Harz, Schweiss und Perskindol

Er ist Rechtsanwalt, Vater von vier Kindern und Präsident des Handballclubs «Städtli Baden»: Christoph «Stöfi» Blöchlinger.

«Ich habe viel Schönes und Prägendes erlebt»: Christoph Blöchlinger, Präsident des «Städtli Baden». (Bild: zVg | Franco Bassani)

13. Oktober 2021
19:04

Die Aue in Baden: Eine Sporthalle, direkt im Limmatknie, mit Leichtathletikbahn. Die Aue ist keine gewöhnliche Sporthalle. 1925 erbaut, steht sie unter Denkmalschutz. Sie ist das Zuhause des Handballclubs «Städtli Baden» (STV Baden Handball). Dessen Präsident heisst Christoph Blöchlinger. Zufrieden sitzt er auf der Holztribüne und beobachtet Kinder, die Handball spielen. Lachend erzählt er, wie zu seinen Juniorenzeiten die Halle überfüllt gewesen sei. Die Zuschauer hätten «geschlotet» während der Spiele. Der Handballsport in der Sporthalle Aue hat Blöchlinger in seiner Jugendzeit viel gegeben: «Ich habe viel Schönes und Prägendes erlebt. Darum habe ich das Präsidium vor fünf Jahren angenommen, weil ich dem Verein auch etwas zurückgeben will. Und das probiere ich mit voller Leidenschaft», so Blöchlinger.

Die Sporthalle Aue in Baden ist anders als neue, moderne Sporthallen. Das viele Holz, die dunklen und überhohen Träger und die eher kleine, aber gemütliche Holztribüne machen die Halle einzigartig. «In der Aue riecht es nach Harz, Schweiss und Perskindol», lacht Blöchlinger, der in Baden aufgewachsen ist und heute in Ehrendingen wohnt. «Aber ich liebe diesen Ort.» Christoph Blöchlinger ist 42 Jahre alt. Schon während der Primarschule hat er mit Fussball und Handball angefangen. Rasch habe er sich fürs Handball entschieden, erzählt er. Der Verein «Städtli Baden» wurde zu seinem zweiten Zuhause. Warum wird der Verein noch heute liebevoll «Städtli Baden» genannt? «Seit mehr als 150 Jahren gibt es den Stadtturnverein. Handball war früher eine Riege dieses Vereins und bekam so diesen Kosenamen», erzählt er. Dieser Name drücke – seiner Ansicht nach – auch die enge Verbundenheit des Vereins mit Baden aus.


Vision 2022
Blöchlinger spielte intensiv und ambitioniert Handball. Er spielte bis in der ersten Liga und war zweimal bei Aufstiegsspielen in die Nati-B mit auf dem Platz. Heute hat der Verein eine Nati-B-Mannschaft mit semiprofessionellen Spielern, die tagsüber einem Job nachgehen. «Die Entschädigung im Handballsport ist meist zu klein, um davon leben zu können», so Blöchlinger. Macht es denn Sinn, drei starke Handball-Clubs (nebst HSC Suhr-Aarau und TV Endingen) im Aargau spielen zu lassen? «Wir werden sehen, wo uns die Reise hinführt. Wir werden genau spüren, wo ein grosser Teil unserer Mitglieder hinwill», sagt der Rechtanwalt diplomatisch. Noch laufe der Verein unter der Vision 2022 – einem Massnahmenplan, den man vor zehn Jahren erarbeitet hat. Das Credo damals lautete, bis 2022 DER Spitzenhandballclub der Region Baden zu sein.


Sanierung ist im Finanzplan
Klar sei der sportliche Erfolg eines Clubs wichtig, versichert Blöchlinger. Denn die Nati-B-Spieler trainieren mit sechs Einheiten pro Woche. Das sei ein riesiger Aufwand, da wolle man auch Erfolg. Aber auf den Handballclub «Städli Baden» kommen herausfordernde Zeiten zu: Die Sporthalle Aue ist in die Jahre gekommen. Sie braucht dringend eine Renovation. Der Grundriss wird nicht verändert. Aber die Garderoben, der Aufenthaltsbereich und die Küche brauchen dringend Unterhalt. Wann wird dies der Fall sein? Blöchlinger lässt alles offen. Der Stadtrat habe die Sanierung nun in den Finanzplan genommen. Für «Städli Baden» bedeutet das, dass sdie Spieler während mehrerer Monate nicht in der Halle trainieren und spielen können. «Es braucht ein Provisorium, sonst wird es sehr schwierig für uns.»

Und nun spürt man den Macher im Präsidenten. Blöchlinger kennt den politischen und sportlichen Ablauf. Er beschreibt sich als ehrgeizig, spontan und gesellig. Viele seiner heutigen Freunde stammen aus seiner Handballzeit. Und wenn er über Handball spricht, so gerät er ins Schwärmen: «Mich fasziniert die Kombination aus Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Ganz wichtig ist die Spielintelligenz. Wer die hat, gewinnt. Und das macht Handball so einzigartig.»

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