Geerdet und verwurzelt im Dorf

Der Auensteiner Gemeindeschreiber Jürg Lanz geht nach 38 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Er blickt zurück auf eine spannende Zeit.

Gemeindeschreiber Jürg Lanz geht, der tanzende Samichlaus darf auf der Auensteiner Verwaltung bleiben. (Bild: sah)

29. Dezember 2021
15:24

Amüsiert steht Jürg Lanz am zweitletzten offiziellen Arbeitstag neben seinem Maskottchen. «Den auf Knopfdruck singenden und tanzenden Samichlaus vermache ich dem Verwaltungspersonal. Er bildete während der Adventszeit in den letzten Jahren das Empfangskomitee im Gemeindehaus», erzählt der Gemeindeschreiber lachend.

Während der Samichlaus bleiben darf, wird Jürg Lanz seinen Platz im Büro per Ende Jahr räumen. Man wird ihn vermissen. Während über 38 Jahren wurde der Gemeindeschreiber Lanz zu einer Institution in Auenstein. Wie sehr man ihn mag und wie stark er im Dorf verwurzelt ist, verdeutlicht auch die Verleihung des Ortsbürgerrechts an ihn und seine Frau Esther vor einigen Jahren.

Am 8. August 1983 hatte Jürg Lanz seine Stelle im Gemeindehaus Auenstein angetreten. Unmittelbar nach der Verwaltungslehre in Oftringen, wo er auch aufgewachsen ist, trat er seine erste Stelle in Mönthal an. Dort blieb er vier Jahre und absolvierte nebenbei die Fachausbildung zum Gemeindeschreiber. Wie Jürg Lanz erwähnt, hat er auch im liebenswerten «Müendel» vieles gelernt. Bis heute pflegt er dort gute Kontakte, was auch die Glückwünsche zum Ruhestand im Mönthaler Gemeindeblatt belegen. 


«Nie eine Verlegenheitslösung»
Auf der Fahrt vom früheren Wohnort Oftringen, wo er in einer Garagistenfamilie aufwuchs, nach Mönthal durchquerte Lanz jedes Mal Auenstein. Dort gefiel es ihm schon immer sehr gut, und als die Stelle frei wurde, bewarb er sich. Dies hat er gemäss eigenem Bekunden nie bereut, und er habe auch nie den Drang verspürt, eine Anstellung in einer grösseren Gemeinde zu suchen. «In der Gemeinde selbst zu wohnen und auch in Vereinen mitzuwirken, war für mich selbstverständlich. Das war nie eine Verlegenheitslösung», betont Lanz, der zwar nicht aktiv politisiert, aber Mitglied der freisinnigen Bezirkspartei ist. «Mein Beruf entsprach mir auch dank meinem politischen Flair sehr, und das begleitete mich während des ganzen Berufslebens.»

Seine Vereinsmitgliedschaften brachten es mit sich, dass er ab und zu auch abends und an Wochenenden für Auskünfte kontaktiert wurde. «Damit konnte ich gut umgehen und es störte mich nicht», so Lanz.


Intaktes Dorfleben
Wenn er von «seinem» Auenstein erzählt, gerät er ins Schwärmen. Die Lage begünstige die Gemeinde mit ihren schönen Naherholungsgebieten auf der Gisliflue und an der Aare sicherlich. So ist es kein Zufall, dass die Nachfrage nach Bauland anhält. Gleich unterhalb des Gemeindehauses steht noch eine grössere Parzelle zur Überbauung frei, ansonsten laute das Stichwort eher «innere Verdichtung», und auch auf eine harmonische Entwicklung der Quartiere soll in Auenstein das Augenmerk gelegt werden.

Während der Wirkenszeit von Jürg Lanz wuchs das Dorf um knapp 450 auf heute 1650 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Gemeindesteuerfuss ist mit 93 Prozent sehr attraktiv.

Ein Schlafdorf sei Auenstein mitnichten, ist er überzeugt. Auch wenn man bei den letzten Erneuerungswahlen erstmals Mühe bekundete, alle Gemeinderatssitze zu besetzen. Schliesslich gelang es, und alle Exekutivmitglieder seien top motiviert für ihren Dienst an der Allgemeinheit. Als Wermutstropfen empfindet er die Tatsache, dass aktuell keine Frau im Gemeinderat Einsitz hat. «Ich hoffe, das war ein Ausreisser und kann in vier Jahren wieder korrigiert werden», hält Lanz fest.


Digitale Verwaltung installiert
Seine Amtszeit sei geprägt gewesen von spannenden und bedeutenden Projekten mit nachhaltigen Hoch-und Tiefbauten für eine prosperierende Entwicklung der Gemeinde. «Nicht alles gelang auf Anhieb, manchmal blieb Frustration zurück, aber fast nie Resignation. Ich war gerne Gemeindeschreiber in Auenstein», hält Lanz fest.

In Sachen Bürotechnik erlebte er die ganze Bandbreite von der IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine über den Fax, den Kopierer bis hin zum PC mit Internet und E-Mail. In den letzten Jahren wurde die Auensteiner Verwaltung vollständig digitalisiert. Seit 2019 können alle Gemeinderäte ihre Dossiers zu Hause studieren, um dann gut vorbereitet an den zweiwöchentlichen Gemeinderatssitzungen teilzunehmen.


Ein gutes Team
Besonders gern erinnert sich der scheidende «Kanzler», dessen Büro unter anderem eine Replika von Ankers Bild «Der Gemeindeschreiber» schmückte, an die vielen guten Kontakte zu den Mitarbeitenden des Bauamts und der technischen Betriebe sowie in der Verwaltung. Speziell erwähnt er die gute Zusammenarbeit mit Susanne Notter, die während fünfzehn Jahren seine Stellvertreterin war, und die nun seine Nachfolgerin wird. Mit Cyril Schwammberger wirkt zudem wieder ein Ortsbürger und ehemaliger Lehrling von Lanz auf der Gemeindeverwaltung.

Auch nach seiner Pensionierung steht Jürg Lanz, der bereits am 26. Oktober seinen 65. Geburtstag feierte, der Gemeinde für Spezialprojekte oder Unterstützung zur Verfügung. Langweilig werde es ihm definitiv nicht, verrät er schmunzelnd. Die fünf Enkelkinder sowie die Hobbys Biken und Skifahren werden ihn auf Trab halten. Und dann ist auch geplant, zukünftig mehr Zeit in der zweiten Wahlheimat Fiesch zu verbringen, wo er und seine Frau eine Ferienwohnung besitzen.

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