«Ich könnte ein Buch schreiben»

Roland Wunderli tritt als CEO von Badener Taxi zurück. An Ruhestand denkt der 71-jährige Tausendsassa und Ur-Badener aber noch lange nicht.

Auch wenn er als CEO von Badener Taxi zurücktritt, hat Roland Wunderli noch viel vor. (Bild: ub)

03. September 2020
07:04

Jahrgang 1948? Wenn Roland Wunderli sein Alter nennt, kann man nur staunen. Der 71-Jährige trägt einen grauen Nadelstreifenanzug und strotzt vor Energie. Kein Gramm Fett hat er auf den Rippen. Seinen reichhaltigen Palmarès erzählt er im Stakkato-Tempo, und man muss seinen Redefluss manchmal bremsen. Dass er 16 Jahre CEO bei Badener Taxi war und Ende September in Pension geht, ist nur eine Facette seines Schaffens. Denn er ist weiterhin Geschäftsführer der Badener Bestattungen GmbH, engagiert sich als Mitglied des Rotarier-Clubs Wettingen-Heitersberg für gemeinnützige Projekte und ist in der Spanisch-Brödli-Zunft Baden aktiv für die Organisation der Fasnacht und der Cordula-Feier im Amt. Dass er bei Badener Taxi aufhöre, habe denn auch nichts damit zu tun, dass er sich müde oder ausgelaugt fühle. «Mit René Rüegg wird eine fachkundige Person mein Nachfolger werden», bekundet der umtriebige Geschäftsmann. 2005 führte er bei der rund 25 Fahrzeuge umfassenden Flotte der Badener Taxi AG das erste erdgasbetriebene Auto ein; mittlerweile kommen sechs Elektromobile dazu. Vier weitere hätten dieses Jahr angeschafft werden sollen. Aber die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. «Im April und Mai sind unsere Geschäfte total eingebrochen, und wir konnten nur noch zwei Prozent des bisherigen Umsatzes machen.» Wunderli versichert, dass auch der Lockdown kein Grund für ihn gewesen sei aufzuhören. «Ich bin überzeugt, dass sich die Lage wieder bessert», meint er und fügt hinzu, «über meine langjährige Taxikarriere könnte ich ein dickes Buch schreiben.»


Er verschiebt nichts auf morgen
Ursprünglich wollte Roland Wunderli Pfarrer werden. Nach dem Abschluss an der Bezirksschule Baden verbrachte er ein Jahr am Institut Catholique des Jeunes Gens in Neuchâtel. «Die katholische Bruderschaft faszinierte mich. Die Konsequenzen mit dem Zölibat waren mir aber dann doch zu hart.» Wunderli entschloss sich für eine breit gefächerte KV-Ausbildung, die er bei der ehemaligen Schreinerei Burger in Baden abschloss. Nach Sprachaufenthalten und Dispositionstätigkeiten bei der Amag Schinznach-Bad und Welti Furrer avancierte Wunderli zum Operation and Fleet Manager bei Europcar. Von Paris aus betreute er 28 Länder und holte unter anderem Lizenzen in den baltischen Staaten ein, die erst 1991 ihre Selbständigkeit erlangten. «Eine spannende Aufbruchszeit», erinnert er sich, und seine Augen blitzen unternehmungslustig. Doch das Heimweh nach seiner Frau, die in der Schweiz geblieben war, übermannte ihn. 1994 kam er in seine Heimat zurück und übernahm die Geschäftsführung des Reifen- und Autoservice-Spezialisten Adam Touring. Nach zehn Jahren kam dann das Angebot, die Badener Taxi AG zu übernehmen. Und Wunderli schlug zu. «Ich verschiebe nichts im Leben, wenn ich etwas will. Denn morgen könnte es dafür schon zu spät sein», zeigt sich der Unternehmer in allen Lebenslagen überzeugt. Aus dem damaligen Einmannunternehmen eines bei ihm angestellten Taxifahrers, der Särge für Verstorbene zimmerte, gründete er die heute florierende Firma Badener Bestattungen GmbH. Und beschäftigt unterdessen vier Vollzeitangestellte.


Er glaubt an ein Leben danach
Wie verändert sich die Einstellung zum Tod, wenn der Transport der Verstorbenen, Gespräche mit Angehörigen, Todesanzeigen, Blumen, Beerdigungszeremonie etc. zum «daily business» werden? «Jeder Tod ist schlimm, und es gibt immer Fälle, die einem besonders an die Nieren gehen. Aber ich muss nach einem Tag davon Distanz nehmen können. Zugunsten meiner Kundschaft.» Der einstmals vorbildliche katholische Ministrant glaubt fest an ein Leben «danach».

Dass Roland Wunderli als leidenschaftlicher Fussballer von 1983 bis 1988 und 1998 Präsident des FC Baden war, als Mitglied der SpanischBrödli-Zunft fünf Jahre die Badener Fasnacht organisierte und als Rotarier 2019/2020 zum Governor der Schweiz erkoren wurde, erfährt man im Gespräch fast nebenbei. Die Essenz bei all seinen Tätigkeiten bleibt immer dieselbe: «Ich bin hart, aber fair, wenn es ums Business geht. Damit bin ich bis jetzt immer gut gefahren.» Politiker hätte er nach eigenen Aussagen nie werden wollen. «Dazu fehlt es mir an Diplomatie.» Nach dem Rücktritt als CEO der Badener Taxi AG will er wieder einer Leidenschaft nachgehen, die er lange Zeit vernachlässigt hat: dem Golfspielen. «Zudem will ich Zeit zusammen mit meiner Frau verbringen und ihr auch im Haushalt noch mehr zur Hand gehen», sagt er. Sein Lebensmotto heisst «carpe diem». Und das will er definitiv weiterhin ausleben.

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