bankkonto, sondern ein Teil des Budgets. Pinkwasser wie auch die Gemeindeversammlung folgen dem Antrag des Gemeinderats, angesichts der Finanzsituation auf diesen Beitrag zu verzichten.


Neuauflage der Dorfchronik
Apropos Dorfladen: Zu einem Ende gebracht wurde die schier unendliche Geschichte rund um die Abrechnung für den Gestaltungsplan Mitte, welche im Juni abgelehnt wurde («Rundschau» vom 2. Juli). Der Gemeinderat beauftragte in der Folge die BDO AG mit einer Analyse zum Ablauf und Projektmanagement der Kreditabrechnung – aus welcher die nötigen Schlüsse gezogen wurden, womit einer Genehmigung nichts mehr im Weg stand.

Ein Beispiel für anstehende Investitionen sind die Sanierung von Dorf- und Bergstrasse sowie Hälslerweg samt Werkleitungen. 108 000 Franken kostet alleine die Projektierung. Weshalb werden sie und nicht andere Strassen mit Priorität saniert? Gemeindeammann Robert Müller antwortete auf diese Frage: «Weil es hier zusätzlich auch um Hochwasserschutz geht.» Der Projektierungskredit wurde genauso wie 80 000 Franken für Sanierungs- und Malerarbeiten im alten Schulhaus genehmigt. 25 000 Franken sind für eine Neuauflage der Dorfgeschichte mit Blick auf 775 Jahre Freienwil im Jahr 2022 gesprochen. Ein Dorffest soll es nächstes Jahr nicht geben, dafür sollen aber 777 Jahre gefeiert werden. Der «Fonds förs Dorf» hat ein Reglement, das aber nie der Gemeindeversammlung vorgelegt wurde. Dies holte der Gemeinderat nun nach und räumte mit einer Neufassung der Gemeindeversammlung auch mehr Kompetenzen ein.

Schliesslich galt es, Abschied zu nehmen: von der Schulpflege, die es ab 2022 nicht mehr gibt, und von Gemeindeammann Robert Müller. Vizeammann Othmar Suter und Gemeinderat Urs Rey würdigten Müllers Arbeit, aber auch den Menschen und Kollegen. Müller zeigte sich gerührt und dankte insbesondere seiner Familie für ihre Unterstützung – und auch all jenen, die in nicht wiedergewählt haben: «Sie haben mir zu mehr Freizeit verholfen.» Diese wird das «Animal politique» (Müller über Müller) auch weiterhin politisch nutzen – als SVP-Vertreter im Grossen Rat des Kantons Aargau.

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