Gemeinsam lernen und wachsen

Von Generation zu Generation: Beim Blauring Kirchdorf ­begleiten die Leiterinnen ihre Mädchen – bis diese selber Leiterinnen werden.

Sina, Giulia und Jana geniessen im Töbeliwald die Bananen, die sie über dem Feuer im Töbeliwald grilliert haben. (Bilder: zVg)

07. April 2021
19:54

Jugendverbände im Siggenthal vermitteln wichtige Werte

Gemeinsam mit der Pfadi Nussbaumen und der Jungschar Cevi Nussbaumen bildet der Blauring Kirchdorf den Verbund «Jugend united Siggenthal». «Diese Jugendverbände übernehmen eine sehr wichtige und zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Struktur des Siggenthals», sagt Matthias Villiger. Als Jugendseel-sorger des Pastoralraums Siggenthal ist er auch Präses von Blauring und Pfadi – und begleitet oder unterstützt die Leitungspersonen bei Bedarf. Zudem koordiniert er Projekte wie die «Aktion 72 Stunden». Engagement und Freundschaft, aber auch der nicht leistungsorientierte Kontext als Ausgleich zur Schule seien zentral: «Im Blauring lernen die Kinder und -Jugendlichen, was es bedeutet, als Gemeinschaft zu handeln und eigene Werte und Haltungen zu vertreten.» Zudem fördere er Eigeninitiative und Selbstorganisation – dies alles auf komplett freiwilliger Basis.  Die katholische Kirche unterstützt den Blauring und die Pfadi auch finanziell, weil die Themen -Freiwilligenarbeit, Jugend und das Weitergeben von christlichen Werten dem Pastoralraum Siggenthal schon immer sehr wichtig waren, wie Villiger erklärt. Muriel Amsler und Jacqueline Hofer betonen, dass im Blauring alle Mädchen willkommen seien, -un-abhängig von ihrer Konfession. Doch sie sind froh, mit Matthias Villiger eine Anlaufstelle und Verbindungsperson zur Pfarrei zu haben: «Er ist regelmässig bei uns an den Höcks und unterstützt uns bei Fragen.» Auch das Verhältnis zu den anderen Jugendverbänden im Siggenthal sei sehr gut, «wir verstehen uns alle super», erklären die beiden Leiterinnen. Man -profitiere gegenseitig, lade sich gegenseitig ein oder leihe sich auch Material aus.

Kurz vor ein Uhr am Samstagmittag vor dem imposanten barocken Pfarrhaus von Kirchdorf. Auf dem Kiesplatz warten Muriel Amsler (24), Jacqueline Hofer (24) und Sereina Umbricht (24) voller Vorfreude auf ihre neun «multivitaminigsten Multivitaminsäfte» – kurz: Multis. Es ist die erste Gruppenstunde für die älteste Gruppe des Blaurings Kirchdorf seit der Lockerung der Corona-Massnahmen. Von Anlässen mit der ganzen, rund 50-köpfigen Schar rät die Jubla Schweiz noch ab. 

Nach und nach trudeln die Mädchen im Pfarrhof ein. Noch etwas zurückhaltend stehen sie in sicherem Abstand da, und es ist nicht ganz einfach zu erraten, wer nun Leiterin und wer «Kind» ist: Die neun «Multis» sind 14 oder 15 Jahre alt – «manche sind mittlerweile grösser als ich», sagt Muriel Amsler und lacht. Die Leiterinnen haben diese Gruppe übernommen, als die Mädchen gerade in die Schule kamen. «Wir begleiten die meisten, seitdem sie sechs Jahre alt sind. Damals waren sie noch kleine Knöpfe», erklärt die Physiotherapie-Studentin aus Untersiggenthal.


Schoggibananen im Töbeliwald

Nach einem kurzen Aufwärmen auf dem Kiesplatz erklären die Leiterinnen das heutige Programm: Es geht hoch in den Töbeliwald, wo sie gemeinsam ein Feuer machen und Schoggi-Bananen bräteln. Damit keine Langeweile aufkommt, haben sie auch das Kubb-Spiel – eine Art Wikinger-Schach – und andere Utensilien eingepackt.

Zwar dürften sie auch im Blauring-Zimmer im Dachstock ihre Gruppenstunden durchführen, «aber im Freien ist es einfacher, weil dort weniger Einschränkungen gelten», findet Jacqueline Hofer. Nur der Leiterhöck der dreizehn Leiterinnen findet weiterhin via Zoom statt. Die Dachorganisation Jubla Schweiz empfiehlt es so.

Geschlossen marschieren die «Multis» in den nahen Wald hinauf, wo sich der Blauring Kirchdorf oft aufhält. Auch die Teenager kamen gerne wieder in den Blauring. Die 15-jährige Mayumi sagt: «Ich bin froh, dass es wieder losgeht. Bei den Online-­Gruppenstunden sitzen alle einfach am Bildschirm, und man kann gar nicht so wirklich mit­einander schwatzen.» Ihre Kollegin Jana fand die Zwangspause nicht so tragisch, da die Gruppenstunden nur einmal im Monat stattfinden: «Trotzdem hat etwas gefehlt.»

 

  • Die Leiterinnen der «Multis», Jacqueline Hofer und Muriel Amsler, im Blauringraum im Dachgeschoss des Pfarrhauses Kirchdorf .

 

«Es gibt einem unglaublich viel zurück»

Für die Leiterinnen Muriel und Jacqueline bedeutet die Rückkehr zu einem etwas «normaleren» Betrieb zwar auch wieder mehr Aufwand. Aber sie machen es gerne: «Es gibt nicht nur viel zu tun, es gibt einem auch unglaublich viel zurück», sagt Muriel. Die Leiterinnen haben ihre Mädchen aufwachsen und reifen sehen. «Aber auch wir selber sind gewachsen und haben uns entwickelt», findet Muriel.

Seit dem Sommerlager (SoLa) im letzten Jahr sind ihre neun Teenager nun im Status von Hilfsleiterinnen und übernehmen teilweise Leitungsauf­gaben. Muriel und Jacqueline hoffen, dass einige sich dafür entscheiden, auch die Ausbildung zu absolvieren.

Die vielen Jahre im Blauring haben sie als sehr bereichernd empfunden. «Hier gibt es kein Leistungsdenken, jede darf so sein, wie sie ist. Man eignet sich Kompetenzen an, die einem auch später im Leben hilfreich sind», finden die beiden Frauen. Und natürlich werden hier Freundschaften fürs Leben geschlossen – zwischen den Mädchen selber, aber auch im Leitungsteam.


Die «kleinen Knöpfe» werden flügge

Wenn ihre «kleinen Knöpfe» nun in ihre Fussstapfen treten, möchten sich Muriel Amsler und Jacqueline Hofer zurückziehen. Muriel ist noch bis Dezember dabei, Jacqueline will ihre Mädchen noch einmal in einem SoLa als Leiterinnen erleben und dann im Sommer 2022 aufhören.

Doch so ganz abnabeln, das ist Muriel Amsler und Jacqueline Hofer bewusst, werden sie sich sowieso nie. Schliesslich gibt es auch noch einen Ehemaligen-Verein, in dem sich zahlreiche ehemalige Mitglieder des 1938 gegründeten Vereins regelmässig treffen. Aber auch Helferinnen für die Schar- und auch andere Anlässe – so sie denn wieder stattfinden dürfen – sind immer willkommen. Die Verbindungen, die im Blauring geknüpft wurden, halten oft ein Leben lang.

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