Haus, Museum oder Zentrum?

An der GV des Weinbaumuseums gab vor allem der ­Namenswechsel zu reden. Der offizielle Vorschlag kam nicht so gut an.

Der Vorstand des Weinbaumuseums von links: Daniel Hirt, Jurina Slavicek, Daniel Erne und Michelle Meier. (Bild: af)

08. September 2021
17:27

Von 68 Angemeldeten erschienen 52 Personen zur Generalversammlung des Aargauischen Kantonalen Weinbaumuseums in Tegerfelden. Dies tat aber der Lebhaftigkeit der Diskussionen keinen Abbruch. Zu reden gab vor allem die Bezeichnung des Museums. «Aargauisches kantonales Weinbaumuseum Tegerfelden» ist zu schwerfällig. Die Ortsbezeichnung im Namen sollte wegfallen, schliesslich sei man ein Museum mit Ausstrahlung im ganzen Kanton Aargau – oder sogar darüber hinaus. Soweit waren sich alle einig.

Der Vorschlag, der aus der Zu­sammenarbeit zwischen einem Kommunikations­büro und dem Vorstand entstanden war, lautete «Weinhaus Aargau» – mit dem Zusatz «Voller Genuss». Dieser Name kam bei den Mitgliedern allerdings weniger gut an. Bereits der erste Votant fand deutliche Worte. Weinhaus Aargau töne wie eine Weinabteilung in einem Discounter, sagte er. Es gehe hier schliesslich nicht darum, Weine zu verkaufen. Anderen fehlte wiederum das Museum im Namen, schliesslich sei es heute vor allem als Weinbaumuseum bekannt.


Höchstens 500 Eintritte pro Jahr

Ein Vorstandsmitglied erklärte aber, dass der Grossteil der Einnahmen heute durch Anlässe und nicht mehr durch Museumsbesuche erzielt wird. Das Museum zähle höchstens 500 Eintritte pro Jahr. Weitere Einwände waren rechtlicher Natur. Das Recht, sich Aargauisches Kantonales Weinbaumuseum nennen zu dürfen, musste man sich einst beim Kanton hart erkämpfen. Mit einer Neubennenung dieser Art könnte die Berechtigung, Hinweistafeln auf der Kantonsstrasse aufzustellen, wieder hinfällig werden.

Auch der Zusatzslogan «Voller Genuss» beschäftigte einige Anwesende. Werbung für alkoholische Getränke ist in der Schweiz stark reguliert. Ein solcher Slogan könnte als unzulässige Werbung taxiert werden und somit strafbar sein. Ein Mitglied kommentierte dies pointiert so: «Die Aargauer Polizei wird dann hier nie ein Treffen abhalten.» Eine häufig gestellte Frage war, warum nur von Wein und nicht von Weinkultur die Rede sei. Schliesslich wurde der Antrag zurückgewiesen und auf die nächste Generalversammlung vertagt. Dann sollen bereits in der Einladung Vorschläge aufgelistet sein, über die man sich im Vorfeld Gedanken machen kann.


Erzählfluss über mehrere Etagen

An der GV wurden zudem die Tarife angepasst. Der Eintrittspreis steigt von fünf auf acht Franken, ebenso werden Führungen und Degustationen teurer. Die Mitgliederbeiträge wurden ebenfalls erhöht. Künftig können auch Weingüter Mitglied werden.

Der Verein hat ein Legat erhalten, das zweckgebunden zur Erweiterung oder Sanierung des Museums genutzt werden muss. Ein Konzeptionsbüro für Ausstellungen präsentierte seine Erkenntnisse. Das Museum bietet zwar viel Platz, ist aber etwas unstrukturiert und eher statisch aufgebaut. Das soll sich ändern. Über alle Stockwerke soll ein Erzählfluss stattfinden, und die Exponate sollen sinnlicher, erzählerischer und erlebnisorientierter werden. Im obersten Stock sollen die Weinlandschaften, in der ersten Etage das Weinjahr und im Erdgeschoss die Arbeitsschritte zur Weinherstellung gezeigt werden. Im Gewölbekeller sind schliesslich die Abfüllung und Etikettierung das Thema. Dafür wird ein Betrag von 860'000 Franken  nötig, der im nächsten Jahr gestaffelt finanziert wird.

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

«Dem Aargauer Wein fehlt eine Lobby»

Die ­Weinernte hat begonnen. Weinakademiker ­Markus ­Utiger über den aktuellen… Weiterlesen

Zwei Freienwilerinnen wollen es wissen

Überraschung in Freienwil: Finanzexpertin Christa Ledergerber – Mitglied der… Weiterlesen

region

«Wir sind auf dem richtigen Weg»

Im Bildungsnetzwerk Aargau Ost sind die beiden Regionen Baden und Brugg vereint.… Weiterlesen

region

Frisches Wasser aus der Tiefe

Der traditionelle, durch Energie Wettingen AG organisierte Quellenrundgang war… Weiterlesen

region

Der Mensch ist Teil der Natur

Der ehemalige Revierförster Philipp Vock wurde unter anderem für den Aufbau… Weiterlesen