Flüchtlingskafi macht wieder auf

Auch nach den Sommerferien sollen sich Flüchtlinge in Wettingen wieder in vertrauter Umgebung zusammenfinden. Vor allem Frauen und Kinder.

Ruth Anner gehört zu den Freiwilligen der ersten Stunde. (Bild: bf)

12. August 2020
17:30

Am Montag, 17. August, startet der Verein treff.punkt wieder mit seinem «Kafi». Der Verein, der verschiedene Integrationsprojekte für Flüchtlinge aufgebaut hat, lädt montags ab 17 Uhr zu ungezwungener Begegnung ein. Die katholische Kirchgemeinde überlässt dem Verein ihre Räumlichkeiten im Haus Jugendstufe (Juhü).

Das Kafi treff.punkt, das zuvor fünf Jahre lang in der Villa Fluck untergebracht war, soll wieder eine Anlaufstelle für Flüchtlinge werden. Es soll diesmal aber explizit Frauen ansprechen. Der Verein, der sich seit fünf Jahren für Flüchtlinge einsetzt, will diese Gruppe aus ihrer Isolation locken. Häufig mangelt es den Frauen nämlich am Sprachumgang. Auch die Deutschkurse beginnen ab nächster Woche.


Hilfe bei Wohnungssuche
Warum aber ein Kafi? Deutschkurse alleine seien für den Spracherwerb nicht die einzige Lösung, ist das Vorstandsmitglied Ruth Anner überzeugt. Sie brauchen auch Übungen im Alltag. In gemütlicher «Kafi»-Atmosphäre sollen Flüchtlinge zudem in praktischen Lebensfragen unterstützt werden.

Anner ist dabei eine von vielen Freiwilligen, die seit 2015 – als Zehntausende Menschen Richtung Europa zogen – Flüchtlinge beraten und fördern. Als damals die ersten syrischen Kriegsflüchtlinge in die Schweiz kamen, bewegte das viele Einwohnerinnen und Einwohner aus Wettingen. Rund 40 Personen taten sich zusammen und gründeten den Verein treff.punkt. Dieser handelte schnell und organisierte Deutschkurse in den Räumen der Pfarrei St. Anton. Die katholische Kirchgemeinde Wettingen sicherte dem Verein Räumlichkeiten zu. Und die Wettinger Jugendarbeit stellte das Kafi in der Villa Fluck bei der Kanti Baden zur Verfügung. Der Verein darf auf viele Erfolge zurückblicken. Da ist zum einen der Flüchtling, der seinen früheren Helfern stolz eine Kopie seines Lehrabschlusszeugnisses zuschickte. Die Gesamtnote: 5,1. Sein Lehrbetrieb nahm ihn gleich unter Vertrag. Oder der junge Mann, der die Fachausbildung Assistent Gesundheit in Angriff nahm und erfolgreich abschloss. Sein Lehrbetrieb war dermassen beeindruckt von seinem Geschick und Enthusiasmus, dass man ihm die anspruchsvolle Ausbildung Fachangestellter Gesundheit an Herz legen konnte. «Wenn ich dann einmal ins Altersheim gehe», sagt Anner, «freue ich mich schon auf ihn!»


Etwas ruhiger geworden
Um den Verein ist es etwas ruhiger geworden. Dass der Aufwand der Freiwilligkeitsarbeit zurückgegangen ist, hat mit dem Abklingen des Flüchtlingsstroms zu tun. Auch die Integration hat dafür gesorgt, dass die Dienstleistungen weniger genutzt werden.

Einige Probleme sind nicht verschwunden. Frauen, die geflüchtet sind, leben auch heute noch isoliert. Deshalb setzt der Verein mit der Neueröffnung des Kafis am Montag einen neuen Fokus.

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