«Gegenseitige Achtung ist oberstes Gebot»

Mit dem Jahreswechsel übergibt Urs Leuthard das Amt an der Spitze der Gemeinde Schinznach an seinen Nachfolger aus Oberflachs.

Der Schinznacher Ammann Urs Leuthard sieht den bevorstehenden Übergang zu seinem Nachfolger positiv. (Bild: mw)

22. Dezember 2021
17:42

Urs Leuthard ist offensichtlich mit sich selbst und mit seinem Umfeld im Reinen. Er wirkt im Gespräch überlegt, ruhig und mit der Freundlichkeit, die man seit Jahren kennt. Diese Faktoren bestimmen seine Lebenseinstellung und sind damit auch sein «Erfolgsrezept». Nun demissioniert er im Alter von 62 Jahren und hält Rück- und Ausblick.


Bodenständige Herkunft
Das Sprichwort «Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm» trifft bei Urs Leuthard-Weber den Nagel auf den Kopf. Er wuchs in Merenschwand in der Bauernfamilie von Vater Walter Leuthard-Suter auf, welcher während 24 Jahren im Grossen Rat mitwirkte und 1981/82 dessen Präsident war. Nach der durch die Landwirtschaft mitbestimmten Ausbildung zum Schmied und Landmaschinenmechaniker fand Urs Leuthard 1981 eine Anstellung bei der Kantonspolizei. Die Auflösung der Aussenstation in Schinznach brachte 2004 den Wechsel nach Brugg, wo er als stellvertretender Postenchef tätig war. Seit 2016 ist nun Aarau Arbeitsort des Wachtmeisters mit besonderen Aufgaben. Als Leiter der Fachstelle SIWAS zeichnet er mit seinem siebenköpfigen Team verantwortlich für die Bereiche Sicherheit/Waffen/Sprengstoffe, ist zuständig  für die Ausstellung oder Verweigerung von Waffenerwerbsscheinen, für Waffenbeschlagnahmungen sowie die freiwillige Abgabe von Waffen und deren Entsorgung.

Nach der Zeit in der Schulpflege und sechs Jahren im Gemeinderat (davon zwei als Vizeammann) wurde Urs Leuthard per 1. Januar 2012 als Gemeindeammann von Schinznach-Dorf gewählt, und ab dem zwei Jahre später erfolgten Zusammenschluss mit Oberflachs hat er als SVP-Vertreter dieses Amt mit grosser Zustimmung der Bevölkerung für die fusionierte Gemeinde Schinznach ausgeübt. Diese zählt heute rund 2400 Bürgerinnen und Bürger. Leuthard, der in unmittelbarer Nähe des Gartencenters Zulauf ein schmuckes Einfamilienhaus bewohnt, fühlt sich im Dorf am Eingang zum idyllischen Schenkenbergertal ausgesprochen wohl. Das hauptsächlich an Donnerstagnachmittagen sowie in den Abendstunden und an Wochenenden erledigte Arbeitspensum als Ammann betrug seinen Angaben zufolge gegen sechzig Stunden pro Monat, wobei administrative Tätigkeiten in der Gemeindeverwaltung, Sitzungen, repräsentative Aufgaben und nicht zuletzt Gemeindeversammlungen im Vordergrund standen. Zu seinen wichtigsten Ressorts gehörten die Gemeindeorganisation (inklusive Personal), das Justiz- und Polizeiwesen, das Jagd- und Forstwesen, Wald, Handel und Gewerbe sowie das Sozialwesen. Zudem wirkte er in Kommissionen und Delegationen wie Tiefenlager Jura Ost, Brugg Regio, Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg mit. Als Verwaltungsratsmitglied des ortsansässigen Alters- und Pflegeheims Schenkenbergertal, an dessen Trägerschaft Schinznach zusammen mit den Nachbargemeinden Brugg (mit Ortsteil Schinznach-Bad), Thalheim, Veltheim und Villnachern via Aktionariat beteiligt ist, bleibt er noch bis zur Generalversammlung mit dem Ressort Öffentlichkeitsarbeit im Einsatz.


Achtsamkeit im Fokus
Die Erfahrungen bezüglich der vor acht Jahren über die Bühne gegangenen Gemeindefusion beurteilt Urs Leuthard als positiv: «Da wir Wert auf die Beibehaltung der Kulturen und Eigenheiten der beiden Ortsteile und damit das Wir-Gefühl legen, ist es in der Bevölkerung und auch in den für das Zusammenleben wichtigen Vereinen ruhig geblieben. Gegenseitige Achtung und damit Anstand sowie Hochhaltung der Demokratie sind für uns von zentraler Bedeutung», so das Fazit. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er von den vielen realisierten Bauvorhaben – allen voran vom Schulhaus für 6,5 Millionen Franken – spricht.

Keine Begeisterung ruft hingegen verständlicherweise die vorgesehene Erhöhung des Gemeindesteuerfusses von 105 auf 110 Prozente hervor. Die Anhebung wird aber trotz Ablehnung und Referendum weiterhin als nötig erachtet. Die 2009 nicht zustande gekommene Fusion der fünf Schenkenbergertal-Kommunen und den Anschluss von Schinznach-Bad an die Stadt Brugg bedauert Urs Leuthard, den letztgenannten Punkt speziell im Zusammenhang mit der Bezirksschule und der Feuerwehr.

Als Aushängeschilder der Gemeinde nennt Urs Leuthard zum Beispiel das Gartencenter Zulauf mit seiner Dampfeisenbahn und die Weinbaugenossenschaft Schinznach, deren feine Tropfen er zu einem guten Essen gerne geniesst. Schinznach ist mit rund 50 Hektaren Reben die grösste Weinbaugemeinde im Aargau. Als positive Erlebnisse sind ihm speziell die Schinznacher Fusionsfeier im Beisein des damaligen Regierungsrates Urs Hofmann, der Empfang von Karateka Elena Quirici nach ihrer Rückkehr von der im August 2021 durchgeführten Olympiade in Tokio sowie die Wahl der neuen, im Ortsteil Oberflachs wohnenden Nationalratspräsidentin Irène Kälin in Erinnerung geblieben. Ende November dieses Jahres waren nebst der Aargauer Regierung auch die Schinznacher Gemeinderäte an der feierlichen Vereidigung im Bundeshaus anwesend.


Viel Erfolg dem Nachfolger!
Zu Urs Leuthards Familie zählen Gattin Irene und zwei erwachsene Söhne. In seiner Freizeit ist er seit vier Jahrzehnten als aktiver Rennvelo- und
Bikefahrer unterwegs. Für den Weg zur Arbeit kommt üblicherweise das E-Bike zum Einsatz, mit dem er dank Hilfsmotor nie ins Schwitzen gerät. In Zukunft möchte er seine Zeit vermehrt mit den engsten Angehörigen sowie mit Reisen und Lesen verbringen. Zudem hat er ein Flugsimulator-Programm gekauft, das ihn virtuell in «luftige Höhen» entführt. Und zu seinem Lieblingsessen befragt, schwärmt  er auf Anhieb von Hörnli und Ghacketem sowie dem immer am Wochenende von seiner Gattin gebackenen Butterzopf.

Seinem Nachfolger Peter Zimmermann wünscht Urs Leuthard viel Erfolg und freut sich, dass der künftige Ammann im Sinne der Abwechslung und Gleichberechtigung aus dem Ortsteil Oberflachs stammt. «Mit ihm an der Spitze bieten sich für den Übergang in die Zukunft des Dorfes beste Chancen», zeigt er sich überzeugt. In der Exekutive nehmen per Anfang 2022 auch drei neue Räte Einsitz. Er selbst, der das politische Engagement eigentlich nie gesucht hat, wird das Gemeindeleben künftig aus einer anderen Perspektive verfolgen.

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