Gutes Beispiel für historischen Weiterbau

Die Kantonsschule Wettingen wird für knapp 18 Millionen Franken erweitert. Im Sommer 2024 soll das neue Gebäude bezugsbereit sein.

Kanti-Rektor Paul Zübli vor der Brache beim Kreuzgang, wo archäologische Grabungen vorgenommen wurden. (Bild: is)

02. März 2022
19:55

Die rund 18 Meter hohen Bauprofile auf der Westseite des ehemaligen Zisterzienserklosters verraten es: Hier entsteht bald Grosses. Direkt im Anschluss an die Klosterkirche und bis ans südliche Ende des bestehenden Westflügels soll ein Neubau mit zwölf Schulzimmern, einer Lernhalle und zwei weiteren Räumen erstellt werden. Der Grosse Rat hatte den Verpflichtungskredit von 17,93 Millionen Franken im Januar genehmigt. Seit dem 18. Februar liegt das Baugesuch nun auf der Gemeinde Wettingen auf.

Die Vergrösserung ist nötig, um die 2018 eingeweihte Sporthalle besser auszulasten. «Wir haben jetzt fünf Hallen, und pro Halle wurde damals ein Standard von 11 Schulklassen definiert. Wir bräuchten also 55 Abteilungen, haben derzeit aber nur 49», rechnet Rektor Paul Zübli vor. Die Kanti Wettingen wird also ab dem Schuljahr 2024/25, wenn der Neubau in Betrieb gehen soll, 6 weitere Abteilungen aufnehmen. Dann werden rund 1250 Schülerinnen und Schüler die Kanti Wettingen besuchen.

An der Stelle, wo der Neubau entsteht, stand bis ins 19. Jahrhundert das sogenannte Hönggerhaus. Seitdem dieses abgerissen wurde, ist der Blick auf den Kreuzgang frei – und dieser ist sogar über eine Tür direkt erreichbar. Im Idealgrundriss eines Zisterzienserklosters ist der Kreuzgang jedoch auf allen Seiten von Gebäuden umgeben. Mit dem Neubau wird also tatsächlich eine Baulücke geschlossen.

 

  • Südwestansicht der zwei bestehenden und des neuen Gebäudes (l.).
  • Die Lernhalle mit Original-Boden und -Kellerwänden.
  • Möglicher Einblick in ein Schulzimmer (Visualisierungen: Renderisch GmbH)


Alte Sporthalle wird abgerissen
Bereits in der Planungsphase wurde klar, dass dieser Baukörper wiederhergestellt werden sollte, um den notwendigen Platzbedarf zu schaffen. Der bestehende Westflügel, der aus den 1950er-Jahren stammt, wurde bis zur Eröffnung der neuen Dreifachturnhalle als Sporthalle genutzt. Später gab es noch sporadische Nutzungen, etwa durch den Judoclub Baden oder für Anlässe. Doch heute steht er weitgehend leer.

Bauen im Gebiet einer bald 800-jährigen Klosteranlage ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Neue Gebäude müssen sich ins äussere Erscheinungsbild des Bestehenden einfügen, aber auch zeitgemäss konstruiert werden – also nicht als Rekonstruktion des historischen Baus. Dies sei den Beteiligten mit dem geplanten Neubau sehr gut gelungen, findet Rektor Zübli: «Das Gebäude respektiert die bestehende Struktur und ist von zurückhaltender Architektur. Es ist ein sehr attraktives Projekt.» Im Projektbericht ist von einem «exemplarischen Stück von Weiterbauen im historischen Kontext» die Rede.


Zeitzeugen in der Lernhalle
Die Gebäudefassade nimmt die Sprache der bestehenden Fronten auf. Ein hoher Maueranteil ist vom Denkmalschutz her notwendig. «Dieser wird besonders aus seitlichen Perspektiven wahrgenommen. Die Fenster sind eigentlich nur sichtbar, wenn man frontal vor dem Gebäude steht», erklärt Rektor Paul Zübli.

Die sechs Meter hohe Lernhalle, die für Gruppenarbeiten dient, wird sogar eine spektakuläre Optik erhalten. Sie wird rund drei Meter ins Erdreich hineingebaut, und die ehemaligen Kellerräume werden im Bereich der Aussen- und Binnenmauern integriert (siehe Bild Mitte). Die Kantonsarchäologie hat die historischen Zeugen des ehemaligen Hönggerhauses, das als Lager genutzt worden war, im Vorfeld archäologisch gesichert.


Glaswände mit Vorhängen
Auch der historische Flusswackenboden soll wieder neu eingebaut werden. «Dadurch entsteht eine einmalige Optik», freut sich Rektor Zübli. In der Mitte der Halle werden zudem Fragmente einer alten Kellertreppe stehen. Ein neues Treppenhaus entsteht. Im oberen Stock befinden sich die zwölf Schulzimmer, deren Raumhöhe ebenfalls über der Norm liegt. Sie verfügen über eine Glaswand, die mittels Vorhängen verdeckt werden kann. «Die Details werden wir aber noch mit den Lehrpersonen klären, welche in diesen Zimmern unterrichten», erklärt Zübli, der 2016 Rektor wurde. Als solcher war er bei der Planung in der Baukommission involviert. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen der Kanti Wettingen seien über das Projekt informiert worden. Nun wurde eine Arbeitsgruppe Bau mit Lehrpersonen und Angestellten der Kantonsschule gebildet. Der Baubeginn ist auf das dritte Quartal 2022 geplant. Der Schulbetrieb soll auf Beginn des Schuljahres 2024/25 erfolgen.

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