«Hallo, es gibt mich!»

Nun haben die Kinos wieder geöffnet. Der nun auf Deutsch synchronisierte Film «Binti» lockt vor allem Familien vor die grosse Leinwand.

Die 12-jährige Binti ist ein richtiges Powerpaket (Bild: zVg)

von
Feller, Elisabeth

28. April 2021
16:53

So schön wie in den letzten Tagen wird es diese Woche nicht sein. Also darf Kino sein, denn nun kann man nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf die grosse Leinwand blicken und die Gegenwart aller anderen Mitfiebernden im Saal spüren. Einem Kinobesuch mit Eltern und Geschwistern steht somit nichts im Weg, vor allem dann nicht, wenn ein Familienfilm wie «Binti» lockt. Das ist eine vor Energie und Phantasie nur so sprühende Zwölfjährige, die in ihrem täglichen Video-Blog tausend Follower bei Laune hält – ganz nach dem Motto «Hallo, es gibt mich!» Abenteuerlich und witzig präsentiert sich dieser Alltag, der in Wirklichkeit völlig anders aussieht. Binti lebt nämlich mit ihrem aus dem Kongo stammenden Vater Jovial (Baljo) in einem Wohnheim in Belgien. Illegal, denn Papiere haben die beiden nicht. Als die Polizei eines Tages eine Ausweiskontrolle durchführt, fliehen Binti und Jovial. Nur weg wollen sie, dabei wollen sie doch in Belgien bleiben, was sich bei Bintis Vater so anhört: «Wenn man keine Papiere hat, lebt man zwar, aber es gibt einen nicht.»


Hoffnung und Eifersucht

Werden Vater und Tochter erwischt, droht ihnen die Abschiebung in den Kongo. Wohin also? Beide verschlägt es in den Wald, wo Binti (Bebel Tshiani Baloji) auf den schüchternen Elias (Mo Bakker) trifft, der sich mit seinem Baumhaus ein Reich der Träume erbaut hat. Von hier aus will er die vom Aussterben bedrohten Okapis aus dem Kongo retten, aber er weiss nicht, wie er das bewerkstelligen soll. Da kommt Binti gerade zur richtigen Zeit. Als Elias’ geschiedene Mutter Christine (Joke Devynck) Binti und Jovial einlädt, bei ihr zu wohnen, scheint alles perfekt – wäre da nicht der eifersüchtige Nachbar Floris (Frank Dierens), der sich Hoffnungen auf Christine macht. Bloss das nicht, findet Binti, die Jovial und Christine unbedingt zusammenzubringen will. Denn nur bei einer Heirat würden sie und ihr Vater Papiere bekommen und in Belgien bleiben können.


Geschichte zum Fortspinnen

Doch wieder einmal läuft alles schief. Jovial und Binti werden von der Polizei geschnappt, ins Flugzeug verfrachtet, das sie zurück in den Kongo bringen soll. Aber dann … Nein, mehr über die letzte Szene wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Nur dies: Sie ist bittersüss und regt Jugendliche und Erwachsene an, im Familienkreis die von Frederike Migom inszenierte, auf Deutsch erzählte Geschichte fortzuspinnen. Themen dazu gibt es reichlich. Etwa Immigration. Oder: Wie leben Sans-Papiers? Wie ihre Kinder? Zumal solche, die wie Binti eine Glamourwelt im digitalen Raum vorgaukeln – und sich dazu Spezialeffekten bedienen. Regisseurin Migom zeigt, wie das – mittels Kameraführung und Montage – funktioniert. Die Glamourwelt wird so entzaubert, was Betrachter fragen lässt: Was ist Realität, was Fiktion? Die Grenze ist fliessend, und das unterstreicht der Film noch, indem er Bintis Geschichte teilweise auch durch ihren eigenen Blog erzählen lässt. Das ist ebenso spannend wie anregend; wirkt, obgleich viele schwierige Themen ansprechend, leichtfüssig und vergnüglich. Kurzum: «Binti» ist ein toller Familienfilm mit umwerfenden Darstellerinnen und Darstellern.
 

Der Film «Binti» läuft aktuell im Trafo in Baden und im Odeon in Brugg.

 

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