Holz als neue Wärmequelle

Bis 2030 sind die Blocks des Kernkraftwerks Beznau am Netz und liefern der Refuna Abwärme für ihr Fernwärmenetz. Was ist danach?

Verschiedene Gemeindevertreterinnen und -vertreter sind im nächsten Jahr nicht mehr im Amt und nahmen Abschied von ihrem Refuna-Mandat. So Marlène Koller, Frau Gemeindeammann von Untersiggenthal. (Bild: bkr)

01. September 2021
22:15

Seit 1976 versorgt die Refuna AG Kundinnen und Kunden – aktuell 2665 Anschlüsse in elf Gemeinden des Unteren Aaretals – mit Fernwärme. Genutzt wird ein Teil der Abwärme aus den Kernkraftwerkblocks Beznau I und Beznau II. Dabei wird Dampf aus den Turbinenkreisläufen entnommen und über einen Wärmetauscher der Refuna zur Verfügung gestellt. Ab 2030 dürfte damit Schluss ein, weil die beiden Werke altersbedingt und politisch gewollt vom Netz gehen werden.

Welcher Ofen soll künftig für warme Wohnungen und heisses Wasser ab Hahnen sorgen? Erdwärme – Geothermie – wurde geprüft und, weil zu wenig ergiebig, verworfen. Bereits 2017 lancierte die Refuna ihr neues Produkt «Refuna Holz». Analog zu Solarstromangeboten einiger Elektrizitätsversorger kann man schon heute Wärme aus Holz beziehen und bezahlen. Produziert wird diese in einem Heizwerk an der Badstrasse in Döttingen und ist ein erster Schritt der Refuna auf dem Weg in die Unabhängigkeit vom Kernkraftwerk Beznau.

An der diesjährigen Generalversammlung der Aktiengesellschaft wurde aufgezeigt, wie der Umstieg auf Holz weiter vorangetrieben wird. In Planung ist ein Holzheizwerk auf dem Döttinger Areal Gänter, wo die Axpo einst Gasturbinenkraftwerk betrieb. Laut Thomas Erzinger, dem Leiter des Projekts, hat das Konsortium aus Axpo und Refuna das Vorhaben bereits so weit vorangetrieben, dass eine sogenannte Bestvariante vorliegt. Darin wird in Erwägung gezogen, dass die Anlage auch Strom produzieren soll. Ein definitiver Entscheid ist jedoch noch nicht gefallen – es ist derzeit noch nicht sicher, ob es für den Stromteil Förderbeiträge des Bundesgeben wird.


Holzschnitzel und Restholz

Als Brennstoff würden vierzig Prozent Holzschnitzel aus den Wäldern der Region eingesetzt. Die übrigen sechzig Prozent sind Restholz aus Industrie und Gewerbe. Die benötigte Menge? Unter der Voraussetzung, dass die Anlage im Sommer Standby ist und die in dieser Zeit nötige Wärme von der Kehrichtverbrennungsanlage Turgi bezogen wird, geht es um rund 77 000 Tonnen pro Jahr. Die Planer rechnen auf Basis dieser Zahl mit durchschnittlich 20 Lastwagenfahrten pro Tag – an einem kalten Wintertag mit Spitzen von bis zu 45. In den nächsten Schritten geht es nun um eine nötige Anpassung des kantonalen Richtplans, eine Umweltverträglichkeitsprüfung und schliesslich um ein bewilligungsfähiges Bauprojekt.

Am statutarischen Teil der Generalversammlung waren Stimmberechtigte für 96 Prozent des Aktienkapitals anwesend. Verwaltungsratspräsident Kurt Müller konnte für 2020 eine Rechnung präsentieren, die mit einem Gewinn von 3,34 Millionen Franken abschloss. Mit diesem Geld kann das Kapital für den Aufbau künftiger Wärmequellen weiter aufgestockt werden. Ausserdem hat die Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von fünf Prozent beschlossen.

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