Geschichten, die das Leben schreibt

Mit der Erzählbühne brachte der ehemalige Fernseh­moderator Kurt Aeschbacher einen Hauch von Glamour ins Alterszentrum St. Bernhard.

Kurt Aeschbacher entlockte Lebensgeschichte – hier im Gespräch mit Walter Erne. (Bild: pG)

22. Juni 2022
16:06

Knapp zwei Monate sind vergangen, seitdem das Alterszentrum St. Bernhard vom Lägernhang in den Neubau auf die Langäcker umgezogen ist. Die 104 Bewohnenden haben sich inzwischen in ihrem «neuen Zuhause» eingelebt, der Alltag kehrt ein. Diesen Zeitpunkt wollten die Verantwortlichen nutzen und den Bewohnenden nochmals eine spezielle Freude bereiten: Auf der «Erzählbühne» empfing der ehemalige Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher vier Bewohnende und drei Mitarbeitende und interviewte sie zu ihrem Lieblingsfoto.

Die für Marketing und Kommunikation verantwortliche Janine Jud lancierte die Aktion gemeinsam mit der Komform GmbH.


Angst vor dem Verstummen
Bekanntlich fürchten Menschen in einer Altersinstitution nichts so sehr wie das Verstummen – dies kann zu einer sogenannten «mentalen Versorgungslücke» führen. Bei «Mein Lieblingsfoto» zeigten Bewohnende und Mitarbeitende ihr Lieblingsfoto und erzählten ihre Geschichte dazu.

In seiner Begrüssung stellte Kurt Aeschbacher fest, dass es für ältere Menschen wichtig sei, Episoden aus ihrem Leben mit anderen Menschen zu teilen. So waren denn die zahlreich anwesenden Bewohnenden, Begleitpersonen und Mitarbeitenden neugierig darauf, mit welch spannenden, emotionalen, aber auch witzigen Geschichten die Protagonisten Einblick in ihr bewegtes Leben zu geben bereit waren.

Der im Langensteinquartier aufgewachsene Urs Angstmann erzählte, wie er sein erstes Geld mit dem Austragen von Zeitungen verdiente. Sein Berufswunsch stand schon früh fest: Er wollte «Pöstler» werden. Aesch­bachers Frage, ob er den Einladungen zu Kaffee und einem Schwatz gefolgt sei, bejahte Angstmann: «Den ebenfalls angebotenen Schnaps habe ich jedoch stets abgelehnt.»

Als Fussball- und FCZ-Fan erinnerte er sich auch an das legendäre Spiel des FC Wettingen gegen den SSC Neapel mit dem (2020 verstorbenen) Fussballstar Diego Maradona. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass er kein Anhänger vegetarischer Kost sei, und erklärte, wie wichtig ihm die täglichen Telefongespräche mit seiner Nichte seien. Sie war es auch, die ihn vom Eintritt ins St. Bernhard überzeugen konnte.

Mit den Erzählungen aus ihrem bewegten Leben entlockte Elsa Kloter dem Publikum zahlreiche Lacher. Obwohl die dreifache Mutter eigentlich Modedesignerin werden wollte, absolvierte sie auf Geheiss ihres strengen Vaters in der damaligen BBC eine Ausbildung zur Schreinerin. Auf Aesch­bachers Frage, ob sie auch für sich selber Möbel hergestellt habe, sagte sie spontan: «Du kannst nachher auf mein Zimmer kommen, wo ich dir die Kommode zeigen werde.»

In der Betriebsfeuerwehr, damals eine reine Männerdomäne, wurde ihr die Funktion der Samariterin über­tragen. Aus einem Filmeinspieler ging hervor, dass Elsa Kloter damals dem Schiesssport zugetan war. Ein Onkel unterstützte die junge Frau damals. Dass es sich im St. Bernhard gut leben lässt, bestätigten Irmtraut Bieselt und Walter Erne. Lobend äusserten sich auch die Lernende Angelina Pavelka, Pflegefachfrau Susanne Lusser sowie die Hausangestellte Anna Barbara Mori über ihren Arbeitgeber. Es gab lustige und nachdenkliche Momente, ein Abbild des Lebens.
 

  • Claudio Arnold, Sepp Meier, Markus Dieth, Roland Kuster und Peter Wyss durchschneiden das rote Band. (Bilder: pG)
  • Kurt Aeschbacher im Gespräch mit Imtraut Bieselt.


Ein Marathonlauf
Am Nachmittag fand im Atrium die offizielle feierliche Eröffnung des neuen St. Bernhard statt. Dabei brachte Verwaltungsratspräsident Sepp Meier in seiner Ansprache seine Freude über den Grossaufmarsch an Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zum Ausdruck. Er verglich die vergangenen zehn Jahre von der Vision über die Planung, Finanzierung und Realisierung mit einem Marathonlauf: «Ich bin überzeugt, dass es uns dank eines hervorragenden Teams und eines entsprechenden Service gelingen wird, die Wünsche und Anliegen der Bewohnenden zu erfüllen», so Meier.

Regierungsrat Markus Dieth zeigte sich überzeugt: «An diesem hervorragenden Standort können auch die älteren Menschen am pulsierenden Leben von Wettingen teilnehmen.» Und Gemeindeammann Roland Kuster brachte es mit einem Satz auf den Punkt: «Aus der Vision wurde Realität.» Bevor das rote Band durchschnitten wurde, bedankte sich Verwaltungsratsmitglied Claudio Arnold bei allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Einsatz. Er schloss mit dem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry «Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen».

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