Fotografieren wie anno 1851

Sebastiano Bucca ist fasziniert von der Urform der heutigen Fotografie. Mit seiner Kamera porträtiert er Menschen – echt und unverfälscht.

Fotokünstler Sebastiano Bucca porträtiert Menschen wie vor 170 Jahren
Fotokünstler Sebastiano Bucca porträtiert Menschen wie vor 170 Jahren (Bilder: ag)

von
Annabarbara Gysel

29. Mai 2017
11:00

Das Kollodium-Nassplatten-Verfahren

Das Kollodium-Nassplatten-Verfahren wurde 1851 von Frederick Scott Archer und Gustave Le Gray entwickelt. Es ist eine der ersten fotografischen Techniken überhaupt und bedeutete einen enormen Durchbruch in der Fotografiegeschichte. Die Belichtungszeit eines Bildes, die davor Stunden dauerte, konnte auf wenige Sekunden reduziert werden. Das Fotografieren wurde dadurch aber nicht nur einfacher, sondern auch günstiger. Nun konnte sich fast jeder ein Porträt von sich oder seiner Familie leisten. Auch konnten dadurch ganz neue Anwendungsgebiete für die Fotografie erschlossen werden.

Kamera einschalten, kurz den Auslöser für die Schärfe antippen, abdrücken und das Bild ist im Kästchen. Am Computer noch schnell die Schönheitskorrekturen (Fältchen retuschieren, Farben ausbessern) machen, und schon ist es fertig. Das «perfekte» Foto. So zumindest will es die gängige Art. Doch gerade dadurch verliert das Foto seinen einmaligen Charakter. Es wird kopierbar, austauschbar. Eine Massenware. Diesem Phänomen will Sebastiano Bucca mit seinen Werken entgegenwirken. Der Fotokünstler aus Baden war schon immer von der Schwarzweissfotografie fasziniert. «Man arbeitet mit hohen Kontrasten und kann mit dem Licht spielen», sagt er. Vor Kurzem hat Bucca eine ganz spezielle Technik für sich entdeckt: das Kollodium-Nassplatten-Verfahren (siehe Kasten). Es folgten ein Weiterbildungskurs, der Kauf einer entsprechenden Kamera – Jahrgang 1890 – und der zweimonatige Umbau seines Ateliers.

  • Lara Maurer
    Lara Maurer (Bilder: Sebastiano Bucca)
  • Giacomo Siragna
    Giacomo Siragna
  • Sascha Laue
    Sascha Laue
  • Elke Delimar
    Elke Delimar
  • Claudio Cassano
    Claudio Cassano

«Prozess voller Fehlermöglichkeiten»

Das Kollodium-Nassplatten-Verfahren bedeutet das komplette Gegenteil der heutigen Fotografie. Denn der Prozess dahinter ist sehr handwerklich. Im Labor wird der Bildträger aus Alu oder Glas speziell mit Chemikalien präpariert. Anschliessend muss er in kurzer Zeit belichtet und entwickelt werden. «Dieser Prozess ist voller Fehlermöglichkeiten», so Bucca. «Das Bild ist fertig, wenn es entwickelt ist. Nachbearbeiten ist nicht möglich.» Doch gerade das gefällt dem Fotokünstler an seiner Arbeit: «Das Bild bekommt Charakter. Man kann es kein zweites Mal machen.»


Gruppenausstellung mit Arbeiten von Sebastiano Bucca bis am 22. Juni in der Galerie Immaginazione in Brugg
 

Kommentare (1)

  • Dorothea
    Dorothea
    am 02.06.2017
    Eine total faszinierende Technik. Zwar nicht neu aber wiederbelebt. Die Resultate dieser fotografischen Arbeit sind ganz speziell. Man fühlt sich zurückversetzt ins 19. Jahrhundert. Wunderbar.

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