«Ich kann im Kleinen etwas bewirken»

Lea Eichenberger aus Villnachern lebt seit August 2019 in Sambia. Dort ist sie in der personellen Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Will die Welt im Kleinen verändern: Lea Eichenberger, die Lehrerin aus Villnachern
Will die Welt im Kleinen verändern: Lea Eichenberger, die Lehrerin aus Villnachern (Bilder: zVg)

22. Juli 2020
09:25

Lea Eichenberger hat nach ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin vier Jahre im Glarner Sernftal unterrichtet. Obwohl es ihr dort gut gefallen hat, zog es sie auf einen anderen Kontinent. «Ich habe mich schon immer für Entwicklungszusammenarbeit interessiert. Bereits während der Kantonsschule wusste ich, dass ich einen solchen Auslandseinsatz machen wollte, um dort mit der Lokalbevölkerung zusammenzuarbeiten», erzählt die 27-Jährige. «Bei meinen Recherchen wurde ich auf Comundo aufmerksam.» Das Schweizer Hilfswerk organisiert Einsätze in acht Ländern in Afrika und Lateinamerika. Eichenberger entschied sich für einen dreijährigen Einsatz in der personellen Entwicklungszusammenarbeit. Comundo schickte sie im August 2019 nach Lusaka, Sambia. Dort ist die Villnacherin als Fachperson an der Destiny Community School in einem Armenviertel tätig. Sie gibt ihr Know-how im methodisch-didaktischen Bereich an die rund 14 sambischen Lehrpersonen weiter und berät sie im Schulalltag. «Ich kann nicht die Welt verändern, aber ich kann helfen, das Leben der Lehrpersonen und Kinder ein bisschen besser zu machen», sagt Eichenberger. 

 

Mit Kreativität näher ans Ziel

Das Unterrichtsverständnis in Sambia sei ganz anders als hier. Falls die entsprechenden Materialien vorhanden sind, schreiben die Lehrpersonen alles an die Tafel, und die Kinder schreiben alles fein säuberlich in ein Notizheft ab. Dabei verstehen die Schüler nichts vom Inhalt, und bis in die sechste Klasse können rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht lesen. Aus diesem Grund soll die Qualität der Bildung verbessert werden, um den Kindern eine Chance zu bieten, der Armut zu entfliehen. «Mein persönliches Ziel ist es, dass die Kinder an dieser Schule mehr in den Unterricht involviert werden und dadurch mehr lernen», meint die Lehrerin. Der Weg dorthin sei jedoch sehr schwierig und langwierig. «Wir können nur Möglichkeiten aufzeigen und hoffen, dass die Lehrpersonen einige davon übernehmen.» 

Lea Eichenberger musste erkennen, dass der Unterricht, wie wir ihn in der Schweiz kennen, in Sambia nicht funktioniert. «Man muss kreativ werden, unterschiedliche Ideen ausprobieren und mit wenig Materialien auskommen», meint die junge Frau. Die täglichen Herausforderungen fordern sie fachlich wie persönlich. «Im Kleinen kann ich etwas bewirken», sagt sie. «Ich freue mich über jede noch so winzige Veränderung. Berge zu versetzen in der Entwicklungsarbeit, ist aber schlichtweg nicht möglich.»

Der Austausch mit den Lehrpersonen, Kindern und Eltern gefällt Lea Eichenberger. Die Sambier seien sehr fröhlich, auch wenn in ihrem Land so viel Armut herrsche. So habe sie schon viele berührende Momente erlebt, erzählt sie. 

  • Lea Eichenberger bei ihrem Einsatz in Sambia
    Lea Eichenberger bei ihrem Einsatz in Sambia

 

Zurück in der Schweiz

Seit Ende März verweilt die junge Frau in Villnachern bei ihren Eltern. Aufgrund der Corona-Situation entschied sie sich, in die Schweiz zurückzukehren. Im vergangenen Jahr konnte Lea Eichenberger bereits viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Im Herbst geht es für sie nach Afrika zurück. In der Zwischenzeit möchte die Lehrerin die Leute in der Region für ihre Tätigkeit in Sambia sensibilisieren. «Die Kultur ist anders, und das Leben ist anders», erklärt sie. «Man muss ganz behutsam vorgehen und sich anpassen. Man lernt so viel von anderen Kulturen und entwickelt sich mit den Erfahrungen immer weiter.» Besonders am Anfang sei das extrem anstrengend, aber zugleich unglaublich spannend.

Auf die Frage, was sie nach ihrem Sambia-Einsatz plane, meint die Villnacherin lachend: «Erst mal zurück in die Schweiz. Im Moment klingt das ‹langweilige› Leben hier, welches ich vorher auf keinen Fall wollte, ziemlich verlockend. Aber ob ich das in zwei Jahren noch so sehe, weiss ich jetzt noch nicht.»

Lea Eichenberger hält am Mittwoch, 29. Juli, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Villnachern einen öffentlichen Vortrag und berichtet über ihre Tätigkeit und ihre Erlebnisse in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Die Kollekte kommt vollumfänglich ihrem Einsatz zugute. 

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