Er öffnet in Togo Augen

Der Badener Augenarzt Armin Junghardt bewahrt mit seinem Hilfsprojekt «ToGo opening eyes« in Togo Menschen vor der Erblindung.

OP gelungen! Armin Junghardt (2. von rechts) und sein Team in Togo. (Bild: zVg)

27. Juli 2022
15:30

Die AugenarztpraxisPlus an der Rütistrasse 6 in Baden hat die Grösse eines Kleinspitals. Dies ist das Reich von Chefarzt Armin Junghardt und vier weiteren Ärzten, die hier mit modernsten Verfahren okulare Probleme ihrer Patientinnen und Patienten beheben. Dazu gehören Grauer und Grüner Star, Schielen, Lasereingriffe und Brillenkorrekturen und vieles mehr. «Meine Eltern wollten zwar, dass ich eine Banklehre mache», sagt der 61-jährige Wettinger und lacht. Doch er setzte sich durch und studierte Medizin. Augenarzt stand damals allerdings erst am Ende seiner Wahl. Aber sie erwies sich als richtig: Heute, als Vater von drei erwachsenen Kindern und ETH-Studierenden, blickt Junghardt auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Obwohl er die Leitfigur ist, pflegt er zu seinem ganzen Team eine Beziehung auf Augenhöhe. Das zu erwähnen, ist ihm wichtig. Junghardt engagierte sich bereits humanitär in Indien und Mexiko, bevor er Oberarzt wurde.


Grauer Star ist häufig in Togo
Die am häufigsten behandelte Augenkrankheit ist der Graue Star, der mit dem Alter eintritt. Die Augenlinse trübt sich, wodurch das Sehvermögen nachlässt. Hierzulande ist eine Operation zur Behebung dieser Linsen­trübung ein Routineeingriff. Nicht so in anderen Ländern mit geringer medizinischer Versorgung, wo die Krankheit oftmals zur Erblindung führt und nicht nur im hohen Alter eintritt, sondern bereits ab der Geburt. Aus­gelöst wird sie durch mangelnde Ernährung und eine zu hohe Sonneneinstrahlung. Aber auch durch Ohrfeigen, die Verletzungen an den Augen verursachen.

Unbehandelt führt der Graue Star oftmals zur Erblindung. So auch im westafrikanischen Togo. Flächen­mässig ein langgezogenes Rechteck, so gross wie die Schweiz, am Golf von Guinea. Junghardt lernte dieses Land durch eine ehemalige Patientin und einen ehemaligen Patienten kennen. Sie vermittelten ihm den togolesischen Priester Père Théo, der schliesslich in seiner Praxis beidseitig am Grauen Star operiert wurde. So erfuhr Junghardt von den Missständen in Togo. 2013 reiste er dorthin und fand prekäre Umstände vor. «Rund 25 000 Leute leiden dort an einem unbehandelten Grauen Star.»

Für ihn war klar: Hier muss etwas getan werden. Denn Erblindung führt dazu, dass Kinder dem Schulunterricht nicht mehr folgen und Erwachsene keiner Arbeit mehr nachgehen können. 2014 fing Junghardt mit einem Team an, im Spital des togolesischen Städtchens Vogan erste Patientinnen und Patienten zu behandeln. Im selben Jahr gründete er aufgrund der Notlage vor Ort die Stiftung «ToGo opening eyes» mit demselben Sitz wie die AugenarztpraxisPlus Baden.

Waren zu Beginn noch Schweizer Mediziner im Einsatz, die in Ghana tätig waren, wurden mit der Zeit auch inländische Fachkräfte ausgebildet. Trotz des bisherigen Engagements können nur ein paar Hundert vor dem Erblinden gerettet werden. Mit einem einfachen Eingriff könnten die Betroffenen davor bewahrt werden.
 

Augenarzt Armin Junghardt in seiner modernen Badener Praxis. (Bild: ub)


Nachhaltig helfen
Zweimal pro Jahr schickt die Stiftung Container mit dringend benötigten Apparaten und Materialien nach Togo. Selber reist Junghardt jedes Jahr zwei Wochen in das westafrikanische Land, um vor Ort Menschen zu behandeln. Am 23. Juli ist er mit seinem Team wieder nach Togo gereist. Die Rückkehr ist auf den 6. August geplant. In Ghana findet Junghardt eine andere Welt vor: «Die Menschen können sich einen Arztbesuch nicht leisten. Ihre vom Grauen Star betroffenen Linsen sind so hart wie Kieselsteine. Wenn Abschleifen nicht möglich ist, nehmen wir sie ganz raus und ersetzen sie durch künstliche», erklärt er. Zudem bildet der Badener junge Ärzte in einer Technik aus, die es in der Schweiz wegen der hohen Standards praktisch nicht mehr gibt.

Dank einer sehr grosszügigen Einzelspende kann nun eine komplett neue Augenklinik in Togo realisiert werden. Das Projekt, in welches die ETH mit einer speziellen Mischung aus klimaschonendem Erdbeton (Clean-Crete) involviert ist, wird hoffentlich Geschichte schreiben. Denn Junghardt und seine Stiftung wollen nachhaltig helfen: mittels Ausbildung von einheimischen Fachkräften vor Ort, aber auch durch eine umweltfreundliche Bauweise mit Vorbildcharakter. So ganz einfach ist das allerdings nicht. «Die Bürokratie ist enorm», sagt Junghardt. Er ist ein Kämpfer. 347 000 Backsteine braucht es für den neuen Komplex in Afrika. «Meine Idee wäre, dass man für den Bau pro Backstein einen Franken spenden könnte.»

In der Augenabteilung im Spital von Vogan, in der Junghardt und seine Crew momentan arbeiten, regnete es zu Beginn noch durch das Dach. Damit dies in der neuen Klinik nicht mehr passieren kann, hat OP-Schwester und Mitarbeiterin Nicole Wiederkehr bereits einen zweiten Zweig in der Stiftung aufgebaut – «Niggi hilft Togo». Das Projekt hat definitiv Zukunft.


Mehr Infos unter stiftung-togo.ch und niggi-hilft-togo.ch

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