Herr über die Energie

In den letzten Jahrzehnten erlebte Birmenstorf bedeutende technische Veränderungen. Andreas Brack war massgeblich daran beteiligt.

Roman Willi (rechts) tritt in Andreas Bracks Fussstapfen
Roman Willi (rechts) tritt in Andreas Bracks Fussstapfen (Bilder: pg)

29. Juli 2020
10:40

Während 32 Jahren hat Andreas Brack als Leiter Technische Betriebe der Gemeinde Birmenstorf dafür gesorgt, dass Wasser und Strom durch die Leitungen geflossen sind. Nun macht er zum Monatsende mit zwei Jahren Vorsprung auf das ordentliche Pensionsalter den Schritt in den Ruhestand. 

Am 1. Oktober 1988 trat der gelernte Elektriker und noch heute in Bözen wohnhafte Andreas Brack die Stelle in Birmenstorf an. Er hatte sich nach Abschluss der ABB-Technikerschule um den ausgeschriebenen Posten beworben. Zu jener Zeit war ­Gemeinderat Werner Zehnder, der in der Folge zum Präsidenten des Elek­trizitäts- und Wasserwerks gewählt wurde, sein Vorgesetzter. 

Die Auswirkungen des Orkans Lothar, welcher am 26. Dezember 1999 über die Schweiz fegte, hat sich im Gedächtnis von Andreas Brack eingebrannt. Die Tatsache, dass in Teilen der Gemeinde der Strom ausfiel, hat auch die Behörden zum Handeln bewogen, sodass man heute besser auf ein solches Ereignis vorbereitet ist. Über all die Jahre wurde auch in eine gute Infrastruktur investiert.

Hier war sein Reich: Andreas Brack in der Trafostation am Lindenweg
Hier war sein Reich: Andreas Brack in der Trafostation am Lindenweg

 

Alles muss «smart» sein

Die Versorgung der Gemeinde mit Trinkwasser bezeichnet Brack als eine der wichtigsten Aufgaben der Technischen Betriebe. Der Wasser­bedarf wird durch die Förderung aus dem Grundwasserpumpwerk Lindmühle, dem Quellwasserpumpwerk Brunnmatt und dem Wasserzukauf von Baden sichergestellt. Nicht ohne Stolz bemerkt Andreas Brack, dass die Strom- und Wasserversorgung die ISO-Zertifizierung erlangt hat. Die ganze Strombranche, so Brack, erlebe gewaltige Veränderungen: «Die während Jahrzehnten gut funk­tionierende Stromversorgung wird total umgekrempelt. Während wir uns früher hautsächlich den technischen Herausforderungen stellen mussten, sind es heute zunehmend auch politische Themen wie Digitalisierung, dezentrale Produktion, Energiespeicher, autarke Gebäude und Elektromobilität. 

Hinzu kommt, dass alles «smart» sein soll. Früher floss der Strom vom Kraftwerk zur Leitung. Mit der dezentralen Produktion durch die steigende Anzahl von Photovoltaik­anlagen ist alles anders geworden. Hinzu kommt, dass sich der Stromfluss ständig und sehr kurzfristig verändert, was zu neuen Anforderungen an das Verteilnetz führt.

Er ist überzeugt, dass politisch gefällte Entscheide zu immer mehr Paragraphen führen und auch ständig geändert werden, weil diese nicht fertiggedacht wurden oder nicht umgesetzt werden können. Eine allfällige Marktöffnung bringt weder günstigere Preise noch eine höhere Versorgungssicherheit, sondern einzig mehr Bürokratie. 

 

Keine Weltreise, aber Garten­arbeit

Bracks Zukunftspläne muten bescheiden an. Er habe weder eine Weltreise noch eine Wanderung ans Nordkap geplant. Sein Augenmerk legt er künftig auf den Unterhalt des Eigenheims und die Gartenpflege. 

Wenn man auf über 40 Jahre Tätigkeit zurückblickt, neigt man zur Aussage, früher sei alles besser gewesen. Auf jeden Fall sei es immer spannend und befriedigend gewesen, die Verantwortung für die wichtigsten Dienstleistungen zu tragen und dabei von motivierten und kompetenten Mitarbeitenden in der Gemeinde unterstützt zu werden: «Ihnen gilt mein Dank für die tolle Zusammenarbeit.» 

Voll des Lobes ist Brack aber auch für die Arbeitgeberin, durfte er doch in einem intakten Arbeitsumfeld seitens der Behörden und der Bevölkerung Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Seinem Nachfolger, Roman Willi, den er bereits eingearbeitet hat, wünscht er viel Freude mit den grossen und wechselnden Herausforderungen. 

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