«Glögglifrösche» besiedeln neue Biotope

Seit Herbst 2016 wird in Riniken am Förderprojekt «Geburtshelferkröte» gearbeitet. Nun gibt es eine Erfolgsmeldung.

Kaulquappe des Glögglifroschs
Kaulquappe des Glögglifroschs (Bild: bhe)

von
Beni Herzog

06. November 2018
09:00

Zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer treffen sich jeweils im Herbst zu den Arbeitseinsätzen der Natur-Pflegegruppe Riniken unter der Leitung von André Salm. Eine Bestandsaufnahme von Pro Natura Aargau hatte gezeigt, dass in Remigen und Rüfenach zwei gut besetzte Standorte der Geburtshelferkröte vorhanden sind. Um weiteren Lebensraum zu schaffen und die schwächer besetzten Standorte in Riniken und am Bruggerberg zu vernetzen, erarbeitete Pro Natura resp. deren Tochtergesellschaft creaNatira ein Förderprojekt für die als gefährdet geltenden Amphibien. Dieses umfasst neben der Schaffung von neuen Laichgewässern auch die Vernetzung der einzelnen Standorte mittels naturnaher Korridore, bestehend aus Hecken, Stein- und Asthaufen sowie Buntbrachen. 

  • Der 2016 gebaute Teich oberhalb des Itelebachs
    Der 2016 gebaute Teich oberhalb des Itelebachs (Bild: bhe)
  • Männchen der Geburtshelferkröte
    Männchen der Geburtshelferkröte (Bild: Urs Tester / Pro Natura)

Eine freudige Entdeckung

Tonnenweise Bollensteine wurden herumgekarrt und in den Folienteichen verlegt. Zwar setzte man auch Maschinen ein, doch vieles war schweisstreibende Handarbeit. Die Bemühungen waren nicht umsonst. In einem der 2016 geschaffenen Biotope machte André Salm in diesem Herbst eine Entdeckung. «Ich empfinde innerlich grosse Freude», meinte Salm, «im Teich oberhalb des Itelebachs hat es Kaulquappen der Geburtshelferkröte. Dieser Erfolg gibt mir Kraft, das Projekt mit der dritten Etappe abzuschliessen.» 

Die Erfolgsmeldung erfreut natürlich auch die zahlreichen Helfer. Mancher Schweisstropfen wurde vergossen, viele spürten die Nachwirkungen der schweren Arbeit noch tagelang. Doch in diesem Fall hat es sich gelohnt – und das ist nicht selbstverständlich. Die Wiederansiedlung von verschwundenen Tierarten ist oft schwierig und erfordert viel Geduld. Viele Faktoren müssen zusammenstimmen, damit verlassene Brutgebiete wieder besetzt werden. Geburtshelferkröten halten sich ausserhalb der Laichzeit gerne in Steinhaufen, zwischen Steinplatten oder unter Asthaufen und Holzstapeln auf. 

Fehlen solche Elemente in der Umgebung der Laichgewässer, nützt der schönste Teich nichts. Und damit die Amphibien von anderen Standorten zuwandern können, braucht es die naturnahen Korridore. Dies alles wurde beim Projekt in Riniken berücksichtigt und umgesetzt.

 

Brutpflege ist Männchen-Sache

Geburtshelferkröten, die wegen ihres glockenhellen Rufs im Volksmund auch «Glöggifrösche» genannt werden, haben eine unter Amphibien sehr spezielle Art der Fortpflanzung. Als einzige einheimische Froschlurche paaren sie sich an Land und legen die Eier nicht ins Wasser ab. Sie betreiben Brutpflege und ihre Larven (Kaulquappen) überwintern häufig vor der Metamorphose einmal im Laichgewässer. Ihre Fortpflanzungssaison dauert von März bis August. Nach der Paarung wickelt sich der Krötenmann die Laichschnüre mit den bis zu 50 Eiern um Beine und Hinterleib und schützt so den Nachwuchs, bis dieser zum Schlüpfen bereit ist. In dieser Zeit verkriecht sich das Männchen am liebsten in Steinhaufen oder Erdhöhlen. Sobald die reifen Eier in Kontakt mit einem Gewässer kommen, schlüpfen die Larven.

Die Kaulquappen in Riniken haben schon eine stattliche Grösse von etwa 4 cm. Nach dem Überwintern werden sie sich im nächsten Frühjahr in Geburtshelferkröten «umwandeln», und so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass im Mai/Juni vom Waldrand oberhalb des Itelebachs die Rufe der «Glögglifrösche» zu hören sind – für André Salm klingt das wie Musik in den Ohren.

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