«Ich bin ein guter Zuhörer»

Seine Wurzeln spürt Adrian Hitz täglich in seiner Arbeit für die Gemeinde. Als ­Ammann will der Ortsbürger aber für alle offen sein.

Adrian Hitz bei der Feuerstelle im Säntebuck – ein Ort, mit dem er seit der Kindheit eng verbunden ist. (Bild: is)

19. Januar 2022
15:17

Am Waldrand im Säntebuck geht die Sonne schon bald unter. Das Dorf Untersiggen­thal wird von warmem Licht beschienen, während im Wasserschloss Nebelschwaden eine mystische Stimmung verbreiten. Adrian Hitz ist gern hier am Siggenberg, wo er als Kind schon viel Zeit verbracht hat. Etwas unterhalb hat seine Familie Land bewirtschaftet. «Wir waren auch oft im Wald, um zu holzen», erinnert sich der 56-Jährige, der als jüngstes mit acht Geschwistern aufwuchs. Holz war für die Bauernfamilie ein essenzielles Gut: «Damit haben wir geheizt. Und unser Mueti hat jeden Freitag Brot gebacken.»

Heute lebt Hitz mit seiner Frau Doris und den beiden erwachsenen Kindern im Elternhaus an der Dorfstrasse – in siebter Generation. Seine Wurzeln haben ihn geprägt: «Ich spüre ein starkes Heimatgefühl.» Dieses bewegte den Ortsbürger auch, sich für die Gemeinde zu engagieren. Der Betriebsökonom war seit dem Jahr 2000 in der Finanzkommission als deren Präsident und seit März 2009 im Gemeinderat.


Sattelfest in Gemeindefinanzen
Seine Erfahrung mit den Gemeindefinanzen kommen ihm als neuer ­Gemeindeammann natürlich zugute. «Ich kenne und begleite sie seit zwanzig Jahren, da bin ich sattelfelst», erklärt er. Und fügt nicht ohne Stolz an: «Unsere Finanz-, Immobilien- und Investitionspolitik der letzten Jahre lässt es zu, dass wir jetzt 45 Millionen Franken in die Renovation der Schulhäuser und die Überbauung Zentrum investieren können – ohne den Steuerfuss verändern zu müssen!»

Er hat in Untersiggenthal die Strategie propagiert, Landreserven aufzubauen und grosse Bauprojekte über Baurechtszinsen zu finanzieren. Dieser Plan ist aufgegangen: Sobald die neue Überbauung am Kornfeldweg (hinter der neuen Mehrzweckhalle) sowie in einer weiteren geplanten Überbauung an der Kantonsstrasse Im Bungert fertiggestellt sind, wird Untersiggen­thal jährlich insgesamt über eine Million Franken an Baurechtszinsen einnehmen – und dies über Jahrzehnte.

Gemeindeammann zu werden, sei aber nie sein Ziel gewesen, beteuert Adrian Hitz. Als aber Marlène Koller und Vizeammann Ueli Eberle im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen ihren Rückzug per Ende 2021 angekündigten, traf er sich mehrmals mit seinen Ratskollegen Christian Gamma und Norbert Stichert, um eine Auslegeordnung zu machen.


Kündigung beim Bauernverband
Denn der Entscheid, als Ammann zu kandidieren, hat auch berufliche Auswirkungen: Hitz musste nach erfolgreicher Wahl seinen Posten als Leiter Geschäftsbereich Verwaltung und Liegenschaften beim Schweizerischen Bauernverband in Brugg kündigen. Das Pensum als Gemeindeammann schätzt er auf rund 50 Prozent. Er hat deshalb ein Mandat als Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Bau- und Architekturbüros (LBA) in Brugg behalten.

Am 3. Januar übernahm er offiziell das Büro des Gemeindeammanns im Gemeindehaus. Dort will er möglichst oft präsent sein und den Kontakt zum Verwaltungsteam pflegen – «für mich ist das ein KMU mit knapp 70 Angestellten!» Das Personal sei aktuell sehr gut ausgelastet, übernehme aber immer mehr Aufgaben, «und dies bei gleich vielen Leuten wie vor fünf Jahren». Zudem stehen in der kommenden Legislatur gewichtige Abgänge in Schüsselpositionen an: Pius Murmann, der Leiter der Abteilung Bau und Planung, geht dieses Frühjahr in Pension, dessen Stellvertreter Urs Zumsteg 2024, Förster Daniel Hitz im 2023, «und richtig Respekt habe ich vor 2025, wenn unser Verwaltungsleiter Stephan Abegg in Rente gehen wird», sagt Adrian Hitz.


Ein neues Team im Gemeinderat
Aber auch die neue Zusammensetzung im Gemeinderat ist eine Herausforderung. Mit Kim Schweri und Pirmin Umbricht sind zwei «Neue» dazugestossen, die noch kaum bzw. gar keine Erfahrung in einer Gemeinde­exekutive mitbringen. «Mein oberstes Ziel ist es, ein Team aus dem neuen Gremium zu bilden», erklärt Hitz. Man habe im Gemeinderat in den letzten Jahren stets eine sehr gute Zusammenarbeit gepflegt und Sorge zum Umgang getragen, diskutiert bis zu einem Entscheid, «und danach ging nie etwas raus», lobt der neue Ammann – und geht davon aus, dass das so bleibt.

Arbeit wartet genug. Er hat die Aufgabe, das Planungsteam für das neue Zentrum aktiv zu führen, derzeit geht es weiter um die Vergabe von Aufträgen, danach um die Kosten- und Ausführungskontrolle. Parallel laufen bewilligte Investitionen in die kommunale Infrastruktur von rund 13 Millionen Franken – für Abwasser, Hochwasserschutz und den Bau eines neue Reservoirs. Drei Gestaltungspläne sind in Arbeit. Als Baufachmann bewegt er sich sicher auf diesem Terrain.

Auch das Verkehrsthema Oase, welches die ganze Region betrifft, sei sehr sensibel. Und als Ortsbürger liegt ihm natürlich auch das Ortsmuseum am Herzen – ein «wunderbarer Begegnungsort!». Adrian Hitz möchte den Kontakt zu Schlüsselpersonen in allen Bereichen pflegen – und natürlich allem offen und ansprechbar für die ganze Bevölkerung sein: «Ich kann gut zuhören», verspricht der neue Ammann.

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