«Ich habe gerne Otto gehört»

Eine erfolgreiche Sängerin aus Gebenstorf fasst Plan B: Sie wird Comedian. Und wieder ist sie erfolgreich. Nun tritt Isabel Meili in Baden auf.

Isabel Meili tritt am Comedyfestival «Baden lacht» auf. (Bild: zVg)

16. September 2020
11:02

«Ich war nie der Klassenclown, habe aber gerne mit meinen zwei jüngeren Schwester etwas Musikalisches einstudiert, wenn wir zu Hause Besuch bekamen», erzählt Isabel Meili, die ihre Familie immer noch ein halbes Dutzend Mal im Jahr besucht – am liebsten in Verbindung mit einem Auftritt in der Region. Im Löschwasserbecken, Royal und Odeon sowie an der Badenfahrt war sie schon zu erleben, bei «Baden lacht» noch nie. Nun wird sie dort neben prominenten Kolleginnen und Kollegen wie Gastgeber Rob Spence, Peach Weber und Helga Schneider (ex Acapickels) ein neues, breiteres Publikum erreichen.

Den Entschluss, das Showbusiness zum Beruf zu machen, fasste die Gebenstorferin als 16-Jährige, nachdem sie zum ersten Mal in einem Musical mitgewirkt hatte. Bevor sie sich für eine diesbezügliche Ausbildung in Deutschland und Österreich bewarb, absolvierte sie auf der Gemeinde in Gebenstorf eine KV-Lehre, während der sie sich mit Gesangs- und Tanzunterricht auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitete. Nicht nur, weil sie zum ersten Mal ganz auf sich gestellt war, erwies sich der Umzug nach Wien als grosse Herausforderung. «Ich habe den Dialekt unterschätzt und auch den derben schwarzen Humor, der mir inzwischen gefällt, weniger verstanden als erwartet», erklärt Meili. «Ausserdem wird Freundlichkeit kleingeschrieben.»


Stimme versagte
Trotz allem behauptete sich die Aargauerin in der Zweimillionenstadt, schaffte den Abschluss am Konservatorium und spielte in Musicals wie «Aida» und «Der Zauberer von Oz». Als sie 2015 die Titelrolle in «Die Schneekönigin» sang, versagte plötzlich ihre Stimme. Ein Stimmbandödem wurde diagnostiziert. Meili fühlte ich auf dem Nullpunkt und stand vor der Wahl Operation oder Logopädie. Sie entschied sich für die konservative Methode und konnte ein Jahr nicht mehr auftreten. «Ich dachte, ich nutze diese Zeit, um etwas zu tun, dass ich mir früher nie zugetraut hatte – meine ersten Stand-up-Comedy-Nummern zu schreiben», erinnert sie sich. «Ich habe als Kind wahnsinnig gerne Otto gehört und ihn dafür bewundert, dass er die Menschen zwei Stunden lang zum Lachen bringen konnte.»

Da schon die ersten Nummern zeigten, dass sie Talent besitzt, wurde Meili für den Swiss Comedy Award als beste Newcomerin nominiert. «Ich habe mich zuerst zwei Jahre lang ausprobiert und das Stand-up-Handwerk gelernt, bevor ich das abendfüllende Programm «Schlapfen halten» («Schnörre hebe» auf Wienerisch) vorstellte. Sie thematisierte darin neben dem Perspektivenwechsel von der kommunikativen Akteurin zur Zuhörerin und stillen Beobachterin auch die Mentalitätsunterschiede zwischen Schweizern und Österreichern. Die kommen auch im zweiten Programm «Genug» vor, das wegen Corona erst am 8. Oktober im Zürcher ComedyHaus Schweizer Premiere feiern wird – die österreichische hatte einen Tag vor dem Lockdown gerade noch stattfinden können. «Ich ärgere mich darin beispielsweise über den grassierenden Selbstoptimierungswahn und darüber, dass wir gegenüber der Gewalt in Krimis eine extreme Toleranz entwickelt haben, aber Periodenblut im Fernsehen bis heute nicht gezeigt werden darf», verrät Meili. Nicht genug hat sie von feinem Essen und guten Gesprächen mit interessanten Leuten. «Ob von der Gage noch genug übrig ist, wenn ich nach meinem Auftritt bei ‹Baden lacht› ein wenig am Roulettetisch des Grand Casinos gespielt habe, wird sich zeigen …»


«Baden lacht»
Freitag, 25. September, 17 Uhr

Grand Casino, Baden
www.grandcasinobaden.ch
 

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