Heimspiel für den Flötisten

Dietrich Zöller ist auf der ganzen Welt aufgetreten. Aber als Solist noch nie in der Stadtkirche Brugg – zu Hause. Am 15. November ändert sich das. 

Dietrich Zöller ist beim Novemberkonzert des Orchestervereins Brugg der Solist (Bild: zVg)

05. November 2019
11:00

Classic? – Klassik!

Das Programm: Johann Sebastian Bach (1685–1750), Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll, BWV 1067; François Devienne (1759–1803), Flötenkonzert Nr. 7 in e-Moll; Franz Schubert (1797–1828), Sinfonie Nr. 5 in B-Dur, D 485. Vorverkauf unter www.orchesterverein-brugg.ch.

Der Flötist wohnt in der Hauptstrasse 37. Zur Stadtkirche sind es luftlinienmässig keine 100 Meter. «Auch mal schön so ein Heimspiel, so nah am Wohnort aufzutreten», findet er. Und dann ist es auch noch ein Konzert mit dem Orchesterverein, einem der traditionsreichsten Ensembles der Schweiz, in dem auch schon Zöllers Vater mitgespielt hat. 

 

«Lässige Sache»

Schon vor zwei bis drei Jahren, berichtet Zöller, sei die Idee entstanden, das Novemberkonzert gemeinsam zu bestreiten, der Profimusiker, Musikschulleiter und -lehrer zusammen mit dem Streichorchester, das Musiker in seinen Reihen hat, die im wahrsten Sinne des Wortes Amateure sind. Die Musik lieben, die bei Traditionsanlässen wie dem Novemberkonzert zeigen möchten, was in ihnen steckt, die versuchen, das Beste herauszuholen. In solchen Konstellationen kann auch Konfliktpotenzial liegen, wenn der Profi den Ton angeben will, bestimmen möchte, zu dominieren neigt. Aber zu dieser Sorte gehört Zöller nicht. «Mir geht es um die Musik, Arroganz und Personenkult lehne ich ab», sagt er. Nach zwei Proben mit dem Ensemble ist er begeistert und sich sicher: «Das wird am 15. eine lässige Sache.» Bis ist so weit ist, wolle man «noch weiter wachsen» und an «Leichtigkeit hinzugewinnen», sagt er. 

 

«Mutiger Schritt»

Zöller gefiel die Idee, beim Novemberkonzert nach Jahren der Ausflüge ins eher leichte Unterhaltungsfach, mit Filmmelodien und irischer Musik, wieder zur klassischen Musik zurückzukehren. Dem Flötisten sagte es zu, die Uhr etwa 25 Jahre zurückzustellen, in eine Zeit, als die Musiker des 18. Jahrhunderts noch öfters gespielt wurden. Die Vereinsleitung wurde zu diesem «mutigen Schritt», wie es in der Ankündigung heisst, aus den Reihen der Musiker selbst animiert. Viele hätten ein solch traditionelles Programm gerne wieder einmal spielen wollen, zurück zu den Wurzeln gestrebt, sich neu herausfordern wollen. 

 

Ordentliches Pensum

In gewisser Weise ist Dietrich Zöller auch ein traditioneller Musiker. Als Meister der Querflöte kann er auch Blues und Jazz, aber öffentlich auftreten wolle er in beiden Genres eher weniger. Da ist ihm die Klassik lieber, in der es «virtuos» zugehe, in der «etwas geboten» werde, bei deren Spiel er «beseelt» sei. Obwohl: Klassisch sei im Programm ja eigentlich nur François Devienne, ein französischer Flötist und Komponist, der von 1759 bis 1803 gelebt hat. Zöller: «Johann Sebastian Bach ist eher Barock, und Franz Schubert gehört mehr in die Romantik. Aber klassisch im Sinne von schön trifft sicher auf alle drei zu.»

Bach, Devienne und Schubert werden am 15. November in der Brugger Stadtkirche zu hören sein. In allen drei Programmteilen wirkt Zöller mit, als Flötist im Ensemble und bei Deviennes Flötenkonzert Nr. 7 in e-Moll auch als Solist. Er wird also am 15. November ein ordentliches Pensum zu absolvieren haben.

 

Adrenalin 

Dietrich Zöller ist Konservatoriumsbesucher, Preisträger und Meisterkurse-Absolvent. 1986, bei seinem Solisten-Début, hat er die Bach-Suite, die in Brugg gegeben wird, schon einmal in Zürich gespielt. Doch auch mit dieser Routine sind Lampenfieber und Nervosität vor jedem Auftritt noch immer da, auch vor dem in Brugg. Zöller findet das auch nicht belastend, im Gegenteil: «Das gibt mir das nötige Adrenalin. Das erst verschafft mir das Gefühl, dass es sich um einen magischen Moment handelt. Aber: «Nervös bin ich nur vor und nach dem Konzert, währenddessen wäre schlecht.»

Freitag, 15. November, 20 Uhr
Reformierte Stadtkirche, Brugg

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