Frische Idee löst altes Problem

Bis 1952 schossen die Stillemer über die Aare. Der Kugelfang im Würenlinger Gebiet Eichlihau ist nun vergangene Woche saniert worden.

Vergangene Woche führte eine temporäre Seilbahn vom Regenbecken Stilli zum Würenlinger «Eichlihau»
Vergangene Woche führte eine temporäre Seilbahn vom Regenbecken Stilli zum Würenlinger «Eichlihau» (Bilder: sha)

von
Stefan Haller

15. Juli 2019
11:00

Obwohl seit 67 Jahren nicht mehr auf der Stillemer Schiessanlage geschossen wird, beschäftigt diese die Behörden bis heute. Denn der Kanton vergisst nie. Der stillgelegte Kugelfang «Eichlihau» der ehemaligen Schiessanlage Stilli (heute Gemeinde Villigen) ist im Kataster der belasteten Standorte (KBS) eingetragen. Hier war während Jahrzehnten in einen natürlichen Kugelfang am steilen Aare-Uferhang geschossen worden. 

 

Hot-Spot-Sanierung

Nach einer technischen Untersuchung und Anhörung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) hat die Abteilung für Umwelt des Kantons den Standort als «sanierungsbedürftig» beurteilt. Im Kugelfang dürften sich immer noch grössere Mengen Blei befinden, weshalb man von einer sogenannten «Hot-Spot-Sanierung» spricht. Um bezüglich der Sanierung Planungs- und Kostensicherheit zu erlangen, beantragte der Gemeinderat Villigen die Zusicherung entsprechender Bundes- und Kantonsbeiträge, die auch gewährt wurden. Im November 2017 genehmigte die Gemeindeversammlung den Kredit von 266'000 Franken für die Sanierung. 

Weil im Jahr 2020 die Frist abgelaufen wäre, drängte die Zeit für die Ausarbeitung eines Sanierungsprojektes. Erschwerend bei der Koordination und Planung kam hinzu, dass das zu sanierende Gebiet auf Würenlinger Boden liegt. Im Rahmen der öffentlichen Auflage ging dort die Einsprache eines Einwohners der Gemeinde Villigen bezüglich Verhältnismässigkeit der zu erwartenden aufwendigen Sanierungsaktion ein. Bund und Kanton bestätigten jedoch deren Notwendigkeit.

 

Förster hatte zündende Idee

Verschiedene Varianten hat der Gemeinderat Villigen geprüft. So hätte das kontaminierte Erdreich etwa per Helikopter oder Pontons weggeführt werden können. Dann hatte der Villiger Förster Oliver Frey die zündende Idee, welche der zuständige Gemeinderat Timo Waser als «genial» taxierte. Es habe wohl auch eine frische Idee gebraucht, um dieses alte Problem zu lösen, so Waser. Oliver Frey, der in jungen Jahren einige Zeit im Gebirge gearbeitet hatte, schlug nämlich vor, eine temporäre Seilbahn einzusetzen. Denn so konnte die Rodung vieler Bäume verhindert werden. Der ehemalige Kugelfang liegt mitten in einer Altholzinsel und weit weg von Waldstrassen.

  • Zwischenlagerung der bleihaltigen Erde beim Regenbecken Stilli
    Zwischenlagerung der bleihaltigen Erde beim Regenbecken Stilli
  • Sie verantworten das Projekt: v. l. Gemeinderat Timo Waser, Projektleiter Maurus Fischer von der Terre AG sowie der Villiger Förster Oliver Frey
    Sie verantworten das Projekt: v. l. Gemeinderat Timo Waser, Projektleiter Maurus Fischer von der Terre AG sowie der Villiger Förster Oliver Frey

 

100 Seilbahnfahrten nötig

Vergangene Woche wurde das belastete Erdreich mit einer Seilbahn über die an dieser Stelle über 100 Meter breite Aare transportiert. Zu diesem Zweck wurde ein mobiler Seilkran beim Regenbecken Stilli aufgestellt. Mit dem Boot zog man dessen Seile über den Fluss bis zum gegenüberliegenden Waldrand.

Die Arbeiten werden von den spezialisierten Firmen Abächerli Forstunternehmen AG (Giswil) sowie Gebrüder Straumann AG (Trimbach) durchgeführt. Sie haben laut Oliver Frey viel Erfahrung auf ihrem Gebiet und haben schon Aufträge in weit schwierigerem Gelände ausgeführt.

Pro Fahrt konnte etwa ein Kubikmeter Erde transportiert werden. Es waren also rund 100 Seilbahnfahrten notwendig, bis alles Material über die Aare gebracht war. Hier wurde es in einen Container gekippt, von Lastwagen abgeholt und in eine Bodenwaschanlage gebracht. 

Gemäss Maurus Fischer, Projektleiter der Terre AG (Muhen), kamen die Arbeiten der Hot-Spot-Sanierung plangemäss voran. Entfernt wurden im «Eichlihau» nur die Bereiche mit der höchsten Bleibelastung. Diese obersten Schichten im damaligen Einschlagbereich der Kugeln umfassen rund 100 Kubikmeter Material.

 

Hang stabilisieren

Nach dem Abtransport der bleihaltigen Erde muss der Hang im «Eichlihau» womöglich stabilisiert werden, wie Förster Oliver Frey erklärte. Zu diesem Zweck wird ein Geologe beigezogen, der vor Ort das Gebiet beurteilt. Die Abklärungen laufen derzeit noch. Je nach dessen Beurteilung könnte eine Hangverbauung im «Eichlihau» notwendig werden. Infrage kommen verschiedene Varianten – mittels Holzkasten, Hangrost oder einer sogenannten Krainerwand. 

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