«Ich kenne alle Wälder der Region»

Mitte Juli startet Timo Suter aus Rütihof an den Junioren-Weltmeisterschaften in Ungarn. Die Freude am Orientierungslauf wurde dem Maturanden in die Wiege gelegt.

Im Zimmer: Viele Medaillen und Diplome zeugen in Timos Zimmer von seinen OL-Erfolgen
Im Zimmer: Viele Medaillen und Diplome zeugen in Timos Zimmer von seinen OL-Erfolgen (Bild: is)

von
Ilona Scherer

14. Juni 2018
09:00

Orientierungslauf

OL ist eine Laufsportart. Im Gelände werden mehrere Kontrollpunkte (Posten) festgelegt, die mithilfe von Geländekarte und Kompass gefunden werden müssen. Dabei wählen die Läuferinnen/Läufer die für sie optimale Route selbst. Die Wurzeln der Sportart liegen in Skandinavien. Der erste bekannte OL wurde 1897 in Oslo durchgeführt. Die Schweiz gehört zu den führenden Nationen im OL. Weitere Informationen: www.swiss-orienteering.ch


An Welttitelkämpfen messen sich die Teilnehmenden in fünf Dis­ziplinen: Sprint (rund 2 bis 5 km), Mitteldistanz (4 bis 8 km), Lang­distanz (10 bis 15 km), Sprintstaffel (Mixed) sowie Staffel. Beim Nacht-OL wird mit Stirnlampe gelaufen.

Ein Leben ohne Orientierungslauf? Das kann sich Timo Suter nicht vorstellen. «Ich renne sehr gern, und ich lese sehr gern Karten. Das ist eine super Mischung. Zudem kann man in freier Natur am besten abschalten», schwärmt der 19-Jährige. Täglich trainiert er mindestens eine Stunde: Joggen, aber auch Kraft- und Velotraining gehören zum Standardprogramm eines Orientierungsläufers. Das Training kann er von zu Hause aus starten, die Familie wohnt am Rand von Rütihof. «Ich kenne wahrscheinlich alle Wälder der Region», sagt der Blondschopf und schmunzelt. 

 

Jukola-Staffel in Finnland

Die vergangenen Wochen waren intensiv: Neben der Vorbereitung auf die Junioren-Weltmeisterschaften in Ungarn, die am 17. Juli beginnen, absolvierte Timo Suter auch die Matura an der Kantonsschule Baden. Der schriftliche Teil ist nun vorbei, die letzte mündliche Prüfung steht heute Donnerstag auf dem Programm. Nun heisst es abwarten: Ende Juni erfährt er, ob er bestanden hat. Im Herbst beginnt sein Geomatik-Studium an der ETH Zürich.

Statt sich nun an einem Strand vom Prüfungsstress zu erholen, fliegt Timo Suter nach Finnland. Dort startet er am Wochenende an der Jukola, der grössten und traditionsreichsten OL-Staffel der Welt. «Orientierungslauf ist für mich wie Ferien», beteuert er: «Meine ganze Familie ist OL-begeistert, und wir machen auch oft gemeinsam OL in den Ferien. Ich finde das cool.»

Erfolgreiches Trio: Timo mit Schwester Siri (18) und Bruder Jari (15), die ebenfalls talentierte OL-Läufer sind
Erfolgreiches Trio: Timo mit Schwester Siri (18) und Bruder Jari (15), die ebenfalls talentierte OL-Läufer sind (Bild: zVg)

 

Von klein auf an Wettkämpfen

Seine Schwester Siri (18) und Bruder Jari (15) gehören ebenfalls dem Kader des Aargauer OL-Verbandes an, Siri zudem dem Junioren-Nationalkader. Auch Mutter Judith (48), die dänische Wurzeln hat, sowie Vater Nik (52) nehmen seit vielen Jahren an Rennen teil. Bis 2003 war Nik Suter sogar Schweizer Nationaltrainer der Männer. «Dadurch waren wir schon von klein auf immer an den OL-Wettkämpfen dabei», erzählt Timo. An grösseren Anlässen gab es jeweils eine Kinderbetreuung, «dort wurden wir während der Rennen betreut und durften Orientierungsläufe durch Schulhäuser oder in der nahen Umgebung machen. Das war natürlich cool», erinnert er sich.

Seinen ersten OL absolvierte er als Achtjähriger. Mit zehn nahm er erstmals an einer Schweizermeisterschaft teil. Ein paar Dutzend Medaillen sowie Diplome zeugen in seinem Jugendzimmer im oberen Stock des Familienheims in Rütihof von seinen Erfolgen. Mit 17 verbrachte der Aargauer ein Jahr an einem OL-Gymnasium in Eksjö/Schweden. Davon profitiert er bis heute. «Schwedisch ist im OL-Sport eine wichtige Sprache, aber auch das Training brachte mir natürlich viel. Es war eine super Erfahrung», schwärmt Timo, der sein Austauschjahr privat organisierte. Für Wettkämpfe flog er ab und zu in die Schweiz. 

 

Traum vom Elite-Kader

Bereits 2017 wurde er vom Schweizer Verband für die Junioren-WM selektioniert. In Finnland wollte der WM-Neuling vor allem Erfahrungen sammeln. In seiner Paradedisziplin Sprint (siehe Box) wurde er 15., über die Mitteldistanz erreichte er den A-Final der besten 60, wurde wegen technischer Fehler und eines verknacksten Fusses aber nur 41.: «Ein Fehler ist im OL eben fatal.» In der Langdistanz erreichte er Rang 37. In der Staffel gelang ihm als Schlussläufer die viertbeste Zeit jenes Rennens.

Für die diesjährigen Titelkämpfe in Kecskemet (Ungarn) hat sich Timo Suter höhere Ziele gesetzt: ein Sprint-Diplom (Rang 1 bis 6), einen Platz unter den ersten Zehn über die Langdistanz, «und eine Staffel-Medaille wäre schön», hofft Timo. Die WM ist ein Highlight für ihn – und seine Schwester: Siri ist erstmals als Ersatzläuferin dabei. 

Die sportlichen Erfolge machten auch Sponsoren aufmerksam. Seit April wird Timo Suter vom Badener Sportgeschäft Grieder unterstützt. Dort darf er seine Ausrüstung – hauptsächlich Joggingschuhe – beziehen. Das Marketingunternehmen Sidekicks erstellt derzeit seine Website. Zudem wird er von McDonald’s Aarau mit einer Sporthilfe-Patenschaft auf dem Weg zum Profisportler unterstützt.  

Vom OL leben zu können, wäre für Timo Suter ein Traum. Der nächste Schritt ist der Sprung ins Schweizer Elite-Kader. «Das will ich dieses Jahr noch schaffen», erklärt die Aargauer Nachwuchshoffnung. Als Orientierungsläufer  ist er gewohnt, das Zie zu finden.

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