Gemeinde knickt ein

Zu gross war der Widerstand: Die Deponie Steindler wird nicht wie geplant durchkommen. Nun liegt der Ball bei der Betreibergesellschaft.

Hier, zwischen Würenlos und Otelfingen, war die Deponie Steindler geplant (Bild: zVg)

28. April 2021
17:23

Am Ende war der Widerstand doch zu gross. Von den 3161 eingereichten Eingaben zur Deponie Steindler sprachen sich weniger als ein halbes Prozent dafür aus. Der Gemeinderat hat deshalb am 12. April entschieden, den Antrag auf Richtplananpassung auf unbestimmte Zeit zu sistieren. Für die Gemeinde und die Regionale Planungsgruppe Baden Regio ein herber Schlag. Sie hatten dem Kanton Mitte 2018 beantragt, dass der Standort Steindler im kantonalen Richtplan als Standort für eine regionale Aushubdeponie festgelegt wird. Vorgesehen war die Ablagerung von sauberem Aushubmaterial.

Noch vor ein paar Wochen äusserte sich Baden Regio zu den Eingaben. Der Verband, der die Interessen von 25 Gemeinden vertritt, nehme die Ängste der Bevölkerung ernst, hiess es. Roland Kuster, Gemeindeammann von Wettingen und Präsident Baden Regio: «Niemand hat Freude an einer Deponie vor der eigenen Haustüre.» Eine längerfristige Planung sei aber insofern wichtig, da die Möglichkeiten der Auffüllung von Kiesgruben ausgeschöpft sei.


Chance ist noch vorhanden

Das scheint nun Makulatur. Die massiven Einwänden haben Eindruck hinterlassen. Ein Hintertürchen bleibt allerdings noch offen. Die Betreibergesellschaft Dereba AG will mit einer Mediation doch noch überzeugen. Der Würenloser Gemeinderat möchte diese Idee nicht torpedieren und gewährt ihr die Chance, «das Vorhaben zu verbessern».

Einfach wird das nicht. Die Hauptkritikpunkte der Einwände sind unter anderem der regionale Nichtbedarf an Deponievolumen dieser Grösse. Ausserdem monierten die Einwohnerinnen und Einwohner, dass die Standortevaluation nicht vollständig offengelegt worden sei. Die geplante Deponie lasse sich nicht harmonisch in die Landschaft eingliedern. Auch wurde immer wieder die Sorge geäussert, dass Mehrverkehr auf der Furttalstrasse entstehen könne und dass der Deponieperimeter zu nahe am Siedlungsgebiet von Otelfingen liege. Die starke Ablehnung hat den Gemeinderat dazu bewogen, die Situation neu zu beurteilen. Dabei befindet er sich in einer schwierigen Situation. Vom ökologischen Standpunkt her befürwortet er den Ansatz, dass sauberer Aushub aus der Region auch in der Region abgelagert wird und damit lange Lastwagenfahrten vermieden werden. «Es macht aber keinen Sinn», so der Gemeinderat, «das Verfahren für den Standort Steindler in der heute geplanten Form weiterzuführen.»


Alternative Gchütt?

An der Gemeindeversammlung, davon ist er überzeugt, würde die erforderliche Zonenplanänderung abgelehnt werden. Sollte die Dereba AG wird mit den Steindler-Gegnern eine Lösung herbeiführen, sei eine Fortsetzung des Verfahrens denkbar.

Wenn das nicht eintritt, werde er «endgültig gegen das Vorhaben entscheiden». Das wäre dann nicht nur für Baden Regio, die Betreibergesellschaft und die Gemeinde eine Niederlage, sondern auch für den Kanton. Denn mittelfristig benötigt man im Aargau eine Deponie für die Ablagerung von sauberem Aushubmaterial.

Darum erinnert die Gemeinderat an die Alternative Gchütt, westlich der geplanten Deponie Steinder gelegen. Dieses Gebiet hatte die Gemeinde Würenlos bereits früher vorgeschlagen. Allerdings müsste der Kanton dazu das Lägernschutzdekret anpassen. Damit wird das Landschaftsbild der Lägern bewahrt. Doch selbst wenn das erfolgen sollte: Auch bei der Gchütt-Variante bleibt das Problem des Mehrverkehrs durch die Furttalstrasse ungelöst.

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