Frauen sind in der Minderheit

In den Bezirken Baden und Zurzach können Wählende auf neun Listen ihre Grossräte aussuchen. Die höchste Bewerberdichte hat Freienwil.

Aargauer Wahlplakate säumen die Landstrasse in Untersiggenthal zwischen Gemeindehaus und Raiffeisenbank. (Bild: bkr)

07. Oktober 2020
12:18

Kantonsweit hoffen 1027 Kandidatinnen und Kandidaten, am 18. Oktober einen der 140 Sitze im Grossen Rat zu erobern. Das sind marginal weniger Bewerbungen als 2016. Damals waren 1064 Personen zu den Wahlen angetreten. Gewählt wird das Kantonsparlament in elf Wahlkreisen, die deckungsgleich mit den elf Bezirken sind. Weshalb ist dem so? Weil der Grosse Rat nicht nur die gesetzgebende Behörde des Kantons ist, sondern dessen Regionen und Bevölkerung in ihrer Zusammensetzung repräsentieren soll. Deshalb hat der Regierungsrat die 140 Parlamentssitze den Bezirken aufgrund ihrer aktuellen Einwohnerzahlen zugeteilt. Für Baden und Zurzach gab es im Vergleich zu 2016 keine Veränderungen. Diesen Wahlkreisen stehen 30 (Baden) respektive 7 Mandate zu. Eine Korrektur gab es hingegen im Bezirk Brugg: Dieser verlor einen Sitz (neu 10) zugunsten des Bezirks Lenzburg.


Über 60 Prozent männliche Kandidaten in beiden Bezirken
Im Bezirk Baden bewerben sich 215 Kandidatinnen und Kandidaten, im Bezirk Zurzach 48. Die Badener und Zurzacher Wählerinnen und Wähler können ihre Favoritinnen und Favoriten aus neun Listen aussuchen – SVP, SP, FDP, CVP, Grüne, glp, EVP, EDU und LOVB (Lösungs-Orientierte Volks-Bewegung). Die Piratenpartei steht in beiden Bezirken nicht zur Wahl.

Wie sieht es mit dem Frauenanteil unter den Kandidierenden aus? Im Bezirk Baden sind 62,5 Prozent der Kandidierenden männlich. Den geringsten Frauenanteil mit 10 Prozent weist die Liste der SVP auf – gefolgt von der FDP mit 20 Prozent. Die meisten Frauen sind auf der Liste der eher konservativen EDU mit 66 Prozent zu finden, gefolgt von der SP (53,3 Prozent) und den Grünen (50 Prozent).

In Zurzach ergibt sich ein ähnliches Bild: 60,4 Prozent Männer. Die EDU tritt hier mit einer Männerquote von 100 Prozent an – mit einem einzigen Kandidaten. Dahinter folgt die CVP mit 85,7 Prozent Männeranteil, SVP und GLP weisen einen Anteil von 71,4 Prozent Männer auf. Mehr Frauen als Männer auf der Liste haben die EVP (66,7 Prozent) und die SP (57,1).

Wie verteilen sich die Kandidierenden auf die Gemeinden im Verbreitungsgebiet der «Rundschau Nord»? Im Bezirk Baden treten in Birmenstorf 8 Personen an. Bei 2875 Einwohnern (30. Juni 2020) ergibt das eine Kandidatur pro 359 Personen. In Ehrendingen bedeuten 4 Kandidatinnen und Kandidaten eine Kandidatur pro 1212 Einwohner. Für Freienwil lauten die Zahlen: 3 und 351. Gebenstorf: 2/2749. Obersiggenthal: 14/621. Turgi: 5/593. Untersiggenthal: 12/602. Würenlingen: 1/4788. Im Bezirk Zurzach kandidieren in Endingen 6 Personen – eine Kandidatur pro 428 Einwohner. Lengnau: 4/692. Schneisingen: 2/743. Tegerfelden: 3/395. Macht total 64.

Zu einem anderen (Wahl-)Thema. Ein einziger Kandidat auf der Zurzacher Liste der EDU: Das wirft für die Wählerinnen und Wähler die Frage auf, ob es überhaupt Sinn macht, in Bezirken mit wenig Mandaten einen Vertreter einer Kleinstpartei zu wählen? Seine Chancen sind vermutlich auch aus seiner eigener Perspektive gering. Stimmen für ihn sind dennoch nicht verloren – sie helfen schliesslich seiner Partei.


Der «Doppelte Pukelsheim» – ein ausgeklügeltes System
Der Grund liegt im Aargauer Wahlsystem, das den Wählerwillen bei der Auszählung der Stimmen mit dem «Doppelten Pukelsheim» ermittelt. Pukelsheim heisst mit Vornamen Friedrich und ist ein Deutscher Mathematiker. Kurz skizziert, werden bei seiner Methode zuerst alle Stimmen einer bestimmten Liste in allen Bezirken zusammengezählt und anschliessend ermittelt, wie viele der 140 Sitze die Parteiliste kantonsweit erzielt hat. Pukelsheim hat einmal gesagt, sein System bilde «jeden Muckser der Wählerschaft ab». Eine Partei, die ein 140stel der Stimmen bekommt, hätte einen Sitz im Grossen Rat.

Das will man im Aargau so nicht. Vom weiteren Verteilschritt sind deshalb Listen ausgeschlossen, welche weder in einem Bezirk 5 Prozent noch gesamtkantonal 3 Prozent Wähleranteil (Quorum) erreicht haben. Die letzte Verteilung ist die Zuweisung der Sitze erfolgreicher Parteien an die Bezirke, wo dann die Gewählten ermittelt werden.

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