«Ich esse jeden Tag Schokolade»

Vor Corona flog sie von Turnier zu Turnier. Im Lockdown genoss Tennisprofi ­Stefanie Vögele aus Endingen die Zeit mit der Familie – inklusiv Abstecher in die Backstube.

Stefanie Vögele bestreicht die Zurzibiet-Torte mit Nougatmasse – im Hintergrund ist sie als Tennisprofi zu sehen (Bild: is)

20. Mai 2020
09:00

Sorgfältig streicht Stefanie Vögele mit dem Spachtel die luftige Praliné-Creme an den Rand der Torte, die sie auf der linken Hand balanciert. «Man sieht, es ist nicht so einfach, aber Steffi macht das sehr gut», lobt Ruedi Alt, der aus sicherer Entfernung beobachtet, wie sich die Tennisspielerin in seiner Backstube in Endingen macht. Dann belegt Vögele den Rand mit Krokant und bestäubt den Deckel mit Puderzucker – fertig ist die Zurzi­bieter Torte! Die Profisportlerin aus Leuggern ist zufrieden mit ihrem Werk: «Wenn es in drei Monaten immer noch nicht weitergeht mit dem Tennis, komme ich zu dir in die Backstube», sagt sie lachend zu Ruedi Alt, um aber sogleich zu relativieren: «Eigentlich stehe ich ja nicht gerne früh auf.»

 

«Eine Nummer zu gross für uns»

Als Profisportlerin muss Stefanie Vögele zwar auf ihre Ernährung achten, aber süssen Verlockungen kann sie nicht widerstehen: Sie esse jeden Tag Schokolade, gibt die 30-Jährige unumwunden zu. Das macht sie zur perfekten Botschafterin für die neuste Kreation der Bäckerei-Konditorei Alt, die in Endingen und Ehrendingen drei Filialen mit Café betreibt. 

«Wir suchten schon lange jemanden als Patin für unsere Zurzibieter Torte, und diese Person sollte bekannt und sympathisch sein», erzählt Ruedi Alt: «Aber ich dachte, Steffi ist für uns eine Nummer zu gross.» Schliesslich zählt Vögele seit Jahren zu den 100 besten Tennisspielerinnen der Welt; 2013 war sie sogar die Nummer 42 der Frauen-Weltrangliste. Irgendwann habe er sich ein Herz gefasst und bei der Familie in Leuggern angerufen, so der Bäckermeister. Kurze Zeit später konnte der Sponsoring-Deal besiegelt werden. «Ich habe mich sehr über Ruedis Anruf gefreut», bekräftigt Vögele.

Seit Langem war geplant, dass die Botschafterin einmal selber in der Backstube in Endingen eine Zurzibieter Torte herstellt. Als Tennisprofi ist sie jedoch das ganze Jahr in der Welt unterwegs. «Corona sei Dank hat es nun geklappt», sagt Ruedi Alt. Vögele bereitete sich Anfang März gerade auf ihr erstes Qualifikations-Match in Indian Wells (USA) vor, als das WTA-Turnier am Vorabend abgesagt wurde. Sie habe nicht gewusst, wie es nach diesem abrupten Saisonende weitergehen soll, und sei möglichst schnell in die Schweiz zurückgeflogen, erzählt die Sportlerin. 

 

Seit 14 Jahren lebt Vögele aus dem Koffer

Fast zwei Monate lang musste sich Vögele mit Konditionstraining und Einheiten im Fitnesscenter Leuggern fit halten. Nun ist sie froh, dass wenigstens wieder Training erlaubt sei. Daneben genoss es die Weltenbummlerin, Zeit mit ihrer Familie in Leuggern zu verbringen, denn: «Mit 13 war ich das letzte Mal so lang zu Hause. Dann ging ich ins Tennis-Leistungszentrum nach Biel, mit 16 wurde ich Profi, und seither lebe ich aus dem Koffer.»

Zu Beginn des Lockdowns habe sie noch viel geputzt und ausgemistet oder Büroarbeiten erledigt, erinnert sich Vögele. Auch gekocht und gebacken hat die 30-Jährige. Die Reiserei vermisst sie nicht. «Aber ich merke, dass mir die Wettkämpfe fehlen. Die Vorbereitung, die Anspannung, die Gedanken über das eigene Spiel – das ist es ja, wofür wir täglich traineren.» Immerhin: Als Selbstständige konnte Stefanie Vögele auch finanzielle Unterstützung vom Kanton beantragen.

 

Mit einem hellblauen Auge ­davongekommen

Die Corona-Krise hat auch Beck Alt mit elf Angestellten und fünf Lernenden zu spüren bekommen. «Wir verzeichneten schon im Januar einen Einbruch. Letztes Jahr haben wir rund 1000 Torten verkauft, 2020 sind es bisher 150», erklärt der Firmeninhaber. Die Cafés musste er vorübergehend schliesen. Immerhin war ein Anstieg bei Brot und Patisserie zu verzeichnen. 

Auch am Lieferservice der Surbtaler Gemeinde hat sich der kreative Bäcker beteiligt. «Wir sind mit einem hellblauen Auge davon gekommen», stellt Alt erleichtert fest. Die neue Tortenkreation soll das Zurzibiet über die Region hinaustragen. Der Verkauf läuft gut – auch dank der Botschafterin, die während des Backens gerne nascht: «Aber nicht zu viel, sonst muss ich noch mehr trainieren.»

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