Frischer Wind für das «Diana»?

Das «Diana» vereint Gemütlichkeit mit dem Charme historischer Architektur. Jetzt sucht Besitzer Robert Eggler ein erfahrenes Pächterpaar.

Robert Eggler mit seinem Enkel Lexington im geschichtsträchtigen Restaurant. (Bild: cl)

02. Dezember 2021
07:32

Die Situation ist für viele Gastronomen alles andere als rosig. Laut Verband Gastro Suisse habe sich für viele die Lage seit der Einführung der Zertifikationspflicht «drastisch zugespitzt». Das ist keine optimale Ausgangslage, um ein Restaurant zu übernehmen. Aber Robert Eggler lässt sich durch die schwierige Situation nicht entmutigen. «Ich bin sicher, dass ich das richtige Paar finde, auch wenn es noch etwas dauert», sagt er zuversichtlich. Seit er das Restaurant und Pub inklusive Wirtewohnung ausgeschrieben habe, seien bereits einige Bewerbungen ins Haus geflattert. Aber das passende Pächterpaar war nicht dabei. Robert Eggler hat klare Vorstellungen: Wichtig sei ihm, dass sich das Paar ganz auf das «Diana» konzentriere und daneben keine weiteren Gastrobetriebe führe. Präsenz sei ein elementarer Grundstein für Erfolg, ist Eggler überzeugt. Ein weiterer sei, die Personalkosten möglichst gering zu halten, deswegen wünsche er sich, den Betrieb inklusive der Wirtewohnung einem Paar zu übergeben. Er sei nach wie vor sicher, dass in diesen Lokalen viel Potenzial stecke. Auch die Lage sei perfekt.


Ein English Pub
Das geschichtsträchtige Haus mit der Anschrift «Diana Pub» steht gleich beim Bahnhof. Beim Eintreten ins Pub wähnt man sich nach England versetzt. Die Einrichtung im viktorianischen Stil wurde direkt aus dem Königreich importiert. Als der Zürcher Robert Eggler das Haus 1983 kaufte, baute er das Restaurant komplett um. Seine Frau Irma wollte den Betrieb führen, und als London-Liebhaberin sagte sie: «Wir machen ein Pub!» Und so kam es. Sie stellten ein Klavier hinein, und ein Jazzpianist sorgte an manchen Abenden für gute Unterhaltung. Nach der Geburt von Tochter Eliane wurde es schwieriger, die verschiedenen Aufgaben unter einen Hut zu bringen, und sie verpachteten den Betrieb. Vierzehn Jahre lang führten Liana Pisanetti und Natale Ieraci das Pub sowie das angrenzende Restaurant, in dem sie italienische Spezialitäten anboten, mit viel Leidenschaft. «Sie waren die perfekten Gastgeber», betont Robert Eggler.

Danach übernahmen für eine kurze Zeit drei Brüder Restaurant und Pub – und dann kam Corona. Robert Eggler nutzte diese Zeit, um den Betrieb zu sanieren.


Kunst als Bezahlung
Die Geschichte des Gasthofs Diana geht weit zurück. Die Giebelfassade im Jugendstil sowie die farbigen Fenster mit Bleiverglasung sind Zeitzeugen der Jahrhundertwende. Das Haus wurde 1897 erbaut und mit dem Tavernenrecht versehen. Dieses beinhaltete auch, dass ein Gasthofbesitzer Zimmer für arme Leute auf der Durchreise zur Verfügung stellt und dabei eine warme Mahlzeit verabreichen muss. Mittellose wandernde Künstler verdienten sich die Unterkunft, indem sie die Bilder auf die Wände der Wirtsstuben malten.

Im heutigen Pub sind noch immer die Originalbilder erhalten. Sie zeigen Szenen aus dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) sowie Jagdszenen, passend zum nach der römischen Jagdgöttin benannten Restaurant. Ein unbekannter Künstler hat sie gegen Kost und Logis gemalt. Der Gasthof besass Gästezimmer. Im Nebengebäude, wo heute das Coiffeur-Geschäft ist, befand sich die Rossstallung. Mancher Kutscher sei hier abgestiegen und habe im Haus übernachtet. Turgi war damals auch der Umsteigeplatz der Dampfeisenbahn auf der Strecke von Baden nach Waldshut.

Heute trägt die Liegenschaft massgeblich zum Ortsbild von Turgi bei. Robert Eggler freut sich, wenn bald wieder neues Leben ins Haus einkehrt, damit die Geschichte des Turgemer «Diana» weitergeschrieben wird.

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