Historischer Verkehrsweg neu aufbereitet

Seit Februar wird die historische Verbindung von Schinznach ins Fricktal ausgerodet, in die ursprüngliche Breite gebracht und die wertvollen Trockensteinmauern restauriert. Ein spannendes Stück Lokalgeschichte.

Blick auf Landschaft und Weg
Blick auf Landschaft und Weg (Bilder: hl)

von
Hans Lenzi

13. Mai 2019
14:50

Gegen fünfzig Interessierte folgten während gut anderthalb Stunden aufmerksam den Ausführungen des Landschaftsarchitekten Felix Naef und der Jurapark-Geschäftsleiterin Christine Neff. Viel Anregendes war zu erfahren.

  

Studentische Anregung

Jonas Stotzer von der Hochschule Rapperswil widmete seine Bachelorarbeit dem Gebiet. Unter dem Titel «Aufwertung des historischen Verkehrsweges zwischen Schinznach-Dorf und Chalm» erarbeitete er ein Konzept zur nachhaltigen Sicherung der alten Trockenmauer-Bausubstanz. Die traditionelle Kulturlandschaft und die regionaltypischen Lebensräume sollten wieder nachvollzogen und spürbar werden. Unter der Leitung von Felix Naef ist man seit rund einem Vierteljahr dabei, die definierte Landschaft auszuholzen, ihr wieder das Aussehen einer dort früher mal existenten Waldweide zu vermitteln und insbesondere die rund 170-jährigen Steinmauern – sie sollten damals vorab das Eindringen von Nutztieren in die benachbarten Rebfelder verhindern – instand zu stellen. Am Schluss erwartet die Bevölkerung ein alt-neuer Rundweg von gegen vier Kilometer mit hohem Erlebniswert. Dazu gehören Hohlwegabschnitte, die damals durch den regelmässig passierten Viehtrieb entstanden sind. «Und auf der Köhlerweid gedenken wir, sofern alles klappt, eine Köhlerei einzurichten», weiss der Fachmann.

  • Eine erste Einfürhung zum Rundgang
    Eine erste Einfürhung zum Rundgang
  • Christine Neff und Felix Naef
    Christine Neff und Felix Naef
  • Um diesen Weg gehts, oben Teile der freigelegten Trockensteinmauern
    Um diesen Weg gehts, oben Teile der freigelegten Trockensteinmauern
  • Felix Naef erklärt die Arbeiten am Beispiel
    Felix Naef erklärt die Arbeiten am Beispiel

Gewinn für Flora und Fauna

Mittels Schaubilder zeigt Naef, wie sich die Hänge im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts wegen der Reblaus innert kurzer Zeit veränderten: Der Weinanbau brach ein, die Landschaft wurde von der Natur zurückerobert. Manche Trockensteinmauer überwucherte und geriet in Vergessenheit. «Rebbau ist hier heute nicht mehr erwünscht, da es sich um Quellgebiet handelt. Das Wasser wird von vielen Schinznachern geschätzt, regelmässig füllen sie beim nahen Brunnen damit ihre Flaschen», erklärt der Wahloberflachser. «Die Mauern sind übrigens als Signaturen schon auf der Siegfriedkarte des vorigen Jahrhunderts auszumachen.» Bereits wären Interessenten vorhanden, welche ihr Vieh gerne wieder im Wald weiden liessen; inwieweit das Realität wird, ist offen. So oder so: Mit der in die Wege geleiteten Aufwertung des Gebiets entstehen wertvolle, biodiverse Lebensräume. Charakterarten wie Zauneidechse, Zaunammer, Gelbringfalter, Schlingnatter (ungefährlich für Menschen; beim Anfassen sondern sie aber in stark stinkendes Sekret ab) und der Pflaumenzipfelfalter fühlen sich, zusammen mit Wildrosen und Weinbergtulpen, wohl.  

 

Totholzhaufen und Lesesteinhaufen

Die vom Ausholzen übrig gebliebenen Totholzhaufen werden bewusst liegen gelassen. Naef: «Solches Material gibts in heutigen Wäldern viel zu wenig und wird von den Tiere gerne angenommen. Innert Kürze fallen sie in sich zusammen. Achten Sie zudem auf die Lesesteinhaufen hier und dort. Unsere Altvorderen legten sie in jahrzehntelangem Fleiss an, indem sie die Äcker von Steinen befreiten. Es gibt solche von bis zu sieben Metern Länge und drei Metern Dicke. Der Aussichtspunkt (Nähe Halde) liegt zum Beispiel auf einem solchen.»

Momentan sind Spezialisten für Trockensteinmauerbau zusammen mit Zivildienstlern daran, das wertvolle Kulturgut erneut in Form zu bringen. Verwendet wird Stein aus Magglingen und natürlich das noch vorhandene Material. Aus finanziellen Gründen lohnt es nicht, die örtlich gelegenen Steinbrüche zu reaktivieren. Reich an viel neuen Informationen wandert die Gruppe zurück ins Dorf, wo sie sich, gesponsert vom Jurapark, in der neu eröffneten Küferei mit einer schmackhaften Suppe, gutem «Züpfe» und mundendem Wein weiter austauscht.

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