Grosis und Nonnos als Wissensvermittler

«Wie sag ichs meinem Kinde?» gilt auch fürs Grosskind. Die Pädagogische Hochschule Brugg bietet den Kurs «Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno» an.

Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno am Werk, links Kursleiterin Maria Till
Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno am Werk, links Kursleiterin Maria Till (Bilder: lp)

von
Louis Probst

22. Mai 2019
09:15

«Soo guet», freut sich Regula Hintermann. Soeben hat sie mithilfe eines Glases und eines Teelichtes eine Münze aus einer flachen, mit Wasser gefüllten Schale nehmen können – ohne sich die Finger nass zu machen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht erklärt sie den physikalischen Vorgang, der mit dem Experiment sichtbar gemacht wird. Regula Hintermann ist eine von elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Kurs «Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno», der gegenwärtig im Campus läuft. Ziel dieses Kurses, der von der Pädagogischen Hochschule der FHNW angeboten wird, ist es, Grosseltern darauf vorzubereiten, wie sie  – als Technik-Grosis und Naturkunde-Nonnos – mit einfachen Mitteln ihren Enkelkindern  naturwissenschaftliche und technische Phänomene näherbringen können.

  

Spannende Experimente

«Es geht um sehr leicht zugängliche Experimente, mit denen sich naturwissenschaftliche und technische Phänomene klar beobachten lassen», erklärt Kursleiterin Maria Till. Als promovierte Naturwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule ist sie in der Weiterbildung von Lehrpersonen tätig und neben den Kursen für Grosseltern auch Projektleiterin und Mitentwicklerin des Mobilen Lernlabors, MobiLab, welches mit naturwissenschaftlichen Experimenten an die Schulen geht. «Wir wollen den überhöhten Respekt vor den Naturwissenschaften abbauen und aufzeigen, wie naturwissenschaftliche Phänomene auch unseren Alltag bestimmen – sei das nun beim Kochen oder beim Schwimmen», stellt sie fest. «Schule und Eltern hätten vieles zu bewältigen. Oft fehle es aber an der Zeit, etwas genauer anzuschauen. Grosseltern können hier gute Vermittler sein», so Maria Till, die, wie sie sagt, seit Kurzem selber Grossmutter ist. «Grosseltern haben Zeit und Erfahrung sowie eine Beziehung zu den Enkelkindern. Der Kurs kann aber auch Leuten, die wenig mit Naturwissenschaften zu tun hatten, eine neue Welt eröffnen – oder vielleicht auch vor Jahrzehnten Gelerntes auffrischen. Im Sinne von: Das hatte ich doch mal in der Schule, mit all diesen Formeln.»

Volle Konzentration
Volle Konzentration

 

Ein Produkt von EduNat

Entstanden sind die Kurse «Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno», die abwechselnd im FHNW-Campus Brugg-Windisch und an der FHNW Muttenz angeboten werden, aus der strategischen Initiative «EduNaT» der Fachhochschule Nordwestschweiz heraus. 

«Ziel von EduNat ist es», so die FHNW, «das Interesse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an Naturwissenschaft und Technik sowie die Bildung in diesem Bereich zu fördern.» Das aus der Erkenntnis, dass «Naturwissenschaften und Technik den Alltag durchdringen, Innovationen hervorbringen und die Wirtschaft zu Höchstleistungen antreiben.» Ein gutes Verständnis naturwissenschaftlicher und technischer Vorgänge sei daher Voraussetzung, um Prozesse des täglichen Lebens zu begreifen und bewusst und verantwortungsvoll zu handeln. Viele Jugendliche und Erwachsene hätten jedoch Berührungsängste mit den Mint-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Daraus resultiere ein Mangel an Fachkräften mit fatalen Folgen für die Wirtschaft. 

   

Interessierte Grosseltern

Offensichtlich stossen die Kurse «Technik-Grosi und Naturkunde-Nonno» auf Interesse. «Beim letzten Kurs hatten wir 16 Anmeldungen», sagt Maria Till. «Der laufende Kurs wird von elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht.» Abgesehen davon, dass sie alle Grosseltern sind, hat sie das Interesse an Naturwissenschaften und Technik bewogen, den Kurs zu besuchen.

«Ich bin aus Neugier hier», erklärt eine Teilnehmerin. «Ich habe zwei Enkeltöchter im Alter von sechs respektive vier Jahren. Ich mache beim Generationenprojekt Bildung mit. Dabei habe ich erlebt, wie in der Schule die Lehrerin kleine Experimente durchgeführt hat. Das hat mich fasziniert.» Eine andere Teilnehmerin, selber Lehrerin, stellt fest: «Ich experimentiere gerne. Aber ich möchte bestehende Experimente nachvollziehen. Naturwissenschaftliche Experimente kamen zu meiner Zeit in der Schule zu kurz. Es gab schlicht kein Gefäss dafür.» Eine Teilnehmerin, die zusammen mit ihrem Mann den Kurs besucht, sagt: «Ich finde es interessant, wenn die Enkelkinder auch zusammen mit dem Grosi etwas machen – nicht nur mit dem Grossvater.» Ihr Mann meint: «Ich bin selber Ingenieur. Inzwischen bin ich zwar weg von der Technik. Mir ist es aber wichtig, dass Kinder einen Bezug zu den Naturwissenschaften haben – vor allem Mädchen.» Eine weitere Teilnehmerin erklärt: «Ich hatte schon als Kind Freude an Naturwissenschaften. Aber das war damals kein Thema für ein Mädchen. So habe ich eine Lehre als Drogistin gemacht und später als Laborantin gearbeitet. Ich möchte meinem Enkel naturwissenschaftliche Zusammenhänge auf einfache Weise erklären können.»

 

«Prosecco geht auch»

«Ich nehme an, dass dieses Wasser nicht zum Trinken ist», meint ein Kursteilnehmer angesichts der Mineralwasserfläschchen auf den Tischen zu seinem Nachbarn. Er liegt richtig. Tatsächlich geht es am ersten der drei Kursnachmittage um Experimente mit Wasser und Luft. Als Einstieg steht ein Experiment auf dem Programm, welches ein gutes Beispiel zur Veranschaulichung der Dichte ist. Dabei steigen und sinken in einem mit Mineralwasser gefüllten Glas – «es funktioniert mit allen kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten, auch mit Prosecco», meint Maria Till lachend –  Rosinen zur Oberfläche auf, drehen sich und sinken wieder ab. Nach diesem Einstieg entscheiden sich die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer für eines der vielen Experimente – wie etwa das mit der Münze im Wasser. 

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