«Förster zu sein, macht jetzt wieder Spass»

Im kommenden Jahr wird Förster Daniel Hitz nach 37 Dienstjahren pensioniert. Auf seinem letzten Waldumgang stand Holz im Mittelpunkt.

Daniel Hitz beim Holzhacker, der pro Stunde bis 150 Kubikmeter Festholz zu Schnitzeln verarbeiten kann (Bild: af)

11. Mai 2022
16:33

Rund achtzig Interessierte fanden sich am Samstagnachmittag auf dem Siggenberg bei der Forsthütte Rotkreuz ein, um am Waldumgang teilzunehmen. Die Themen Holzenergie, klimafitte Bäume und Holzpreise schienen auf Interesse zu stossen. Doch auch eine Besonderheit lockte wohl viele an: Daniel Hitz, der Förster des Forstbetriebs Siggenberg, geht nächstes Jahr nach über 37 Jahren in Pension. Er betreut nicht nur den Wald von Untersiggenthal, sondern auch von Obersiggenthal und Freienwil. Ein Grossteil des Siggenbergs ist also in seiner Hand, und zwar schon seit 1985. «Jeder in Untersiggenthal kennt Dani Hitz», brachte es denn auch eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Der erste Posten des Umgangs war nur einige Meter vom Rotkreuz entfernt. Im Abstand von sieben Metern wurden dort mehrere Elsbeeren gesetzt. Diese gilt als klimafitter Baum, welcher gut mit den zunehmend wärmeren Temperaturen klarkommt. Ausserdem kann das Holz der Elsbeere sogar für Autoarmaturen verwendet werden. Klimafitte Bäume sind auch der Baumhasel sowie die Douglasie, welche bei Posten zwei das Thema waren. Sie spielen aktuell eine wichtige Rolle als Ersatzbäume für Buchen und Eschen, die in den letzten Jahren sehr unter dem Borkenkäfer beziehungsweise der Eschenwelke, einer Pilzkrankheit, gelitten haben. Beide Baumarten wurden stark dezimiert. Auch die Waldkirsche ist eine Ersatzbaumart und ausserdem gut für die Vögel. Die Schwarznuss und die Roteiche, beide ursprünglich aus Nordamerika, werden hier ebenfalls angepflanzt, weil man sich von ihnen verspricht, dass sie dem Klimawandel besser gewachsen sind.


Ein Jäger als Gastreferent 
Als passionierter Jäger organisierte Hitz einen Posten zur Jagd. Dort sprach Gastreferent Thomas Amsler, ebenfalls engagierter Jäger der hiesigen Jagdgesellschaft, über den Waschbären. Dieser stammt ursprünglich aus Nordamerika, hat sich jedoch in den letzten Jahren immer mehr in Mitteleuropa verbreitet, wo er kaum natürliche Feinde hat. Der Waschbär bedroht aber die einheimische Artenvielfalt, weil er Vögel frisst und eine Gefahr für Bodenbrüter ist. In Untersiggenthal ist der Kleinbär bereits in eine Fotofalle in der Nähe der reformierten Kirche getappt.

Er sieht zwar süss aus, ist aber auch für Menschen nicht unproblematisch: Er hinterlässt Dreck und Schaden und macht noch mehr Lärm als der Marder, «der schon laut ist und Schaden anrichtet». Weil Waschbären die einheimische Artenvielfalt bedrohen, haben sie hierzulande keine Schonzeit. Wer einen Waschbären sichtet, darf dies der Jagdgesellschaft melden. Überdies informierte Amsler über die letztjährige Jagdstatistik. Auffällig sind die rekordhohen Abschusszahlen von Wildschweinen – im letzten Jahr waren es 150. Diese Tiere verursachten 2021 im Kanton Aargau einen Schaden von rund einer halben Million Franken, die Hälfte davon in den Bezirken Baden und Zurzach.

Die folgenden Posten standen ganz im Zeichen der Holzverarbeitung. Einmal führte Landwirt Urs Bryner einen Scheitspalter vor. Hansruedi Hauenstein präsentierte einen Holzhacker, mit dem pro Stunde 100 bis 150 Kubikmeter Festholz zu Schnitzeln verarbeiten werden können.

Vor einigen Jahren war der Bedarf pro Jahr etwa 1000 Ster. Der Bedarf an Holz zur Energiegewinnung nimmt aktuell wieder zu. Nicht nur als Festholz, sondern auch als Schnitzel. Auch das Oberstufen-Schulzentrum OSOS und das Schwimmbad in Obersiggen­thal werden mit Holzschnitzeln geheizt. Der Ukrainekrieg führt dazu, dass sich viele Menschen von Gas und Öl als Energieträger abwenden. Daniel Hitz erklärte: «Ein Kubikmeter Holz ersetzt ungefähr hundert Liter Heizöl.» Aufgrund der höheren Nachfrage nach Holz steigt zum ersten Mal in Hitz’ Karriere der Holzpreis. «Seit dem letzten Jahr macht es wieder richtig Spass, Förster zu sein», kommentierte er mit einem Schmunzeln.


Container für Neophythen
Zum Schluss verlor der Förster noch einige Worte über invasive Neophyten. Die Goldrute verbreitet sich aktuell auf dem Siggenberg. Diese soll man möglichst mit Wurzel ausreissen und entsorgen. Demnächst werden Container aufgestellt, in welchen die Neophyten entsorgt werden können. Der Japanknöterich, der sich ebenfalls aggressiv ausbreitet, ist bisher zum Glück noch nicht auf dem Siggenberg aufgetaucht.

Und dann erinnerte Daniel Hitz die Anwesenden noch an das Velo- und Reitverbot beim Felsenweg. Es gebe immer wieder Biker, die trotzdem durch den Wald fahren und dabei unter anderem auch eine Orchideenwiese zerstören. Das sind Momente, in denen das Försterleben weniger Freude macht.

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