«Ich betrachte die Natur»

Suzue Rother-Nakaya aus Gebenstorf unterrichtet Ikebana. In der Eleganz und Schönheit dieser Kunst finden viele Menschen innere Ruhe.

Suzue Rother-Nakaya zeigt in ihrem Garten, welche Zweige sich für ein Blumengesteck eignen
Suzue Rother-Nakaya zeigt in ihrem Garten, welche Zweige sich für ein Blumengesteck eignen (Bilder: cl)

von
Claudia Marek

10. Juli 2019
09:00

Zahlreiche Blumengestecke schmücken das Heim von Suzue Rother-Nakaya, die sie für den Besuch vorbereitet hat. «Es kommt alles aus dem Garten», sagt die zierliche Japanerin. Dabei ist der Garten nicht sehr gross, doch Suzue Rother-Nakaya findet immer etwas. «Ich betrachte die Natur», sagt sie. Doch nicht nur im Garten findet sie die Schätze, auch im Wald, auf Wiesen oder an Wegesrändern. Auffallend viele Hortensien hat sie in ihren Arrangements mit anderen Pflanzen kombiniert. «Meine Lieblingsblume», schwärmt sie, «Hortensien sehen immer frisch aus und nach dem Regen sogar noch eine Spur frischer.» Obwohl Suzue Rother-Nakaya viel Zeit und Energie für ein Werk aufwendet, hat es nur eine Lebensdauer von einigen Tagen. Der Drang, etwas Schönes zu schaffen, ist der Beweggrund des Ikebana-Künstlers – und sei dies nur für einen Augenblick, denn im Ikebana sind Schönheit und Vergänglichkeit Zwillingsschwestern.

 

Zwischen Himmel und Erde

Für die Blumengestecke benutzt Suzue Rother-Nakaya verschiedene Gefässe. Für ein Arrangement hat sie eine tellergrosse Schale genommen, die sie mit Wasser gefüllt hat. In der Mitte hat sie eine Handvoll Pflanzen arrangiert. Zwei grosse Blätter einer Bergenie, kleine Hortensien mit kurzen Stilen, ein paar Gräser und hoch in die Luft ein paar Prachtkerzen, die sich sanft im Wasser spiegeln. «Man muss den Pflanzen Raum geben», erklärt Suzue Rother-Nakaya. Ausserdem vermittle das Wasser ein Gefühl von Ruhe und Erfrischung, ähnlich wie wenn man an einen Fluss gehe und wieder frisch durchatmen könne. Obwohl die Blumengestecke eine Leichtigkeit vermitteln, unterliegen sie einer klaren Ordnung. Die meisten Ikebana-Formen basieren auf den Hauptelementen, Shin, Soe, Tai, die Himmel, Mensch und Erde symbolisieren. Die Kunst des Ikebana wendet man heute vorwiegend dafür an, um Gäste zu begrüssen. Früher dienten sie als Opfergaben in den Tempeln.

 

Die Frühlingsbotin

Sieben verschiedene Formen von klassisch bis modern unterrichtet Suzue Rother-Nakaya in der ganzen Deutschschweiz, seit vielen Jahren auch im Tessin und bei sich zu Hause. Schon früh kam sie mit der japanischen Blumenkunst in Berührung. Sie wurde in der Nähe von Hiroshima geboren. Bereits mit sechs Jahren erhielt sie ihren ersten Unterricht in der Kunst des Blumenstellens und der Teezeremonie beim Ikebana- und Teemeister Sadamasa, der sie schon früh zu Seminaren an die Ikenobo-Akademie in Kyoto mitnahm. «Ich habe Ikebana bereits bei meiner Mutter und Grossmutter bewundern können und wollte diese Kunst unbedingt auch selbst erlernen», berichtet sie und erzählt weiter: «Wir wohnten auf dem Land, und ich bin nach der Schule jeweils mit dem Velo in den Wald gefahren, sammelte Blumen, Zweige, Gräser und radelte mit einem gefüllten Korb, den ich auf dem Rücken trug, wieder nach Hause.»  Nach einem Lehrerstudium an der Universität Hiroshima setzte sie ihre Ausbildung an der Ikenobo-Akademie in Kyoto fort. Dort erlangte sie den 18. Grad eines Sokatoku (die höchste Auszeichnung). Sie ist Senior-Professorin und erhielt schon im Alter von zwölf Jahren den Künstlernamen «Shunzuen»: Frühlingsbotin.

 

Den Alltag vergessen

In der Schweiz erfreue sich die japanische Blumenkunst grosser Beliebtheit, erzählt Suzue Rother-Nakaya. «Im Ikebana finden die Menschen innere Ruhe gegenüber dem hektischen Alltag», führt sie aus. Man konzentriere sich auf eine Sache. Und man lerne die Natur zu betrachten. Doch so schlicht manches Gesteck aussieht, so einfach ist es nicht. «Es ist wie beim Bildermalen», erklärt sie. Man muss sich Zeit nehmen. Und man wisse nie so genau, wann das Werk fertig ist. Soll man noch etwas hinzufügen oder wegnehmen? «Man lernt nie aus», sagt Suzue Rother-Nakaya und lacht. Um sich weiterzubilden, reist sie regelmässig nach Kyoto.

Seit 49 Jahren unterrichtet Suzue Rother-Nakaya in der Schweiz die japanische Blumenkunst, mittlerweile leitet sie die «Ikenobo Ikebana Schule Schweiz», die offizielle Schweizer Niederlassung der ältesten Ikebana-Schule. 1999 wurde sie zur Gründungspräsidentin des «Ikenobo Swiss Central Chapter» ernannt, und sie sie führt das Chapter bis heute als gewählte Präsidentin. Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums gestalteten die Meisterschülerinnen und -schüler sowie Diplomanden von Shunzuen Rother-Nakaya im Mai in Brissago eine Ausstellung, die einen Querschnitt durch die Jahrhunderte und Stile der Ikenobo-Schule darstellten. In ihren Kursen unterrichtet die Gebenstorferin Anfängerinnen wie Fortgeschrittene.

 

Die Frühlingsbotin

Sieben verschiedene Formen von klassisch bis modern unterrichtet Suzue Rother-Nakaya in der ganzen Deutschschweiz, seit vielen Jahren auch im Tessin und bei sich zu Hause. Schon früh kam sie mit der japanischen Blumenkunst in Berührung. Sie wurde in der Nähe von Hiroshima geboren. Bereits mit sechs Jahren erhielt sie ihren ersten Unterricht in der Kunst des Blumenstellens und der Teezeremonie beim Ikebana- und Teemeister Sadamasa, der sie schon früh zu Seminaren an die Ikenobo-Akademie in Kyoto mitnahm. «Ich habe Ikebana bereits bei meiner Mutter und Grossmutter bewundern können und wollte diese Kunst unbedingt auch selbst erlernen», berichtet sie und erzählt weiter: «Wir wohnten auf dem Land, und ich bin nach der Schule jeweils mit dem Velo in den Wald gefahren, sammelte Blumen, Zweige, Gräser und radelte mit einem gefüllten Korb, den ich auf dem Rücken trug, wieder nach Hause.»  Nach einem Lehrerstudium an der Universität Hiroshima setzte sie ihre Ausbildung an der Ikenobo-Akademie in Kyoto fort. Dort erlangte sie den 18. Grad eines Sokatoku (die höchste Auszeichnung). Sie ist Senior-Professorin und erhielt schon im Alter von zwölf Jahren den Künstlernamen «Shunzuen»: Frühlingsbotin.

 

Den Alltag vergessen

In der Schweiz erfreue sich die japanische Blumenkunst grosser Beliebtheit, erzählt Suzue Rother-Nakaya. «Im Ikebana finden die Menschen innere Ruhe gegenüber dem hektischen Alltag», führt sie aus. Man konzentriere sich auf eine Sache. Und man lerne die Natur zu betrachten. Doch so schlicht manches Gesteck aussieht, so einfach ist es nicht. «Es ist wie beim Bildermalen», erklärt sie. Man muss sich Zeit nehmen. Und man wisse nie so genau, wann das Werk fertig ist. Soll man noch etwas hinzufügen oder wegnehmen? «Man lernt nie aus», sagt Suzue Rother-Nakaya und lacht. Um sich weiterzubilden reist sie regelmässig nach Kyoto.

Seit 49 Jahren unterrichtet Suzue Rother-Nakaya in der Schweiz die japanische Blumenkunst, mittlerweile leitet sie die «Ikenobo Ikebana Schule Schweiz», die offizielle Schweizer Niederlassung der ältesten Ikebana-Schule. 1999 wurde sie zur Gründungspräsidentin des «Ikenobo Swiss Central Chapter» ernannt, und sie sie führt das Chapter bis heute als gewählte Präsidentin. Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums gestalteten die Meisterschülerinnen und -schüler sowie Diplomanden von Shunzuen Rother-Nakaya im Mai in Brissago eine Ausstellung, die einen Querschnitt durch die Jahrhunderte und Stile der Ikenobo-Schule darstellten. In ihren Kursen unterrichtet Suzue Rother-Naa Anfängerinnen wie Fortgeschrittene.

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