Gesetze der Schwerkraft aufheben

Elihu Vazquez und Dany Zoo begeistern das Publikum in «Ikarus, stirb oder flieg» mit ihren atemberaubenden Darbietungen in der Klosterkirche Königsfelden.

Die Breakdancer Elihu Vazquez (l.) und Dany Zoo vor der Vorstellung in der Klosterkirche Köningsfelden (Bild: ub)

20. Juni 2019
09:00

Es ist gegen Ende der Vorstellung: Elihu Vazquez ist allein auf der gros­sen Hauptbühne im Lichtkegel der Scheinwerfer. Ganz klein wirkt der muskulöse Mann mit den Engelslocken in der mächtigen, sakralen Kulisse der Klosterkirche Königsfelden. Die Musiker und Sängerinnen stehen auf den von Bildhauer Roman Sonderegger gestalteten riesigen Holzflügeln über ihm und kreieren sphärische Klangwelten. Dazu scheint Elihu mit seinen Breakdance-Moves das Gravitationsgesetz auszuhebeln. Wie Ikarus – aber ohne Flügel! Sein Körper rotiert um die eigene Achse, er lässt sich nach hinten auf die Handflächen fallen, dreht sich auf dem Kopf. Oft sind Füsse und Hände gleichzeitig in der Luft. Dann kommt Dany Zoo, der zweite Breakdancer im Ensemble, dazu. Ein Raunen ist im Publikum zu hören, als er sich im Handstand, nur auf einer Hand balancierend, und mit durchgestreckten Beinen von links nach rechts biegt. Im Rhythmus der Musik verdreht er seinen Körper in Positionen, die zeitweise an einen Kontorsionisten erinnern. Die Darbietungen von Dany Zoo und Elihu Vazquez gehören zu den vielen Highlights in «Ikarus, stirb oder flieg» und setzen auch einen der finalen Höhepunkte. Wenn nach ihrem tänzerisch-akrobatischen Battle eine weis­se Möwe auf der Grossleinwand entschwebt, gibt es Standing Ovations. 

 

Es gibt noch Karten für alle Vorstellungen

Dass zeitgenössischer Tanz, Breakdance und Flamenco in einer Produktion vereint wird, um in den sakralen Kulissen einer Klosterkirche den Mythos des Ikarusflugs neu zu interpretieren, ist ein weltweit einzigartiges Unterfangen. Die künstlerische Leiterin Brigitta Luisa Merki und der kanadische Choreograf Rob Kitsos hatten den Mut zu dieser ungewöhnlichen Idee und sind beide bekannt für ihre spartenübergreifenden Projekte. Nur noch viermal (vom 20. bis 23. Juni) wird «Ikarus, stirb oder flieg» aufgeführt. Trotz des Erfolgs und eines bisher ausschliesslich begeisterten Publikums, sind für alle Tage noch Karten erhältlich. 

«Ikarus, stirb oder flieg» wird vom Publikum als eine der besten und ungewöhnlichsten Produktionen von Tanz und Kunst Königsfelden beschrieben. «Die Zuschauerinnen und Zuschauer verlassen die Klosterkirche nach der Aufführung im wahrsten Sinne beflügelt, ergriffen und geradezu euphorisch. Das ist für mich als künstlerische Leiterin die schönste Rückmeldung», zeigt sich Merki glücklich. 

  

Cirque du Soleil und Psychologie-Studium

Für Dany Zoo, 30, aus Sevilla, und Elihu Vazquez, 31, aus Granada, ist Baden drei Monate zu ihrer temporären Heimat geworden. Die beiden Spanier sind Autodidakten. Ihre virtuosen Moves haben sie bei Battles mit Kollegen auf der Strasse gelernt und sie durch hartes Training weiterperfektioniert. Breakdance wurde zu ihrem Beruf, dem sie sich mit Haut und Haar verschrieben haben. Dany studierte noch zeitgenössischen Tanz und Ballett dazu und vermischt seither die Techniken zu einem ureigenen Stil mit vielen spektakulären Elementen. Dieses Gesamtpaket kann er nun dem Schweizer Publikum in «Ikarus, stirb oder flieg» zeigen. «Ich übe jeden Tag stundenlang», bekundet er und lacht. Denn er kann sich nichts Schöneres vorstellen. Nach dem Engagement für Tanz und Kunst Königsfelden ist er für zwei Jahre bei Cirque du Soleil angestellt. Fürs Training gehts nach Montreal. Anschliessend auf Welttournee. Auch Elihu Vazquez hat in Zirkusunternehmen und verschiedenen zeitgenössischen Tanzensembles gearbeitet. Zudem war der Beau kurze Zeit Model. 2015 gewann er mit seinem Team den internationalen Breakdance-Wettbewerb «Battle of the Year» in Deutschland. Vor Kurzem hat er sein Studium in Psychologie angefangen und während seines Engagements in «Ikarus, stirb oder flieg» zwei Prüfungen in Unternehmenspsychologie und Neuropsychologie abgelegt. Morgens war er im Prüfungssaal, abends wieder beim Aufwärmen für die Vorstellung. Das passt für Elihu perfekt. «Ich fokussiere mich in jeder Sekunde auf das, was ich gerade mache, und gebe immer alles», sagt er. Das zeigt sich ganz eindeutig, wenn er in mit seinem virtuosen Körpereinsatz in der Klosterkirche Königsfelden den Eindruck macht, als ob er die Schwerkraft überlisten würde.

    

Weitere Vorführungen

Die «Tanz und Kunst Königsfelden»-­Produktion «Ikarus, stirb oder flieg» ist noch an folgenden Tagen in der Klosterkirche Königsfelden, Museumsstrasse in 5210 Windisch zu sehen: Do, 20.6., Fr, 21.6., Sa, 22.6. und So, 23.6. (Derniere). Die Vorstellungen beginnen jeweils um 21 Uhr. Für alle Abende sind noch Tickets erhältlich. Vorverkauf: Info Baden, Bahnhofplatz 1, 5401 Baden, 056 200 84 84, www.ticket.baden.ch, Einwohnerdienste Windisch, Dohlenzelg­strasse 6, 5210 Windisch, 056 460 09 00, oder an der Abendkasse (1 Stunde vor Beginn der Vorstellung).

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