Fürs Katzenwohl im Dauereinsatz

Seit zwölf Jahren setzt sich Susi Voser aus Birrhard unermüdlich dafür ein, dass Katzen eine Pflegestelle oder ein neues Zuhause finden.

Susi Voser mit den beiden Brüdern Figaro und Felino. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

13. Juli 2022
06:48

«Wir sind im Katzentierschutz tätig», beschreibt Susi Voser (52) ihre ehrenamtliche Arbeit. Die gebürtige Wettingerin steht vor dem Gehege in ihrer Wohnung in Birrhard, in dem sich gerade ihre jüngsten Pfleglinge befinden: Es sind sechs Wochen alte Kätzchen, die bei einer Kastrationsaktion für ausgewachsene Katzen gefunden wurden. «Das ist Figaro», stellt sie eine der niedlichen kleinen Miezen vor und fügt an: «Ich habe allen fünfen einen Namen gegeben, der mit F anfängt.»


Rund um die Uhr
Dem Verein «Schweizerische Vereinigung der Katzenhaus-Freunde», gegründet 2007, trat Voser 2010 bei. Anfänglich als Fahrerin und Vizepräsidentin, doch bald übernahm sie auch eine Pflegestelle. Seit 2017 ist sie die Präsidentin des Vereins. «Im Jahr 2021 verzeichnete der Verein 40 Pflegestellen, die insgesamt 321 Katzen betreuten. Pflegestellen sind Privathaushalte, die junge, kranke oder pflegeintensive Kätzchen, Katzen oder Katzenmütter mit ihren Jungen aufnehmen und so lange pflegen, bis die Katzen gesund oder gross genug sind, um an ein neues Zuhause vermittelt werden zu können», erklärt Voser. Die Pflegestellen werden entsprechend mit Material wie Gitter für ganz kleine Kätzchen oder sehr kranke Patienten, Katzenbaum, Futter und Katzenklo ausgerüstet und eng von Susi Voser und ihrer Kollegin Alexandra Testa aus dem Vereinsvorstand begleitet und beraten.

Voser arbeitet neben dieser zeitintensiven und auch oft emotionalen Freiwilligenarbeit zudem 100 Prozent in einem Büro. Durch ihre beiden Vollzeitjobs ist sie praktisch rund um die Uhr und sieben Tage die Woche im Einsatz. «Wenn ich dann ein Foto bekomme von einer glücklichen Katze, die wir vermitteln konnten und die sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlt, ist es das Grösste für mich», sagt Voser.


Vor allem junge Katzen
«Bei den meisten Pfleglingen handelt es sich um junge Katzen», informiert die Vereinspräsidentin. «Sie kommen mit etwa sechs Wochen in die Pflegestellen. Sobald sie zwei Mal geimpft und alle Gesundheitsfragen abgeklärt wurden, sind die Kleinen ab einem Alter von zwölf Wochen vermittlungsfähig», so Voser. Kätzchen von wilden Katzen blieben manchmal länger in den Pflegestellen, bis zu einem halben Jahr, weil sie sich erst noch an Menschen gewöhnen müssten, erklärt die Katzenexpertin. Diese Katzen bräuchten dann auch ein Zuhause, das besonders auf sie eingehe, weil sie sich anders verhalten als domizilierte Katzen. «Man kann sie vielleicht nicht gleich streicheln und muss viel Geduld haben, bis man sich ihnen nähern kann», weiss Voser, die schon als Kind immer viele Tiere um sich hatte. Damals lief ihnen auch ein Kater zu. «Damit fing es an», antwortet Susi Voser auf die Frage, wann sie sich ihrer besonderen Zuneigung zu Katzen bewusst wurde. «Ich spüre innert weniger Augenblicke, ob zwischen Katze und Mensch Harmonie besteht oder nicht», erzählt die Büsifreundin.

Eine zentrale Aufgabe des Vereins ist es, verwilderte Katzen einzufangen und dann die Katzen zu sterilisieren und die Kater zu kastrieren. Dafür komme der Verein auf; durch Mitgliederbeiträge und Spenden seien diese Kosten gedeckt, gibt Voser Auskunft. «Wir dürfen sagen, dass wir kein kleiner Verein sind», sagt die Präsidentin. Auch Materialbeschaffungen, Veterinärrechnungen und Medikamente finanziere der Verein, legt Voser dar. Trotzdem ist der Verein sehr auf Spenden und Passivmitglieder angewiesen.

Im Vergleich zur Lage vor Corona seien die Zahlen angestiegen. Im Jahr 2019 waren es 258 Katzen, die Dank der unermüdlichen Arbeit von Voser, dem Vereinsvorstand und den freiwilligen Helferinnen und Helfern ein neues Zuhause finden konnten. Im Corona-Jahr 2020 ging die Zahl leicht zurück, stieg aber im Jahr darauf wieder an. «Der Lockdown fiel genau in die Zeit, in der die Kastrationsaktionen stattfanden», ist Vosers Erklärung. Es habe deshalb sehr viele junge Kätzchen dieses Jahr, die Hilfe brauchen. Für die Vermittlungsarbeit hat der Verein, den Susi Voser präsidiert, eine Bewilligung vom Veterinäramt. Katzen, die ein neues Zuhause suchen, würden in die ganze Schweiz vermittelt, und die Pflegestellen seien ebenfalls landesweit zu finden. «Wir holen die Katzen schweizweit, vor allem in Notfällen», bestätigt Voser. Ein solcher liegt vor, wenn die Katze aufgrund schwerer Krankheit oder Tod des Halters abgegeben werden müsse. Daneben erhalte sie täglich Mails von Menschen, die ihre Katzen abgeben wollen. – «Wir brauchen dringend mehr Pflegestellen», sagt die Tierschützerin. Und auch freiwillige Helferinnen und Helfer, die ihr bei den täglichen Aufgaben mit jungen oder pflegebedürftigen Katzen, die erst gesund werden müssen, bevor sie in ein neues Zuhause können, zur Hand gehen, sind für sie Gold wert. Der Lohn für ihren freiwilligen Einsatz bestehe für Voser klar darin, zu erleben, wie Katzen ihre Zuneigung und Dankbarkeit ausdrücken: «Diese Momente geben mir alles zurück.»

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