Frohe Fahrt ins neue Jahr

Acht Chämifägerinnen und -fäger fuhren am Silvester durch die Region. Im Gepäck hatten sie viele Glückwünsche für das neue Jahr.

Überbringen der Bevölkerung Glückwünsche: Kaminfeger Kurt Fischer und sein Team. (Bild: sha)

05. Januar 2022
13:29

Das alte Jahr auswünschen und das neue einwünschen – so nennt sich der Brauch, den Kaminfegermeister Kurt Fischer und sein Team schon seit Jahren pflegen. «Ausser im letzten Jahr – da war ich Corona-bedingt alleine unterwegs – fährt immer das ganze Chämifägerteam mit den Velos durch unsere Vertragsgemeinden», erzählt Kurt Fischer. Das Chämifägerteam mit Sitz in Rupperswil ist in den Gemeinden Auenstein, Brunegg, Holderbank, Lupfig (mit Scherz), Möriken-Wildegg, Othmarsingen, Rupperswil, Schinznach-Bad, Schinznach-Dorf (mit Oberflachs), Thalheim und Veltheim für Kaminfegerarbeiten, Feuerungskontrollen und Brandschutz zuständig.


Der Bevölkerung Glück gewünscht
Einer schönen Tradition folgend, durchquert man zum Jahresausklang per Velo einen Grossteil der Gemeinden und macht an neuralgischen Punkten wie dem Volg-Laden oder beim Dorfbeck Halt. Dort wird allen Passanten viel Glück gewünscht. So auch am letzten Freitag vor dem Volg Auenstein. Kurt Fischer, der selbst in Veltheim wohnt und bekannt ist «wie ein bunter Hund», wie er erklärt, ist nie um einen flotten Spruch verlegen. Er kennt dank seiner beruflichen Tätigkeit auch unglaublich viele Leute. Zum Beispiel Adolf Brugger aus Auenstein, den ehemaligen Posthalter von Othmarsingen. Er schenkt ihm als Glücksbringer einen alten Einräppler und einen Bonsai-Chämifäger. «Viel Glück im neue Johr, aber ned alls uf einisch go versuffe, gäll!» Der so Beschenkte schmunzelt und bedankt sich – voller Gewissheit, dass nun wohl nichts mehr schiefgehen kann im Jahr 2022.

Manche Passanten berühren die Chämifäger auch an ihren Knöpfen oder der Zunft, wie sie ihre schwarze, traditionelle Arbeitskleidung nennen, denn dies soll noch mehr Glück bringen. Mit dazu gehört auch der schwarze Zylinder, der traditionell mit seidenweichem Maulwurffell bezogen ist. «Heute werden diese Zylinder nur noch in einer einzigen Fabrik in England hergestellt», weiss Kurt Fischer, der selbst über eine Sammlung von sage und schreibe 124 Stück der traditionellen Schornsteinfeger-Kopf­bedeckung verfügt. Der Zylinder hat übrigens durchaus einen wichtigen Zweck: Er schützt die Köpfe der Kaminfeger vor herabfallenden Gegenständen.

«Wir haben aktuell wieder eine Supertruppe beisammen», freut sich Kurt Fischer. Ausser zwei Ferienabwesenden fuhren an diesem Silvester alle mit auf der «Glückstour» durch die Dörfer. Mit von der Partie waren die beiden Kaminfegerinnen Véronique Rychener, Françoise Schmid, die  Kaminfeger Samuel Häusermann, Sven Helfenstein und Aurel Hug sowie Sekretärin Rita Zobrist. Auch der vor zwei Jahren pensionierte Chämifäger Max Staubli liess sich die Teilnahme am schönen Brauch nicht nehmen. Er fuhr das Begleitfahrzeug, einen schönen Seitenwagentöff mit Leiter und einem aufgebauten Ofen. Den brauchte es allerdings heuer gar nicht, denn die Silvestertemperaturen waren sehr mild.


Glücksbringer seit Mittelalter
Doch warum gelten Kaminfeger eigentlich als Glücksbringer? Schon im Mittelalter waren sie als Handwerksgesellen unterwegs, um die Kamine zu reinigen. Denn nur wenn diese frei waren, konnte gekocht und geheizt werden. Und er half mit, Brände zu verhindern, denen früher oft ganze Dörfer und Altstädte zum Opfer fielen. Für die Bevölkerung brachte der Kaminfeger also Sicherheit und damit Glück ins Haus! Diese Freude wirkt bis heute nach: «Wir haben einen der schönsten – und auch ökologischsten Berufe überhaupt», erklärt Kurt Fischer, der per August noch eine Lehrstelle zu vergeben hat. «Denn dank uns Kamin­fegern können in der Schweiz jedes Jahr 55 Tonnen Co2 eingespart werden.»

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