Glück dank «Schwarzem Mann»

Neujahrsfeiern sind von altem Brauchtum umweht. Glückssymbole, Aberglaube und meist unrealistische Wünsche feiern jeweils Urständ.

Mario Käser ist seit 20 Jahren «Glücksbringer» (Bild: hle)

von
Hans Lenzi

01. Januar 2019
09:00

So auch die Idee, dass das Anfassen von Kaminkehrern Erfolg und Gedeihen garantiert. «e-journal» hat einen Schornsteinfeger getroffen und sich genauer erkundigt. Glück gehabt!

  

Glücklich im Beruf

Kaminfegermeister Mario Käser, seit zwanzig Jahren im Beruf und seit fünf Jahren selbständig mit eigenem Geschäft unterwegs, bezeichnet sich selber als zufriedener, glücklicher Zeitgenosse: Die Firma brummt, auf die sechs Angestellten lässt er nichts kommen, und die Familie mit den beiden quirligen Kindern ist ihm tägliche Freude. «Mit meiner Frau hab ich das grosse Los gezogen. Dank ihrer kaufmännischen Ausbildung ist sie mein ‹Back-up›, hält unser Büro im Schuss und mir den Rücken frei. Kurzum: Daumen nach oben!», schmunzelt der Fachmann. Entspannung findet der in Elfingen geborene Wahlbözberger in der regelmässigen Jassrunde mit Freunden und im kameradschaftlichen Verhältnis zu den Feuerwehrkollegen. Und dass sie heuer ihr Mietobjekt zum Eigentum wandeln konnten, ist fürs Ehepaar Käser einer der Höhepunkte im 2018. Was könnte Mario Käsers eigenes Glück noch mehren? «In noch besserer Kommunikation mit meiner Partnerin. Da ich natürlich die Verhältnisse meiner Kundschaft aus Anschauung bestens kenne, setz ich das bei Daniela zu oft wie selbstverständlich ebenfalls voraus. Das ist falsch. Ich bin mich am Bessern!»

 

Anfassen erlaubt!

Käser bestätigt, dass das früher noch stärker verbreitete Anfassen der Schwarzen Männer im Sinne von Glücks-Zugewinn auch heute noch vorkommt: «Es kann zum Beispiel beim Einkauf in Vollmontur passieren, dass plötzlich jemand meint: Aha, en Chämifäger. Dä bringt Glück! Und schon werde ich betatscht, meist an der Joppe und noch lieber an den goldenen Knöpfen. Das stört mich nicht, ich finds einen schönen Brauch.» Seine Angestellten erzählen ihm Ähnliches, und schon mehrfach wurde von ihm gewünscht, dass er in der Feger-Tracht Hochzeiten beiwohnt. Zudem weiss er, dass Berufskollegen regelmässig am Zürcher Silvesterlauf mit ihrem Jobtenue teilnehmen und den Kindern Glücksgroschen verteilen. 

  

Alter Brauch

Diese Tradition reicht zurück ins Mittelalter. Schon da war vorgeschrieben, dass Hausbesitzer ihre Schornsteine zweimal jährlich reinigen lassen mussten. Kam man dieser Pflicht nicht nach und stellte sich Russbrand ein, wurden mehrere Goldstücke Strafe fällig. Der Kaminfeger schützt also mit seiner Arbeit Haus und Siedlungen vor Verlust, ist von alters her ein gern empfangener Gast, bewahrt mit seiner Tätigkeit Leib und Leben, garantiert behagliches Wohnen und warme Mahlzeiten. Gleichzeitig hing dem Beruf wegen der schwarzer Kluft und der üblichen Russspuren im Gesicht und auf Händen der Nimbus an, dem Teufel nicht unähnlich zu sein, ja gar böse Geister und das Höllenwesen selber bezwingen zu können. Dieser praktischen «Zusatzqualifikation» wollte man gerne teilhaftig sein. Eine dritte Deutung: Zu Neujahr standen die Kaminkehrer als Erste vor der Haustür und überreichten nicht nur die Jahresrechnung, sondern jeweils mit den besten Wünschen auch ein Kalenderblatt. Was Wunder, dass man noch heute gerne auf den Schornsteinfeger zugeht, ihm herzlich die Hand drückt und so auf Fortuna für die nächsten zwölf Monate hofft. 

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