Gute Aussichten für Nachwuchs

Fünf Jugendliche aus der Region wollen an den Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2021. In Döttingen haben sie nun Top-Bedingungen.

Die begeisterten Jungschwinger in ihrer neuen Halle in Döttingen. Von links: Rico Suter (Freienwil), Ralf Böni (Lengnau), Joel Gfeller (Hettenschwil), Janis Stutz (Kirchdorf) und Samuel Birrer (Tegerfelden). (Bild: af)

21. Oktober 2020
22:05

Joel Gfeller, Samuel Birrer, Ralf Böni, Rico Suter und Janis Stutz trainieren zurzeit intensiv, um sich die Teilnahme am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) nächstes Jahr in Schwarzenburg zu sichern. Sie kämpfen dabei gegen rund zwanzig Konkurrenten um einen von acht Plätzen, die der Nordwestschweizerische Schwingerverband vergibt. Bis vor Kurzem waren die Trainingsbedingungen beim Schwingclub Zurzach allerdings prekär. Die Jugendlichen mussten im Keller des Schulhauses trainieren. Der Platz war eng, die Sanitäranlagen minimal. Der Verein, der demnächst in Schwingclub Zurzibiet umbenannt wird, handelte: Man konnte sich mit der Gemeinde Döttingen darauf einigen, das alte Schützenhaus für die nächsten dreissig Jahre zu nutzen.


2500 Stunden Freiwilligenarbeit
Um das Schützenhaus schwingtauglich zu machen, leisteten die Vereinsmitglieder zur Unterstützung der professionellen Handwerker rund 2500 Stunden Freiwilligenarbeit. Dabei habe man die Schwinger von einer ganz neuen Seite kennengelernt und handwerkliche Talente entdeckt, schwärmte «Bauleiter» Markus Birchmeier bei der Eröffnung am 14. Oktober. Die Infrastruktur genügt nun auch höheren Ansprüchen: Im Gebäude befinden sich eine 150 Quadratmeter grosse Schwinghalle mit Sägemehl, ein kleiner Aufenthaltsraum mit Küche, getrennte Garderoben für Jungschwinger und Aktive und ausreichend sanitäre Anlagen sowie eine Heizung mit Erdsonde. Der zuvor genutzte Aussenschwingplatz ist zudem nur 150 Meter von der Halle entfernt.

Auch Joel Gfeller, Samuel Birrer, Ralf Böni, Rico Suter und Janis Stutz halfen tatkräftig beim Umbau mit. Die fünf Jungschwinger können nun unter idealen Bedingungen ihre ehrgeizigen Ziele anstreben. Zum Schweizer Nationalsport fanden sie alle eher auf Umwegen. Janis Stutz aus Kirchdorf wurde in einem Schwimmkurs gesagt, er habe die perfekte Postur fürs Schwingen. Also probierte er es aus – und blieb. Ähnlich erging es Ralf Böni aus Lengnau, der auch Unihockey spielt. Ihm erklärte sein Onkel, er habe die Postur eines Schwingers. Im Alter von acht Jahren konnte ihn seine Familie überzeugen, ein Schwingtraining zu besuchen. Nachdem er widerwillig hingegangen war, zog es ihm beim zweiten Training den Ärmel rein.

Böni war mitverantwortlich, dass auch Rico Suter aus Freienwil das Schwingen ausprobierte –  er war in der Jungschar sein Leiter. Per Zufall fand auch Joel Gfeller aus Hettenschwil ins Sägemehl: Er wollte als Siebenjähriger einen Lego-Technic-Kurs im Ferienpass machen, der aber ausgebucht war. Deshalb wich er auf Schwingen aus.


Qualifikation übers Training
Der Tegerfelder Samuel Birrer gehörte zu einer Gruppe von drei Jungen, die mit fünf Jahren Schwingen lernen wollten. Er ist heute der Einzige des damaligen Trios, der das Schwingen noch aktiv betreibt. Allen fünf Nachwuchsschwingern gemeinsam ist die grosse Leidenschaft für ihren Sport. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings das Absagen der grossen Schwingfeste. Nicht nur, dass dadurch das sportliche Ziel fehlt – auch die Qualifikationsgrundlage für den ENST entfällt. So qualifizieren sich diejenigen, die im Training am meisten herausstechen. Die grössten Chancen, da sind sich alle einig, haben Gfeller, Birrer und Böni. Gfeller und Böni trainieren zusätzlich einmal pro Woche in Lenzburg, und Birrer absolviert zusätzlich zwei Trainingseinheiten in Brugg. Suter und Stutz sehen das aber locker, wie Stutz erklärt: «Es macht natürlich mehr Spass, wenn man Erfolg hat. Aber der Zusammenhalt im Club ist wichtiger.» Am ENST wäre ein Zweig das Ziel, das Äquivalent zum Kranz bei den Aktiven. 

Joel Gfeller ist bereits in der Lehre, die anderen sind auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Auch wenn gemäss Markus Birchmeier viele Schwinger mit Beginn der Lehre dem Sport den Rücken kehren, da sich die Prioritäten verschieben, sind die fünf überzeugt: Sie blieben dem Schwingen treu.

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