«Goldene Schwelle» einbetoniert

Mit dem letzten «Akt» ist die feste Fahrbahn des 2,7 Kilometer langen Doppelspur-­Tunnels zwischen Schinznach und Effingen fertiggestellt.

Symbolischer Akt: Die «goldene Schwelle» wird festgeschraubt
Symbolischer Akt: Die «goldene Schwelle» wird festgeschraubt (Bilder: mw)

von
Max Weyermann

13. Februar 2020
09:00

Nach vier Jahren Bauzeit konnte am vergangenen Donnerstag ein Meilenstein gefeiert werden. Mit dem Einbau der letzten Schwellenblöcke ist ein Zwischenziel des Vier-Meter-Korridors auf der Gotthardachse erreicht. Die Fahrbahn zwischen Schinznach und Effingen ist das grösste Einzelprojekt des Korridors, der im Auftrag des Bundes realisiert wird. An der feierlichen Zeremonie im Tunnel nahmen nebst Vertretern der Bauherrschaft und offiziellen Gästen auch zahlreiche Medienschaffende aus diversen Kantonen teil. 

In einem symbolischen Akt wurde eine «goldene Schwelle» eingebaut und betoniert. Der aus den USA stammende Brauch geht auf den im Mai 1869 vollendeten Bau des 2600 Kilometer langen Teilstücks der transkontinentalen Bahnlinie zurück, welche Sacramento (Kalifornien) mit Omaha (Nebraska) verbindet. 

 

«Ein Meilenstein für den Güterverkehr» 

Rund 300 Meter vom Südportal entfernt befestigte ein Team des Baudienstleisters Implenia die im Scheinwerferlicht glänzende Bahnschwelle mit Schrauben und mauerte den umgebenden Untergrund auf das Niveau der festen Fahrbahnfläche auf. Insgesamt besteht diese auf der ganzen Länge aus 13'000 Kubikmetern Beton. Hinzu kommen 13 800 auf Gummipuffern gelagerte und damit lärm­gedämpfte Schwellenblöcke sowie 8,2 Kilometer Schienen, die noch zusammengeschweisst werden müssen. 

Nach der Fertigstellung des Bauwerks und der weiteren Infrastruktur auf der Gesamtstrecke können Sattelauflieger mit einer Höhe von vier Metern auf der 270 Kilometer langen Nord-Süd-Achse zwischen Basel und der italienischen Grenze verkehren, was eine beachtliche Kapazitätssteigerung ermöglicht. 

«Der neue Bözbergtunnel ist ein Meilenstein für den umwelt- und ressourcenschonenden Güterverkehr in Europa. Dieser kann künftig verstärkt von der Strasse auf die Schiene ver­lagert werden», hielt Anna Barbara Remund, Vizedirektorin des Bundes­amtes für Verkehr, in ihrer Ansprache fest. Jacques Boschung, Leiter SBB ­Infrastruktur, ergänzte: «Der euro­päische Traum von der Flachbahn von den Nordseehäfen bis zum Mittelmeer wird dank der Zusammenarbeit der Schweiz mit Deutschland und Italien allmählich Wirklichkeit.» Er erwähnte auch, dass nach dem Motto «Rail first» der gesamte Ausbruch im Umfang von 500 000 Tonnen Gesteinsmaterial per Bahn abtransportiert worden sei, was rund 34'000 Last­wagenfahrten einsparte. Hans Ruedi Rihs, Sektionsleiter Öffentlicher Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), begrüsste die ­Verlagerungspolitik des Bundes auch im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft des Standortkantons im Gotthardkomitee. 

 

Wichtiger Lärmschutz

Angesichts der künftigen intensiveren Nutzung der Bahntransversale durch unser Land sprach er sich jedoch auch für einen möglichst wirksamen Lärmschutz für die Bevölkerung aus. Und Erwin Scherer, Leiter Tunneling bei der Implenia, dankte allen an der Realisierung des anspruchsvollen Projektes beteiligten Kreisen für ihren Einsatz. Er betonte, die Arbeitssicherheit geniesse einen hohen Stellenwert, und zeigte sich entsprechend erfreut, dass bisher keine grös­seren Zwischenfälle zu verzeichnen gewesen seien. Last, but not least sprach ­Gesamtprojektleiter Thomas Zieger die Überzeugung aus, dass sämtliche Arbeiten bis zur definitiven Inbetriebnahme gegen Ende Jahr termin­gerecht abgeschlossen sein werden.

 

Bözberg als «Herzstück»

Für die Gesamtkosten der Infrastruktur auf der Gotthardachse mit ihren 20 Tunneln plus rund 80 Einzelanpassungen an Perron-Dachkanten, Fahrstrom- und Signalanlagen hatte das Parlament 2013 einen Kredit von ­710 Millionen Franken bewilligt. Ein wichtiger Teil ist auch der Ceneri-­Basistunnel, in dem Ende Mai 2018 ebenfalls eine «goldene Schwelle» montiert worden war. Die SBB beenden die Arbeiten am und im Bözbergtunnel, der mit 350 Millionen gut die Hälfte der Kosten beansprucht, Mitte 2020. Nach diversen Prüfungen folgt von Mai bis Ende Oktober ein umfassender Testbetrieb. Im August steht zudem eine gross angelegte Rettungsübung mit diversen Blaulichtorganisationen auf dem Programm. Endgültig steht der Bözbergtunnel schliesslich ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2020 zur Verfügung und wird künftig für «mehr Zug» auf der Nord-Süd-Transitachse sorgen. 

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