Guter Draht zu zwei verschiedenen Welten

Die Crowdfunding-Aktion, die der Dättwiler Schlag­zeuger Beda Ehrensperger ­unlängst in der Schweiz gestartet hat, war erfolgreich.

Musiker Beda Ehrensperger (im Bild mit Sohn Evan) war für seine Crowdfunding-Aktion auf Stippvisite in der Schweiz. (Bild: ub)

08. September 2021
17:53

Schlagzeug spielt der heute 41-jährige Beda Ehrensperger von Kindesbeinen an. Weil Trommelrhythmen schon immer die Basis der afrikanischen Musik bildeten und insbesondere Westafrika als Wiege der modernen schwarzen Musik gilt, reiste er 2001 das erste Mal nach Ghana. Nach seinem Musikstudium an der Zürcher Hochschule der Künste blieb er ein ganzes Jahr dort. Zehn Tage vor seinem Heimflug lernte er seine heutige Frau Mefia kennen. 13 Jahre lang wohnte das Paar in der Region Baden. Die Söhne Levin (13) und Evan (9) wurden geboren, und Ehrensperger startete in der ghanaischen Hauptstadt Accra mit dem Aufbau eines Kulturzentrums. Dort tauschen sich Musikerinnen und Musiker aus verschiedensten Ländern aus und geben Konzerte. 


Die Erfüllung eines Traums

2019 brach die Familie Ehrensperger die Zelte in der Schweiz endgültig ab und verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach Ghana. «Ich wollte noch mehr mit der dortigen Musik verschmelzen», sagt Beda Ehrensberger dazu. Seither sind viele Kontakte entstanden. Der Schlagzeuger aus Dättwil leitet die Band von Atongo Zimba, welcher in der afrikanischen Kulturszene eine Legende ist. «Ihn habe ich schon als Jugendlichen verehrt und im Traum nicht dran gedacht, einmal mit ihm zusammen zu spielen.» Ehrensperger lernte aber auch die Crew von Danis Entertainment kennen, einem Trio, das musikalisch begabte, aber mittellose Kinder vor Ort fördert und ihnen eine schulische Ausbildung ermöglicht. «Die Initianten stammen alle selber aus armen Verhältnissen und haben ihre ­Organisation mit extrem knappen Mitteln auf die Beine gestellt», erzählt Ehrensperger und fügt hinzu: «Diese Aktion wollte ich unbedingt unterstützen.» Er hat eine Nachwuchs-Band gegründet, in der mittlerweile auch seine Söhne mitspielen.

Sechzig Sängerinnen, Rapperinnen und Tänzer werden zurzeit von Danis Entertainment unterstützt. Und es sollen mehr werden. Weil es an ­Proberäumen und vor allem an Instrumenten fehlt, nutzte der Aargauer Künstler seinen Bekanntheitsgrad und startete eine Crowdfunding-­Aktion in der Schweiz. Dafür reiste er mit seinen Söhnen für einen Monat in die ursprüngliche Heimat zurück. 16'000 Franken konnte er mit seinem Aufruf hierzulande generieren. «Zudem wurden Gitarren, Keyboards, Verstärkeranlagen sowie Streich- und Blasinstrumente gespendet», erzählt Ehrensperger. Mit dem Geld will er für die junge Musikgeneration in Ghana ein neues Probelokal mieten und Events veranstalten. Die Instrumente werden Ende September nach Afrika verschifft. Zurzeit sei man auf der Suche nach Lehrerinnen und Lehrern, welche die Kinder unterrichten können.


Er will noch mehr bewirken

«Wir leben in Accra sehr einfach für Schweizer Verhältnisse. Dort jedoch gehören wir zur privilegierten Schicht», erklärt Ehrensperger. Mit seiner Familie bewohnt er eine Wohnung direkt im Kulturzentrum. «Wir haben einen kleinen Garten und Tiere.  Unsere Söhne können zudem gute Privatschulen besuchen.» Seit er mit ­Danis Entertainment zusammenarbeitet, lernt er regelmässig Kinder kennen, die aufgrund von Armut tagelang nichts zu essen haben. Auch die einheimischen Musiker seien nicht auf Rosen gebettet. «Oft fristen sie ein kärgliches Dasein.» Das erfolgreiche Crowdfunding für Ghana hat ihn ­motiviert, weiterzumachen. Um noch mehr zu bewirken, will er eine Stiftung finden, die das Projekt mit den Kindern langfristig begleitet.

Ehrensperger ist es dabei wichtig, dass das Team aus Accra möglichst freie Hand hat. «Natürlich werde ich dafür besorgt sein, dass das Geld sinnvoll und gut eingesetzt wird», verspricht er. Ob er irgendwann in die Schweiz zurück will, weiss der Kosmopolit noch nicht. «Wir werden auf jeden Fall in Afrika bleiben, bis sich die laufenden Projekte etabliert haben. Ich rechne, dass es dafür rund zehn Jahre braucht.» Bis dahin freut er sich jeden Tag, dass er aufstehen und in Ghana Musik machen kann. «Das ist für mich persönlich der grösste Luxus überhaupt», sagt er dankbar.

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